Beeinträchtigungen der weißen Hirnsubstanz und funktionellen Netzwerke bei gesunden Personen mit auditiv-verbalen Halluzinationen

Beeinträchtigungen der weißen Hirnsubstanz und funktionellen Netzwerke bei gesunden Personen mit auditiv-verbalen Halluzinationen

Auditiv-verbale Halluzinationen (AVH) sind Wahrnehmungserlebnisse, bei denen Personen Stimmen ohne externe Stimuli hören. Diese Phänomene werden häufig mit neuropsychiatrischen Störungen wie Schizophrenie, bipolarer Störung, Major-Depression, posttraumatischer Belastungsstörung und Borderline-Persönlichkeitsstörung assoziiert. Allerdings berichten auch Personen ohne neuropsychiatrische Diagnosen über AVH, bezeichnet als gesunde Personen mit AVH (H-AVH). Die Prävalenz von AVH in der Allgemeinbevölkerung variiert je nach diagnostischen Kriterien. Laut strengsten Kriterien (Wahrnehmung von Sätzen oder Wörtern ohne Anwesenheit anderer) liegt die Prävalenz bei 0,7%. Bei weniger strikten Kriterien (auditive oder visuelle Wahrnehmungen, die andere nicht erfassen) steigt sie auf 4,2%. Unter H-AVH entwickeln 6,2–20,0% innerhalb von 2–5 Jahren eine Psychose. Selbst ohne Psychose benötigt eine Minderheit klinische Betreuung. Die Erforschung von AVH bei Gesunden ist entscheidend, um Therapieeffekte bei klinischen Populationen zu verstehen.

Frühere neuroimaging-Studien identifizierten strukturelle und funktionelle Veränderungen bei H-AVH. Beispielsweise zeigten sich strukturelle Auffälligkeiten im supplementär-motorischen Areal (sprachassoziiert) und im linken superioren Temporalgyrus. Funktionelle Störungen betrafen auditorische, Gedächtnis- und Sprachareale sowie das Default-Mode- und Salienz-Netzwerk. Bislang fehlten jedoch Studien zu strukturellen und funktionellen Hirnveränderungen bei chinesischen H-AVH.

Diese Studie untersuchte erstmals die Integrität der weißen Substanz und funktionelle Netzwerkveränderungen bei chinesischen H-AVH. Die Studie erfolgte gemäß der Deklaration von Helsinki mit Genehmigung der Ethikkommission des Wenzhou Seventh People’s Hospital. Eingeschlossen wurden 24 H-AVH (strikte AVH-Kriterien) und 29 demografisch passende Kontrollen. Die strukturelle Analyse erfolgte mittels tract-basierter räumlicher Statistik (TBSS), funktionelle Netzwerke wurden mit GRETNA verglichen. Die MRT-Daten (3,0-T-System) umfassten eine 3D-T1-gewichtete BRAVO-Sequenz (188 sagittale Schichten, Repetitionszeit 8,2 ms, Echozeit 3,2 ms). Die Datenanalyse erfolgte mit PANDA-Software (Integration von FSL, Diffusion Toolkit, MRIcron). Ruhezustands-BOLD-Daten wurden mit SPM8 vorverarbeitet (Bewegungskorrektur <2 mm/2°, Regression von Störsignalen). Netzwerke wurden mittels GRETNA 2 konstruiert (Bonferroni-korrigiertes Signifikanzniveau: p < 0,05).

Die H-AVH-Gruppe zeigte ausgeprägte Störungen der weißen Substanz im Corpus callosum, Fasciculus arcuatus, kortikospinalen Trakten sowie der vorderen und hinteren Kommissur. Funktionell bestanden reduzierte Konnektivitäten zwischen parietalen, okzipitalen, temporalen und frontalen Regionen (Abbildung 1). Diese Pilotstudie belegt erstmals strukturelle und funktionelle Beeinträchtigungen bei chinesischen H-AVH, die nahezu alle Hauptbahnen und Netzwerke betreffen. Die Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass AVH mit Störungen kritischer neuronaler Schaltkreise – insbesondere auditorischer frontotemporaler Regionen – einhergehen.

Einschränkungen: 1) Eingeschlossene Probanden mit persistierenden AVH könnten stärkere Veränderungen aufweisen als Personen mit seltenen AVH. 2) Die Analyse umfasste keine graphentheoretische Vertiefung. 3) Begleitsymptome wie Angst oder Depression wurden nicht erfasst. 4) Die Stichprobengröße war begrenzt. Zukünftige Studien mit größeren Kohorten und erweiterter Methodik sind geplant.

Zusammenfassend offenbart diese Studie strukturelle und funktionelle Beeinträchtigungen zentraler neuronaler Netzwerke bei H-AVH. Die Erkenntnisse tragen zum Verständnis der Pathologie von AVH bei und unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000106

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