Behandlung von Zysten des Ziliarkörpers mit Blendung durch Laser

Behandlung von Zysten des Ziliarkörpers mit Blendung durch Neodymium-dotierten Yttrium-Aluminium-Granat-Laser

Einleitung

Multiple bilaterale iridoziliare Zysten sind ein relativ häufiger ophthalmologischer Befund, der jedoch nicht immer klinisch relevant ist. Mit zunehmender Größe können diese Zysten jedoch zu Sehbehinderungen, Glaukom und weiteren okulären Komplikationen führen. Dieser Artikel beschreibt einen ungewöhnlichen Fall multipler Ziliarkörperzysten, die Blendung verursachten und erfolgreich mittels Neodymium-dotiertem Yttrium-Aluminium-Granat(Nd:YAG)-Laser behandelt wurden.

Fallvorstellung

Ein 18-jähriger männlicher Patient mit langjähriger Blendungsproblematik in beiden Augen stellte sich in der ophthalmologischen Klinik des Shanghai 9th People’s Hospital vor. Zuvor war er bei mehreren Ärzten untersucht worden, die Verdachtsdiagnosen wie Trockenes Auge, psychogene Störungen und intrakranielle Läsionen äußerten. Keine der vorherigen Therapien führte zur Besserung, die Symptome verschlechterten sich jedoch zunehmend. Die Anamnese ergab keine relevanten Vorerkrankungen oder familiären Belastungen. Die initialen klinischen Untersuchungen – inklusive Visus, intraokulärer Druck, Schirmer-Test, Tränenfilmaufrisszeit sowie Pupillen- und Irisbeurteilung – waren unauffällig.

Zur weiteren Abklärung der Blendung wurde ein Optical Quality Analysis System (OQAS; Visiometrics, Terrassa, Spanien) eingesetzt. Das OQAS misst Parameter wie die Modulation Transfer Function(MTF)-Cutoff-Frequenz, das Strehl-Verhältnis und den Objective Scattering Index (OSI). Während MTF-Cutoff und Strehl-Verhältnis positiv mit der Sehqualität korrelieren, steht der OSI im negativen Zusammenhang und ist indirekt mit Blendung assoziiert. Die OQAS-Ergebnisse zeigten eine subnormale optische Qualität in beiden Augen: MTF-Cutoff, Strehl-Verhältnis und OSI betrugen im rechten Auge 24,855, 0,513 und 1,6 sowie im linken Auge 22,124, 0,141 und 1,9. Die OSI-Werte lagen damit über dem altersüblichen Durchschnitt.

Eine Ultraschallbiomikroskopie (UBM) offenbarte multiple nichtpigmentierte Ziliarkörperzysten in beiden Augen. Da keine weiteren strukturellen Auffälligkeiten vorlagen, wurde die Diagnose primärer iridoziliärer Zysten mit assoziierter Blendung gestellt.

Behandlung und Ergebnisse

Von März bis April 2016 erfolgte eine wiederholte beidseitige Nd:YAG-Laser-Zystektomie über einen Iriszugang. Der Eingriff wurde in drei Sitzungen durchgeführt, um intraoperative Blutungen zu minimieren. Zunächst wurden die prominentesten Zysten gemäß UBM-Befund behandelt. Unmittelbar postoperativ berichtete der Patient über eine deutliche Reduktion der Blendung.

Die Nachuntersuchung am 8. August 2016 mittels OQAS und UBM zeigte eine signifikant verbesserte optische Qualität: MTF-Cutoff, Strehl-Verhältnis und OSI betrugen im rechten Auge 36,622, 0,215 und 0,9 sowie im linken Auge 44,146, 0,243 und 0,6. Die erhöhten MTF-Cutoff- und Strehl-Werte sowie der reduzierte OSI deuteten auf eine verbesserte Lichtverarbeitung hin. Die Blendungssymptomatik war vollständig remittiert. Laserinduzierte Irisdefekte waren sowohl in der UBM als auch spaltlampenmikroskopisch nachweisbar.

Eine weitere Kontrolle am 17. August 2017 – über ein Jahr postoperativ – bestätigte die anhaltende Stabilität der optischen Parameter: MTF-Cutoff, Strehl-Verhältnis und OSI lagen im rechten Auge bei 49,865, 0,269 und 0,400 sowie im linken Auge bei 47,307, 0,263 und 0,400.

Diskussion

Iridoziliäre Zysten können diverse Komplikationen wie Linsenkolobome, Katarakte, Amblyopie oder Glaukome verursachen. Im vorliegenden Fall wird angenommen, dass die Zysten durch Kompression der Zonulafasern die Linsenakkommodation mechanisch störten und somit die Blendung auslösten. Blendung als Leitsymptom iridoziliärer Zysten ist kaum dokumentiert, weshalb diese Komplikation klinisch oft unerkannt bleibt.

Aktuell existieren keine direkten Methoden, um den Einfluss der Zysten auf Linse und Zonulafasern zu quantifizieren. Die Pathomechanismen bleiben daher theoretisch. In den letzten zehn Jahren behandelten die Autoren drei vergleichbare Fälle männlicher Jugendlicher mit chronischer Blendung erfolgreich mittels Nd:YAG-Laser, bei denen ebenfalls primäre iridoziliäre Zysten als einzige Pathologie vorlagen.

Zusammenfassung

Dieser Fall unterstreicht die Wirksamkeit der Nd:YAG-Laser-Zystektomie bei primären iridoziliären Zysten mit Blendungssymptomatik. Die unmittelbare Symptomlinderung und langfristige Stabilität der optischen Qualität postoperativ machen dieses Verfahren zu einer vielversprechenden Therapieoption. Weitere Forschung ist notwendig, um die zugrundeliegenden Pathomechanismen der Blendung aufzuklären und die Behandlungsstrategien zu optimieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000068

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