Beste Knochenauswahl des Acetabulums für Pfannenpositionierung

Beste Knochenauswahl des Acetabulums für die Pfannenkomponentenpositionierung bei Hüftdysplasien der Crowe-Typen I bis III: Eine Computersimulationsstudie

Die Hüfttotalendoprothese (HTEP) ist die Standardbehandlung bei fortgeschrittener degenerativer Arthrose bei Patienten mit angeborener Hüftdysplasie (Developmental Dysplasia of the Hip, DDH). Die stark variierenden Defizite des dysplastischen Acetabulums stellen jedoch eine erhebliche Herausforderung für die HTEP dar. Dysplastische Hüften werden mittels der Crowe-Klassifikation eingeteilt, die auch die chirurgische Komplexität und das Komplikationsrisiko vorhersagt. Bei schweren Fällen erschweren eine flache acetabuläre Konkavität, anterolaterale Knochendefekte und Osteophyten die Rekonstruktion. Die optimale Positionierung der Pfannenkomponente bleibt umstritten, wobei viele Experten eine anatomische Positionierung zur Biomechanikoptimierung befürworten. Für zementfreie Pfannen kann dies jedoch eine Knochen-Pfannen-Abdeckung (Bone-Cup Coverage, BCC) von unter 75–80 % bedeuten, was die biologische Fixierung gefährdet.

Eine superiore Pfannenpositionierung kann bei Crowe-Typ-II- und -III-Hüften eine bessere Knochenabdeckung ermöglichen. Aktuelle Studien zeigen zufriedenstellende Langzeitergebnisse bei superior platzierten Pfannen, doch eine hohe Hüftzentrierung bleibt kontrovers, da sie mit Dislokationsrisiko, reduzierter Abduktorenfunktion und Bewegungseinschränkungen assoziiert wird.

Methodik
In dieser Studie wurden 51 Beckenmodelle (61 Hüften) von Patienten mit Hüftdysplasie (Crowe I–III) mittels 3D-Computersimulation analysiert. Die vertikale Höhe des Pfannenzentrums (V-HCC) wurde als Distanz zwischen dem Rotationszentrum der Pfanne und der Interteardrop-Linie (ITL) definiert. Die Pfanne wurde initial bei 15 mm V-HCC positioniert und in 3-mm-Schritten proximal verschoben. Die BCC wurde automatisch berechnet.

Ergebnisse
Die maximale Dicke des Acetabulums zeigte keine signifikanten Gruppenunterschiede. Die höchste Knochenqualität wurde bei folgenden V-HCC-Werten erreicht:

  • Crowe I: 41,63 ± 5,14 mm über der ITL
  • Crowe II: 47,58 ± 4,10 mm
  • Crowe III: 55,78 ± 3,64 mm

Bei einer V-HCC von 15 mm betrug die mediane BCC:

  • Crowe I: 78 % (75–83 %)
  • Crowe II: 74 % (66–71 %)
  • Crowe III: 61 % (57–68 %)

Um 80 % BCC zu erreichen, waren folgende V-HCC-Werte erforderlich:

  • Crowe I: 16,27 mm (15,00–16,93 mm)
  • Crowe II: 18,19 mm (15,01–21,53 mm)
  • Crowe III: 24,13 mm (21,02–28,70 mm)

Diskussion
Die Studie zeigt, dass eine leicht superiore Positionierung mit V-HCC <25 mm bei Crowe-I- bis -III-Hüften ausreichende Knochenabdeckung gewährleistet. Die Knochenqualität des medialen Acetabulums bestimmt die Medialisierung der Pfanne, während die Domusqualität die maximale Höhe für stabile Verankerung definiert. Obwohl bei Crowe-III-Hüften weniger Probanden eingeschlossen waren und die Simulation feste Inklination/Antetorsion annahm, bieten die Ergebnisse wertvolle Hinweise für die intraoperative Entscheidungsfindung.

Schlussfolgerung
Die Knochenverteilung des Acetabulums variiert je nach Dysplasieschweregrad. Bei der Rekonstruktion sollte eine leicht superiore Pfannenpositionierung (V-HCC <25 mm) angestrebt werden, um ausreichende BCC zu erreichen. Dies optimiert die biomechanische Stabilität und reduziert das Risiko einer Frühlockerung.

Einschränkungen
Die Studie umfasste wenige Crowe-III-Fälle, fehlende Vergleichsdaten zu gesunden Hüften und fixierte Pfannenneigungswinkel in der Simulation.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000527

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