Bildgeführte, roboterassistierte perkutane Punktion des Foramen ovale und des Foramen stylomastoideum: Eine Kadaverserie

Bildgeführte, roboterassistierte perkutane Punktion des Foramen ovale und des Foramen stylomastoideum: Eine Kadaverserie

Chirurgische Robotersysteme gewinnen in der modernen Medizin zunehmend an Bedeutung, da sie präzise und minimal-invasive Lösungen für komplexe Eingriffe bieten. Das da Vinci-System ist hierbei am bekanntesten, insbesondere für die Behandlung von Läsionen in anatomisch anspruchsvollen Regionen wie der Zungenbasis oder der Submandibularregion. Die Anwendung robotischer Systeme für perkutane Punktionen bleibt jedoch diskussionswürdig. Der Remebot, ein in China entwickelter chirurgischer Roboter, zeigt vielversprechende Ergebnisse in der Neurochirurgie. Seine intraoperative Navigationsfähigkeit ermöglicht eine präzise Steuerung von Punktionsrichtung und -tiefe. Obwohl seine Effizienz in der oralen und maxillofazialen Chirurgie bisher unzureichend untersucht wurde, zielte diese Studie darauf ab, die Machbarkeit und Genauigkeit des Remebot-Systems für die Punktion des Foramen ovale (FO) und Foramen stylomastoideum (FS) an humanen Kadaverserien zu evaluieren.

Das Foramen ovale, eine kritische Struktur im Keilbein, dient als Austrittsstelle des Nervus mandibularis. Klinisch wird seine Punktion häufig zur Behandlung der Trigeminusneuralgie eingesetzt. Die tiefe Lage und die anatomische Barriere durch die Kieferknochen erschweren jedoch eine erfolgreiche Einmalpunktion. Das Foramen stylomastoideum, als Austrittspunkt des Nervus facialis, ist bei Adenoidzystischen Karzinomen der Parotis von Relevanz. Die Implantation von Brachytherapie-Seeds in dieses Foramen erfordert hohe technische Präzision.

In dieser Studie wurden 11 formalinfixierte Kadaverköpfe mit dem Remebot-System und Kirschner-Drähten untersucht. Nach Reinigung der Präparate und Anbringung von Referenzmarkern erfolgten präoperative CT-Scans zur Planung der Punktionstrajektorien. Der Roboterarm navigierte die Drähte unter Verwendung von drei Steuerungsmodi (punktbasiert, axial, frei) entlang der geplanten Bahn. Postoperative CT-Scans dienten der Genauigkeitsüberprüfung mittels Euclidischer Distanzmessungen zwischen Nadelspitze und Zielstruktur.

Ergebnisse:

  • Foramen ovale: 22 erfolgreiche Punktionen (links: 1,49 ± 0,51 mm; rechts: 1,31 ± 0,61 mm Zielgenauigkeit).
  • Foramen stylomastoideum: 16 Punktionen bei 3 beschädigten Präparaten (links: 1,35 ± 0,87 mm; rechts: 1,77 ± 1,13 mm).
  • Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Seiten (p > 0,05).

Verglichen mit herkömmlichen Methoden (z. B. Hartel-Technik oder CT-gesteuerte Punktion) reduziert der Remebot die Abhängigkeit von manueller Expertise und wiederholter Strahlenexposition. Durch präoperative 3D-Planung und Echtzeitnavigation ermöglicht das System personalisierte Zugangspfade, insbesondere bei anatomischen Varianten. Die modifizierte Registrierungsmethode (nur teilweise Haarrasur) erhöht die Patientenakzeptanz.

Limitationen:

  • Fehlende Simulation intraoperativer Blutungskomplikationen in Kadaverserien.
  • Potenzielle Risiken der Gefäßperforation (z. B. Arteria carotis interna) in der Klinik.

Zukünftige Studien mit größeren Kohorten müssen die klinische Überlegenheit des Systems validieren. Die Integration multimodaler Bildgebung könnte die Anwendbarkeit weiter optimieren.

Zusammenfassend demonstriert diese Studie das Potenzial des Remebot-Systems für präzise, minimal-invasive Punktionen im kraniofazialen Bereich. Die Ergebnisse unterstreichen seine Eignung für komplexe Eingriffe, insbesondere bei limitierter chirurgischer Erfahrung.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000001783

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