Charakteristika der bei Erwachsenen mit hämatologischen Malignomen und nosokomialen Infektionen in den Tropen nachgewiesenen Pathogene
Menschliche Pathogene haben sich im Laufe der Zeit an die Körpertemperatur von 37°C angepasst und zählen somit zu den Mesophilen. Hefe- und hefeähnliche Pilze gedeihen bei dieser Temperatur, während filamentöse Pilze leicht kühlere Umgebungen mit einem optimalen Wachstumsbereich von 25–28°C bevorzugen. Die Studie wurde auf der Insel Hainan (China) durchgeführt, die ein tropisch-ozeanisches Monsunklima mit geringen saisonalen Schwankungen aufweist. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 24,4°C bei hoher Niederschlagsmenge (1718,6 mm/Jahr) und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 82%. Diese klimatischen Bedingungen begünstigen das Wachstum von Pathogenen, insbesondere von Pilzen.
Patienten mit hämatologischen Malignomen sind aufgrund ihres immungeschwächten Zustands anfällig für Infektionen, was zu hohen Raten nosokomialer Infektionen und häufigem Antibiotikaeinsatz führt. Die Untersuchung der Verteilung und Resistenzprofile von Pathogenen in tropischen Regionen ist entscheidend für die klinische Therapiesteuerung. Diese Studie analysierte retrospektiv 1817 Patienten mit hämatologischen Malignomen, die zwischen Juni 2014 und März 2018 im Hainan-Krankenhaus des Allgemeinkrankenhauses der PLA behandelt wurden. Bei 198 Patienten wurden nosokomiale Infektionen diagnostiziert, aus denen 269 Pathogenstämme isoliert wurden. Der Altersmedian der Patienten lag bei 56 Jahren (13–87 Jahre).
Die Diagnose hämatologischer Malignome (akute Leukämie [AL], Non-Hodgkin-Lymphom [NHL], multiples Myelom [MM]) erfolgte gemäß der WHO-Klassifikation 2008. Nosokomiale Infektionen wurden nach den Standards des nationalen Überwachungsnetzwerks definiert, basierend auf klinischen Symptomen, Laborbefunden und Bildgebung. Proben (Sputum, Blut, Urin, Kathetermaterial) wurden gemäß klinischen Protokollen verarbeitet. Die Identifizierung und Resistenztestung erfolgte mittels BioMérieux BacT/Alert 3D 240- und VITEK-2-COMPACT-Systemen.
Von den 269 Pathogenen stammten 94 von AL-Patienten, 71 von NHL- und 58 von MM-Patienten. Die Verteilung zeigte 29,4% Pilze (79 Stämme, darunter 76 Candida spp.), 40,5% gramnegative Bakterien (109 Stämme) und 29,7% grampositive Bakterien (80 Stämme). In Sputumproben (154 Stämme) dominierten Pilze (49,4%), gefolgt von gramnegativen (38,3%) und grampositiven Bakterien (12,3%). Häufige gramnegative Erreger waren Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa und Klebsiella pneumoniae. Bei AL-Patienten waren 42,6% der Isolate gramnegativ, während bei NHL-Patienten grampositive Bakterien (39,4%) überwogen.
Eine signifikante Komorbidität zwischen Pilz- und bakteriellen Infektionen wurde beobachtet: 39,2% der Pilzinfektionen und 28,7% der bakteriellen Infektionen traten gemeinsam auf. Die hohe Prävalenz von Candida-Infektionen in Sputumkulturen unterstreicht die Relevanz antimykotischer Therapien in tropischen Gebieten. Die klimatischen Bedingungen Hainans begünstigen das Wachstum von Hefepilzen, was die erhöhte Pilzinfektionsrate im Vergleich zu nicht-tropischen Regionen erklärt.
Schlussfolgerungen: Die Studie betont die Notwendigkeit gezielter antimikrobieller Therapien unter Berücksichtigung lokaler Resistenzmuster. Die hohe Pilzinfektionsrate erfordert eine frühzeitige Diagnostik und den Wechsel von empirischer zu gezielter Behandlung, um Resistenzen und Dysbiosen zu reduzieren. Diese Erkenntnisse sind insbesondere für die Behandlung immunsupprimierter Patienten in tropischen Regionen relevant.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000939