Charakteristika und Ergebnisse nach transkathetergestützter Aortenklappenimplantation in China: Ein Bericht aus dem China Aortic Valve Transcatheter Replacement Registry (CARRY)
Die transkathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVR) hat sich in den letzten zehn Jahren als transformative Therapie für schwere Aortenstenosen (AS) etabliert und das Management dieser Erkrankung revolutioniert. Obwohl die Sicherheit und Wirksamkeit des Verfahrens global durch randomisierte Studien belegt ist, erfordern regionale Unterschiede in Patientencharakteristika, Klappenmorphologie und Ergebnissen eine populationsspezifische Analyse. Die vorliegende Studie, basierend auf dem China Aortic Valve Transcatheter Replacement Registry (CARRY), untersucht klinische Merkmale und Outcomes von TAVR-Patienten in China, vergleicht Ergebnisse zwischen bikuspider (BAV) und trikuspider Aortenklappe (TAV) sowie regionalen Unterschieden.
Methodik
Das CARRY-Register ist eine multizentrische, retrospektive Beobachtungsstudie mit 1204 TAVR-Patienten aus sieben chinesischen Zentren (April 2012–November 2020). Primäre Ziele waren die Erfassung demografischer Besonderheiten, der Vergleich von BAV- vs. TAV-Patienten und die Analyse regionaler Unterschiede.
Ergebnisse
Das mittlere Alter der Patienten betrug 73,8 ± 6,5 Jahre (57,2 % männlich), signifikant jünger als in westlichen Kohorten (>80 Jahre). Der mediane STS-PROM-Score lag bei 6,0 (3,7–8,9), und 79,7 % der Patienten wiesen eine NYHA-Klasse III–IV auf. Auffällig war die hohe Prävalenz von BAV (48,5 %), die mit dem Alter abnahm (100 % bei <50-Jährigen vs. 36,6 % bei 80–90-Jährigen).
Prozedurale Erfolgsraten waren hoch: 99,2 % transfemoraler Zugang, 98,2 % erfolgreiche Erstimplantation. Echokardiografisch zeigten sich signifikante Verbesserungen der Hämodynamik: LVEF stieg von 53,3 ± 14,1 % auf 55,8 ± 11,8 %, die Aortenklappenöffnungsfläche (AVA) von 0,7 (0,3–1,5) cm² auf 1,6 (1,4–2,2) cm², und der mittlere Druckgradient (MPG) sank von 57,6 ± 21,8 mmHg auf 13,0 ± 6,4 mmHg.
Die Komplikationsraten waren niedrig: stationäre Schlaganfallrate 0,7 %, Schrittmacherpflichtiger AV-Block 11,0 %, Koronarobstruktion 0,6 %, schwere Gefäßkomplikationen 1,1 %. Die stationäre Gesamtmortalität betrug 2,2 % (regional 0 % im Nordwesten bis 6,1 % im zentralen Süden), die 30-Tage-Mortalität 2,3 % und die 1-Jahres-Mortalität 4,5 %.
BAV-Patienten hatten im Vergleich zu TAV eine niedrigere stationäre (1,4 % vs. 3,3 %) und 1-Jahres-Mortalität (2,3 % vs. 5,8 %). Regionale Unterschiede zeigten höhere Komplikationsraten im zentralen Süden, während der Nordwesten die geringsten Komplikationen aufwies.
Diskussion
Die CARRY-Studie unterstreicht die Besonderheiten chinesischer TAVR-Patienten: jüngeres Alter, hohe BAV-Prävalenz und günstige Outcomes trotz Nutzung früher Klappengenerationen. Die Ergebnisse widerlegen die traditionelle Annahme, dass BAV eine Kontraindikation für TAVR darstellt, und unterstützen die Ausweitung des Verfahrens auf Niedrigrisiko-Patienten und komplexe Anatomien.
Einschränkungen
Die Generalisierbarkeit wird durch die begrenzte Zentrenzahl und retrospektive Datenerhebung mit fehlenden Langzeitdaten eingeschränkt. Zukünftige Studienphasen fokussieren auf kontinuierliche Rekrutierung und Langzeitfollow-up.
Schlussfolgerung
CARRY, das erste multizentrische TAVR-Register Chinas, demonstriert die Sicherheit und Effektivität von TAVR in einer einzigartigen Population mit jüngeren Patienten und hoher BAV-Prävalenz. Die Ergebnisse legitimieren die weitere Expansion von TAVR in China und bieten eine Grundlage für die Optimierung von Patientenauswahl und Prozedurstandards.
Interessenkonflikte
Keine deklariert.
Finanzierung
Die Studie erhielt keine spezifische Förderung.
DOI
10.1097/CM9.0000000000001882