Der systemische Entzündungsreaktionsindex verbessert die Vorhersage postoperativer Pneumonien nach Meningeomresektion
Meningeome zählen zu den häufigsten Tumoren des zentralen Nervensystems, und die chirurgische Resektion bleibt eine primäre Behandlungsmethode. Trotz Fortschritten in operativen Techniken und postoperativer Versorgung stellt die postoperative Pneumonie (POP) weiterhin eine schwerwiegende Komplikation nach Meningeomresektion dar. Die Inzidenz von POP hat über die Jahre keine wesentliche Verbesserung gezeigt, was die Notwendigkeit besserer prädiktiver Indikatoren unterstreicht, um Hochrisikopatienten frühzeitig zu identifizieren und präventive Maßnahmen zur Verbesserung des Behandlungsergebnisses einzuleiten.
Der systemische Entzündungsreaktionsindex (SIRI) ist ein neuartiger Entzündungsmarker, der aus Neutrophilen-, Monozyten- und Lymphozytenwerten im peripheren Blut abgeleitet wird. SIRI wurde vorgeschlagen, um den zugrunde liegenden Entzündungsstatus zu charakterisieren und die Prognose von Patienten in verschiedenen klinischen Kontexten vorherzusagen. Aufgrund seines Potenzials könnte SIRI als präoperativer Indikator zur Beurteilung des Entzündungsstatus von Meningeompatienten dienen, um jene mit erhöhtem POP-Risiko zu erkennen und frühzeitige Interventionen zu ermöglichen.
In dieser Studie wurde retrospektiv der Zusammenhang zwischen SIRI-Werten und dem Auftreten von POP bei Patienten nach Meningeomresektion analysiert. Daten von 282 Patienten, die zwischen 2008 und 2019 in drei Kliniken operiert wurden, wurden erhoben. Die Einschlusskriterien umfassten Patienten mit erstmaliger Resektion, während solche mit systemischen Infektionen, Langzeitanwendung von Immunsuppressiva, präoperativer Strahlen- oder Chemotherapie oder vorheriger Kraniotomie ausgeschlossen wurden. Die Studie wurde von den lokalen Ethikkommissionen genehmigt, und alle Teilnehmer gaben eine informierte Einwilligung.
Klinische Daten, einschließlich Laborergebnisse und Behandlungsdetails, wurden erfasst. SIRI wurde mittels der Formel Neutrophilenzahl × Monozytenzahl / Lymphozytenzahl berechnet. Die POP-Diagnose erfolgte gemäß den Richtlinien der CDC und des NHSN.
Die statistische Analyse erfolgte mit R-Software. Ein logistisches Regressionsmodell bewertete prognostische Faktoren für POP. Die Delong-Methode verglich die Leistung verschiedener Modelle anhand der Fläche unter der Kurve (AUC). Multivariate Modelle wurden durch schrittweise Rückwärtsregression erstellt, wobei Variablen mit einem univariaten p-Wert <0,05 einbezogen wurden. Die Kaplan-Meier-Methode analysierte die 30-Tage-POP-Überlebensrate.
In der Kohorte (n=282) wiesen 50 Patienten einen SIRI ≥1,85 und 232 einen SIRI <1,85 auf. Die POP-Inzidenz betrug 20 % in der Hochrisikogruppe gegenüber 3,4 % in der Niedrigrisikogruppe. Univariate Analysen identifizierten Alter, SIRI und Leukozytenzahl (WBC) als signifikante Prädiktoren. Der optimale SIRI-Cut-off-Wert für POP lag bei 1,85×10⁹ Zellen/l. Multivariate Analysen bestätigten SIRI als unabhängigen Prädiktor, insbesondere bei nicht-älteren Patienten (<60 Jahre). In dieser Subgruppe zeigte SIRI eine überlegene Vorhersageleistung (AUC: 0,874) gegenüber WBC (AUC: 0,794) und dem Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis (NLR; AUC: 0,767).
Die Kaplan-Meier-Analyse ergab, dass nicht-ältere Patienten mit SIRI ≥1,85 eine signifikant niedrigere 30-Tage-POP-Überlebensrate aufwiesen. Bei älteren Patienten fand sich kein signifikanter Unterschied, was auf eine altersbedingte Immunschwäche und höhere POP-Basisrisiken hindeutet.
SIRI übertraf traditionelle Marker wie WBC (Odds Ratio [OR]: 1,500 vs. 1,139) und war mit NLR vergleichbar. Zudem wies SIRI bei nicht-älteren Patienten einen exzellenten negativ-prädiktiven Wert (NPV >99 %) auf, was es zur Identifizierung Niedrigrisikopatienten geeignet macht.
Trotz Limitationen (beobachtungsbias, regionale Selektionsbias) unterstreicht die Studie den klinischen Nutzen von SIRI als einfachen, zugänglichen Marker zur Risikostratifizierung. Durch Integration in präoperative Assessments könnten Ressourcen gezielter eingesetzt und Komplikationen reduziert werden.
Zusammenfassend stellt SIRI einen wertvollen Prädiktor für POP nach Meningeomresektion dar, insbesondere bei nicht-älteren Patienten. Seine Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Markern und die einfache Berechnung aus Routineblutwerten machen ihn zu einem praktischen Instrument für die klinische Entscheidungsfindung.
doi:10.1097/CM9.0000000000001298