Diagnostischer Wert des Aldosteron-Renin-Quotienten berechnet durch Plasmareninaktivität oder Plasmareninkonzentration beim primären Hyperaldosteronismus: Eine Meta-Analyse
Zusammenfassung
Das primäre Hyperaldosteronismus (PH) ist eine der häufigsten endokrinen Ursachen für sekundäre Hypertonie mit einer Prävalenz von 5–10 % bei hypertensiven Patienten. PH geht mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre und zerebrovaskuläre Komplikationen einher. Die frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um gezielte Therapien einzuleiten. Der Aldosteron-Renin-Quotient (ARR), berechnet entweder über die Plasmareninaktivität (PRA) oder die Plasmareninkonzentration (PRC), dient als Screening-Tool. Diese Meta-Analyse vergleicht die diagnostische Leistung von ARR (PAC/PRC) und ARR (PAC/PRA).
Hintergrund
PH bleibt trotz seiner Prävalenz häufig unerkannt. Die Endocrine Society empfiehlt den ARR zum Screening bei Risikopatienten. Während ARR traditionell mittels PRA bestimmt wird, könnte PRC aufgrund standardisierter Messmethoden Vorteile bieten. Unklar ist jedoch, welcher Ansatz eine höhere diagnostische Genauigkeit aufweist.
Methoden
Es wurden Studien aus PubMed, Embase und Cochrane bis März 2021 eingeschlossen, die True-Positive-, False-Positive-, True-Negative- und False-Negative-Werte für PH berichteten. Ausschlusskriterien waren unvollständige Daten oder Tierstudien. Die methodische Qualität wurde mittels QUADAS-2 bewertet. Statistische Analysen erfolgten in STATA 15.1 mit Berechnung von Sensitivität, Spezifität, Likelihood-Ratios (LR), diagnostischer Odds Ratio (DOR) und symmetrischer Fläche unter der Kurve (SAUC).
Ergebnisse
14 Studien mit 2638 Patienten wurden analysiert (9 für ARR [PAC/PRC], 5 für ARR [PAC/PRA]). ARR (PAC/PRC) zeigte eine Sensitivität von 0,82 (95 %-KI: 0,78–0,86), Spezifität von 0,94 (95 %-KI: 0,92–0,95), positiven LR von 12,77 (95 %-KI: 7,04–23,73), negativen LR von 0,11 (95 %-KI: 0,07–0,17) und eine SAUC von 0,982. Die DOR betrug 180,21. ARR (PAC/PRA) erreichte eine Sensitivität von 0,91 (95 %-KI: 0,86–0,95), Spezifität von 0,91 (95 %-KI: 0,90–0,93), positiven LR von 7,30 (95 %-KI: 2,99–17,99), negativen LR von 0,10 (95 %-KI: 0,04–0,26) und eine SAUC von 0,976 bei einer DOR von 155,52.
Subgruppenanalyse
Bei ARR (PAC/PRC) führten höhere Cut-off-Werte (≥35) zu einer signifikant höheren DOR (340,15 vs. 116,40 bei Cut-off <35). Dies unterstreicht, dass optimierte Schwellenwerte die Diagnosegenauigkeit verbessern.
Publikationsbias und Sensitivitätsanalyse
Für ARR (PAC/PRC) bestand kein signifikanter Publikationsbias (P = 0,06), während bei ARR (PAC/PRA) ein möglicher Bias vorlag (P = 0,01). Sensitivitätsanalysen bestätigten die Robustheit der Ergebnisse.
Diskussion
ARR (PAC/PRC) zeigt eine höhere diagnostische Genauigkeit als ARR (PAC/PRA), was auf die bessere Standardisierbarkeit von PRC zurückzuführen ist. Dennoch bietet PRA eine höhere Sensitivität, was für Screening-Zwecke vorteilhaft sein kann. Die Heterität zwischen Studien, bedingt durch variierende Cut-offs und Kontrollgruppen, limitiert die Vergleichbarkeit.
Einschränkungen
Die hohe Heterogenität, potenzielle Publikationsverzerrungen und die begrenzte Studienanzahl schränken die Aussagekraft ein. Zukünftige Studien sollten multizentrisch und standardisiert durchgeführt werden.
Schlussfolgerung
ARR (PAC/PRC) ist ein präziseres Screening-Tool für PH, insbesondere bei höheren Schwellenwerten. Die Ergebnisse unterstützen klinische Entscheidungen zur frühzeitigen Diagnose und Therapieeinleitung, um Komplikationen zu reduzieren.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001906