Die Kapazität des Pflegepersonals spielt eine entscheidende Rolle bei der Einhaltung der empirischen Antibiotikatherapie innerhalb der ersten Stunde bei Patienten mit septischem Schock
Sepsis und septischer Schock zählen zu den häufigsten Ursachen für Aufnahmen auf die Intensivstation (ITS) und sind mit erheblicher Morbidität und Mortalität verbunden. Internationale Leitlinien empfehlen die frühzeitige Gabe geeigneter Antibiotika, um die Überlebensraten zu verbessern. Dennoch bleibt die Compliance mit Sepsisprotokollen alarmierend niedrig. Pflegekräfte, die eine zentrale Rolle bei der Umsetzung ärztlicher Anordnungen spielen, sind wahrscheinlich entscheidend für die Einhaltung der empirischen Antibiotikatherapie. Frühere Studien betonen die Bedeutung von Pflegepersonal als Vermittler ärztlicher Entscheidungen und zeigen, dass pflegegeleitete Protokolle effektiv, sicher und nachhaltig sein können. Um diesen Zusammenhang weiter zu untersuchen, wurde eine retrospektive Kohortenstudie durchgeführt, um den Einfluss der Pflegekapazität auf die Compliance bei der empirischen Antibiotikatherapie bei septischem Schock zu analysieren.
Die Studie wurde durch die Ethikkommission der Zhongda-Klinik der Southeast University genehmigt. Eingeschlossen wurden erwachsene Patienten ab 18 Jahren, die zwischen Januar 2015 und Februar 2016 mit septischem Schock auf die ITS aufgenommen wurden. Ausschlusskriterien waren Schwangerschaft, Diagnosestellung durch nicht-ITS-Ärzte sowie vorherige Antibiose vor ITS-Aufnahme. Der Diagnosezeitpunkt wurde mit der ITS-Aufnahme gleichgesetzt. Die Compliance wurde definiert als Antibiosegabe innerhalb einer Stunde nach Aufnahme.
Die Pflegekapazität wurde anhand von Ausbildung und Berufserfahrung kategorisiert:
- N0: Pflegekräfte mit Hochschulabschluss, Pflegezertifikat und <1 Jahr Berufserfahrung.
- N1: Pflegezertifikat mit 1–3 Jahren Erfahrung.
- N2: Fachpflegezertifikat mit >3 Jahren Erfahrung.
- N3: Leitende Pflegekräfte oder zertifizierte ITS-Pflegekräfte mit >1 Jahr Erfahrung.
Schichtzeiten: Tagschicht (08:00–16:00), Nachmittagsschicht (16:00–22:30), Nachtschicht (22:30–08:00). Schichtwechsel fanden zwischen 07:00–09:00, 15:00–17:00 und 21:30–23:30 statt.
Von 1458 ITS-Patienten hatten 255 septischen Schock; 214 wurden analysiert. 110 Patienten (51,4%) erhielten Antibiose innerhalb einer Stunde. Baseline-Charakteristika unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Die Compliance variierte signifikant:
- Schichtwechsel: 42,4% vs. Nachtschicht: 63,9%.
- Pflegekapazität: N0: 44,8%, N1: 48,7%, N2/N3: 78,3% (N2/N3 vs. N0: p=0,015; vs. N1: p=0,008).
- Multivariaten Analysen zufolge war nur N2 unabhängig mit höherer Compliance assoziiert.
Carbapeneme waren in der Compliance-Gruppe häufiger eingesetzt (p<0,001), während Enzyminhibitoren seltener verordnet wurden. Eine Befragung von 113 Pflegekräften zeigte, dass N2/N3 die Bedeutung der Frühtherapie signifikant höher einschätzten (N0: 6,91 vs. N1: 8,90 vs. N2/N3: 9,79; p<0,001).
Schlussfolgerungen: Die Compliance-Rate von 51,4% unterstreicht Optimierungsbedarf. Pflegekapazität, insbesondere höhere Qualifikationsstufen (N2/N3), und der Einsatz von Carbapenemen waren entscheidende Einflussfaktoren. Schichtwechsel zeigten reduzierte Compliance, möglicherweise bedingt durch Arbeitsbelastung und Kommunikationsdefizite. Die Studie legt nahe, dass gezielte Schulungen für weniger erfahrene Pflegekräfte und strukturelle Anpassungen während Schichtwechseln die Compliance verbessern könnten. Limitationen umfassen das retrospektive Design, die Single-Center-Daten und eine kleine Stichprobe. Prospektive multizentrische Studien sind notwendig, um die Ergebnisse zu validieren.
Interessenkonflikte: Keine angegeben.
Finanzierung: Nicht berichtet.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000073