Die Rolle des Blutdrucks bei schlaganfallbedingter Mortalität

Die Rolle des Blutdrucks bei schlaganfallbedingter Mortalität: Eine 45-Jahre-Follow-up-Studie in China

Einleitung
Hypertonie stellt ein bedeutendes gesundheitliches Problem in China dar, gekennzeichnet durch hohe Prävalenzraten sowie geringe Werte bei Bewusstsein, Behandlung und Kontrolle. Als etablierter Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, insbesondere schlaganfallbedingte Mortalität, bleibt der langfristige Zusammenhang zwischen Blutdruckveränderungen und schlaganfallbedingter Sterblichkeit sowie die zugrundeliegenden Mechanismen unklar. Diese Studie untersuchte die kausalen Langzeitassoziationen zwischen Blutdruck und schlaganfallbedingter Mortalität unter Berücksichtigung potenzieller Mediatoren und Moderatoren.

Methoden
In dieser 45-jährigen Kohortenstudie (1976–2020) wurden 1.696 Teilnehmer der Xi’an Machinery Factory eingeschlossen. Der Blutdruck (SBP/DBP) wurde mittels Quecksilbersphygmomanometer gemessen und der Mittelwert erfasst. Hypertonie wurde als SBP ≥140 mmHg oder DBP ≥90 mmHg definiert. Die Teilnehmer wurden anhand der SBP/DBP-Kategorien eingeteilt: <130/<80 mmHg, 130–139/80–89 mmHg, 140–159/90–99 mmHg und ≥160/≥100 mmHg. Blutdruckveränderungen zwischen 1976 und 1994 wurden analysiert.

Das primäre Outcome war schlaganfallbedingte Mortalität (ICD-10/ICD-11). Adjustierte Kovariaten umfassten Alter, Geschlecht, BMI, Familienstand, Bildung, Beruf, Rauchen, Alkoholkonsum, Diabetes und Gesamtcholesterin. Mittels Cox-Proportional-Hazard-Modellen wurden Hazard Ratios (HR) mit 95%-Konfidenzintervallen (KI) berechnet. Mediations- und moderierte Mediationsanalysen identifizierten vermittelnde Pfade.

Ergebnisse
Basiseigenschaften
Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 44,38 Jahre (66,3 % Männer). Bei Studienbeginn hatten 36,4 % eine Hypertonie; höhere Blutdruckwerte korrelierten mit Alter, BMI und Cholesterinspiegel. Über 45 Jahre traten 201 schlaganfallbedingte Todesfälle auf (Mortalitätsrate: 11,9 %; Inzidenzdichte: 0,26/100 Personenjahre). Männer und Hypertoniepatienten wiesen höhere Inzidenzdichten auf.

Assoziationen zwischen Blutdruck und Mortalität
Teilnehmer mit SBP ≥160 mmHg oder DBP ≥100 mmHg hatten ein 217,5 % erhöhtes Sterberisiko (HR = 3,175; 95 %-KI: 2,297–4,388), besonders ausgeprägt bei Männern. Personen mit persistierender Hypertonie (1976–1994) zeigten ein 110,4 % erhöhtes Risiko (HR = 2,104; 95 %-KI: 1,632–2,713).

Blutdruckveränderungen und Mortalität
Ein Anstieg der Blutdruckkategorie oder persistierende Hypertonie verstärkten das Mortalitätsrisiko. Die Gruppe „Hypertonie → Hypertonie“ wies eine HR von 2,104 auf (95 %-KI: 1,632–2,713), mit höheren Werten bei Männern.

Mediationsanalyse
Der BMI 1994 vermittelte 10,1 % des Zusammenhangs zwischen SBP 1976 und Mortalität 2020. Geschlecht moderierte den direkten Effekt: Der Mediationseffekt war bei Männern signifikanter (5,81 % des Gesamteffekts).

Sensitivitätsanalyse
E-Values bestätigten die Robustheit der Assoziationen; unberücksichtigte Confounder müssten erheblich sein, um die Ergebnisse zu erklären.

Diskussion
Die Studie belegt langfristige Zusammenhänge zwischen Hypertonie und schlaganfallbedingter Mortalität, verstärkt bei Männern. Blutdruckkontrolle und BMI-Management sind entscheidend, um das Risiko zu senken. Geschlechtsspezifische Interventionen könnten die Prävention optimieren.

Einschränkungen
Die Generalisierbarkeit ist durch die spezifische Kohorte eingeschränkt. Selbstangaben zu Covariaten und fehlende Daten zu Antihypertensiva könnten die Ergebnisse beeinflusst haben.

Schlussfolgerung
Hoher Blutdruck und persistierende Hypertonie sind signifikante Risikofaktoren für schlaganfallbedingte Mortalität, insbesondere bei Männern. BMI wirkt als Mediator, Geschlecht als Moderator. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit von Blutdruckkontrolle und Gewichtsmanagement in der Prävention.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001949

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