Differenzialdiagnose der Coronavirus-Krankheit 2019 und durch andere Erreger verursachter Pneumonien in einer Fieberambulanz in Peking
Die Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) ist eine akute respiratorische Infektionskrankheit, die durch das schwere akute respiratorische Syndrom Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) verursacht wird. Während der frühen Phase des COVID-19-Ausbruchs spielten Fieberambulanzen in Allgemeinkrankenhäusern eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung und Behandlung verdächtiger Fälle. Patienten mit Körpertemperaturen ≥37,3°C wurden in diese Ambulanzen überwiesen, wo eine Triage-Strategie zur Erkennung wahrscheinlicher oder möglicher Fälle angewendet wurde. Aufgrund der gleichzeitigen Prävalenz anderer respiratorischer Infektionen, wie Influenza, stellte die Unterscheidung von COVID-19 und Pneumonien anderer Ätiologien eine große Herausforderung dar. Diese Studie zielte darauf ab, Erkenntnisse zur Differenzialdiagnose von COVID-19 in einer Fieberambulanz in Peking zu liefern.
Methodik
Die retrospektive Studie wurde in der Fieberambulanz des Peking University Third Hospital vom 21. Januar bis 15. Februar 2020 durchgeführt. Patienten wurden basierend auf epidemiologischer Anamnese, klinischen Symptomen und radiologischen Befunden rekrutiert. Fälle mit möglicher oder wahrscheinlicher COVID-19-Diagnose wurden einem multidisziplinären Gremium zur Diskussion vorgelegt und mittels Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) auf SARS-CoV-2 getestet. Pädiatrische Patienten wurden ausgeschlossen. Diagnose und Schweregradeinteilung erfolgten gemäß den chinesischen Leitlinien zur Behandlung von COVID-19. Die Labortests wurden vom Beijing Center for Disease Control and Prevention (CDC) durchgeführt.
Demografische und epidemiologische Daten (Reise nach Wuhan/Hubei, Kontakt zu bestätigten Fällen) sowie klinische Symptome, Laborergebnisse und CT-Befunde wurden erfasst. CT-Scans wurden von Experten für Pneumologie und Radiologie begutachtet. Statistische Analysen erfolgten mit SPSS 22.0. Kontinuierliche Variablen wurden als Mittelwert ± Standardabweichung oder Median (Interquartilsbereich) dargestellt, kategorische Variablen als Anzahl (%). Gruppenvergleiche erfolgten mittels t-Test, Mann-Whitney-U-Test, Chi-Quadrat-Test oder Fisher-Exakt-Test (Signifikanzniveau: p < 0,05).
Ergebnisse
Von 156 diskutierten Fällen wurden 110 auf SARS-CoV-2 getestet. 19 Fälle waren positiv (COVID-19-Gruppe), 91 negativ. Nach Ausschluss von Patienten ohne Pneumoniezeichen oder CT-Scan verblieben 67 Patienten in der Nicht-COVID-19-Gruppe.
Das mediane Alter der COVID-19-Patienten betrug 44,0 Jahre (Geschlechterverteilung 1:1). 89,5% hatten eine klare epidemiologische Anamnese (Kontakt zu Infizierten). Die Inkubationszeit lag bei 2–10 Tagen (Median: 6,0 Tage). 89,5% zeigten einen milden/moderaten Verlauf; zwei schwere Fälle wiesen eine Sauerstoffsättigung (SpO2) ≤93% auf.
Häufigste Symptome bei Aufnahme waren Fieber (89,5%, mittlere Temperatur: 37,8°C), Husten (36,8%), Auswurf (31,6%), Fatigue (52,6%) und Kopfschmerzen/Schwindel (36,8%). Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatten COVID-19-Patienten signifikant häufiger eine epidemiologische Anamnese (89,5% vs. 32,8%; p < 0,001). Husten war in der Kontrollgruppe häufiger (79,1% vs. 36,8%; p < 0,001).
COVID-19-Patienten zeigten niedrigere Leukozyten- (5,30 ± 1,48 vs. 7,21 ± 2,94 × 10⁹/L; p < 0,001) und Neutrophilenzahlen (3,10 vs. 4,45 × 10⁹/L; p = 0,006). Leukozytose und Neutrophilie traten ausschließlich in der Kontrollgruppe auf (20,9% bzw. 31,3%). Lymphopenie fand sich bei 42,1% der COVID-19-Fälle.
In der CT-Bildgebung wiesen COVID-19-Patienten häufiger multilobäre Läsionen auf (50,0% vs. 16,4%; p = 0,009), überwiegend peripher/subpleural (77,8%). Schwere Verläufe zeigten diffuse Infiltrate (22,2%). Zentrilobuläre Knötchen traten ausschließlich in der Kontrollgruppe auf.
Diskussion
Die epidemiologische Anamnese erwies sich als Schlüsselfaktor für die Verdachtsdiagnose COVID-19. Frühphasenfälle waren häufig mit Reisen nach Hubei assoziiert, spätere Fälle mit familiären Clusterinfektionen. Niedrige Leukozyten- und Neutrophilenzahlen sowie multilobäre CT-Veränderungen unterstützten die Differenzierung von anderen Pneumonien. Lymphopenie korrelierte mit schweren Verläufen.
Limitationen umfassen das monozentrische Design und die kleine Stichprobe. Dennoch liefert die Studie relevante Hinweise für das Management respiratorischer Infektionen in Fieberambulanzen, insbesondere während neu auftretender Epidemien.
Schlüsselwörter: COVID-19, Differenzialdiagnose, Fieberambulanz, epidemiologische Anamnese, CT-Bildgebung
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001121