Dynamische Infusionskavernosometrie und -kavernosographie zur VED-Klassifizierung

Dynamische Infusionskavernosometrie und -kavernosographie zur Klassifizierung venöser erektiler Dysfunktion und deren Bedeutung für die individuelle Therapie

Die venöse erektile Dysfunktion (VED) ist eine häufige Form der vaskulogenen erektilen Dysfunktion (ED), die unter anderem auf arterielle Insuffizienz oder venookklusive Dysfunktionen zurückzuführen ist. Trotz ihrer Prävalenz bleibt die genaue Pathophysiologie der VED unklar. Aktuelle Therapieoptionen umfassen First-Line-Behandlungen wie orale Phosphodiesterase-5-(PDE-5)-Hemmer, Second-Line-Therapien wie intrakavenöse Injektionen und Third-Line-Maßnahmen wie die Implantation von Penisprothesen. Die begrenzte Wirksamkeit oraler PDE-5-Hemmer bei VED hat jedoch die Suche nach alternativen Therapien notwendig gemacht. Neuere Entwicklungen umfassen Penisprothesen-Implantationen und Vakuumerektionsgeräte. Um optimale Therapieergebnisse zu erzielen, ist eine an den Schweregrad der VED angepasste Behandlung entscheidend.

Die penile Durchblutung kann mittels farbkodierter Duplexsonographie (CDDU) bewertet werden, die als präzises Instrument zur Beurteilung venöser Leckagen gilt. Allerdings weist die CDDU Limitationen in der VED-Diagnostik auf, häufig mit hohen Raten falsch-positiver Befunde. Dynamische Infusionskavernosometrie und -kavernosographie (DICC) gelten mittlerweile als Goldstandard zur VED-Diagnose. Frühere Studien belegten den diagnostischen Nutzen der DICC zur Klassifizierung von VED-Patienten. Dennoch fehlt ein standardisiertes Operationsprotokoll, und die Rolle der DICC für die präzise Therapiesteuerung ist nicht vollständig geklärt.

Ziel dieser Studie war es, einen optimierten DICC-Prozess zu etablieren und dessen Effizienz in Diagnostik und Therapie der VED zu evaluieren. Insgesamt wurden 147 mittels CDDU identifizierte VED-Patienten eingeschlossen. Die DICC diente zur Schweregradeinteilung in vier Gruppen: (1) Nicht-VED, (2) milde VED, (3) moderate VED und (4) schwere VED. Alle Patienten erhielten initial Psychotherapie. Bei deren Unwirksamkeit folgten medikamentöse Therapie, interventionelle Embolisation des Corpus cavernosum oder Penisprothesen-Implantation. Die International Index of Erectile Function (IIEF-5)-Scores wurden vor und nach der Therapie erhoben und verglichen.

Die Ergebnisse zeigten, dass der IIEF-5-Score der Nicht-VED-Gruppe nach Psychotherapie (19,35±3,59) und medikamentöser Therapie (23,31±0,75) signifikant höher lag als vor der Behandlung (15,30±2,72; t=4,31; p<0,01 bzw. 16,62±1,50; t=19,13; p<0,01). In der milden VED-Gruppe verbesserte sich der IIEF-5-Score nach interventioneller Embolisation (18,25±2,60) im Vergleich zu vor der Behandlung (15,50±2,14; t=2,31; p<0,05). Ähnlich zeigte die moderate VED-Gruppe nach Embolisation eine Verbesserung (14,83±4,17 vs. 11,83±2,86; t=1,45; p<0,05). Medikamente und Embolisation waren bei moderater und schwerer VED jedoch unwirksam (p>0,05). Der IIEF-5-Score der schweren VED-Gruppe stieg nach Prothesenimplantation signifikant an (23,25±0,71 vs. 8,00±0,39; t=53,25; p<0,05).

Die Studie bestätigte, dass die DICC ein valides Werkzeug zur VED-Klassifizierung ist und wesentliche Implikationen für die individuelle Therapieplanung hat. Die Durchführung der DICC erfordert standardisierte Protokolle, um verlässliche Diagnosen zu gewährleisten.

Methodik der DICC-Untersuchung
Die DICC wurde im DSA-Raum des Nanjing Drum Tower Hospital durchgeführt. Patienten lagen in Rückenlage. Nach Lokalanästhesie (10 ml 2% Lidocain) an der Penisbasis wurde ein Gummiband appliziert und 10 µg Alprostadil (9-Uhr-Position des rechten Corpus cavernosum) injiziert. Ein Druckwandler (max. 300 mmHg) wurde an der 3-Uhr-Position des linken Corpus cavernosum fixiert. Eine Infusionspumpe wurde über eine 21G-Kanüle (9-Uhr-Position rechts) angeschlossen.

In Phase 1 der DICC wurde der intrakavenöse Druck (ICP) im schlaffen Zustand gemessen. Es wurden 60 ml Kochsalzlösung mit 20 ml Ioversol (0,4 ml/s) infundiert und die Erektion dokumentiert. In Phase 2 wurden 200 ml Ioversol-Kochsalzlösung (1:4) mit steigender Infusionsrate (2,5–4,9 ml/s) appliziert, bis ein ICP von 150 mmHg erreicht oder Penisschmerzen auftraten. Die Infusionsrate wurde schrittweise reduziert, um den ICP bei 150±20 mmHg zu halten („Flow to Maintain“, FTM). Bei Druckabfall wurde der Druckverlust (PD) innerhalb von 30 Sekunden gemessen. Venöse Leckagen wurden radiologisch identifiziert.

Therapieprotokolle

  • Psychotherapie: Beratung zur Steigerung des Therapievertrauens.
  • Medikamentöse Therapie: Tadalafil (10–20 mg alle 2 Tage über 3–4 Wochen).
  • Interventionelle Embolisation: Über einen femoralen Zugang wurde ein 4F-Cobra-Katheter in die V. iliaca interna vorgeschoben. Ein Mikrokatheter wurde an der Verbindung der Vv. dorsales profundae und des Plexus venosus prostaticus platziert. Eine Mischung aus Glubran-2 (20–25%) und Lipiodol (1:3–1:4) wurde unter Durchleuchtung injiziert.
  • Prothesenimplantation: Skrotaler Zugang, Tunnelbildung im Corpus cavernosum und Insertion einer Längen-angepassten Prothese.

Nachbeobachtung und Statistik
Die Nachbeobachtung erfolgte über 3–12 Monate. Erfolg wurde definiert als erfolgreiche Embolisation, komplikationsfreie Prothesenimplantation und IIEF-5-Verbesserung. Statistische Analysen erfolgten mit SPSS 20 (t-Test; Signifikanzniveau p<0,05).

Ergebnisse
Von 147 Patienten hatten 23 keine VED. Die verbleibenden 124 wurden anhand von FTM und PD klassifiziert:

  • Nicht-VED: FTM <0,5 ml/s oder PD <20 mmHg.
  • Milde VED: FTM 1,0–1,5 ml/s oder PD 40–70 mmHg.
  • Moderate VED: FTM 1,5–2,0 ml/s oder PD 70–100 mmHg.
  • Schwere VED: FTM ≥2,0 ml/s oder PD ≥100 mmHg.

Die Embolisation war bei 19 Patienten erfolgreich (9 milde, 6 moderate, 5 schwere VED). Eine Prothese musste infektbedingt entfernt werden; bei 12 Patienten verlief die Implantation komplikationslos.

Diskussion
Die DICC ermöglicht eine präzise Klassifizierung der VED, was die Therapieentscheidung entscheidend beeinflusst. Während milde VED auf Embolisation anspricht, erfordern schwere Fälle Prothesen. Standardisierte DICC-Protokolle sind jedoch essenziell, um die Reproduzierbarkeit zu gewährleisten. Zukünftige Studien sollten die Langzeiteffekte der Therapien evaluieren.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000000099

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