Effekt von Esmolol und Lidocain auf Agitation in der Aufwachphase

Effekt von Esmolol und Lidocain auf Agitation in der Aufwachphase der Anästhesie bei Kindern: Eine doppelblinde, randomisierte klinische Studie

Einleitung
Sevofluran ist ein häufig verwendetes Anästhetikum in der pädiatrischen Anästhesie aufgrund seiner schnellen Wirkung, minimalen Atemwegsirritation und hämodynamischen Stabilität. Ein wesentlicher Nachteil ist jedoch die hohe Inzidenz von Aufwachagitation (EA) bei Kindern, die zwischen 50 % und 80 % liegt. EA äußert sich durch Unruhe, untröstliches Weinen und Desorientierung während des Übergangs von der Anästhesie zum vollen Bewusstsein. Dieses Phänomen tritt besonders nach Schieloperationen auf, bei denen die Augen postoperativ oft abgedeckt werden, was Ängste und Agitation verstärkt.

Agitation bei Kindern führt nicht nur zu Leid, sondern verzögert auch die Entlassung aus dem Aufwachraum und erhöht das Verletzungsrisiko. Obwohl pharmakologische Interventionen wie Midazolam oder Dexmedetomidin zur Reduktion von EA untersucht wurden, sind diese mit Nebenwirkungen wie verzögertem Erwachen, Hypotonie und Bradykardie assoziiert. Lidocain, bekannt für seine Fähigkeit, Atemwegsreizungen und postoperative Halsschmerzen zu reduzieren, zeigt Potenzial zur Linderung von Agitation. Ebenso wird Esmolol, ein kurz wirksamer Betablocker, zur hämodynamischen Stabilisierung und Stressreduktion während der Operation eingesetzt. Die kombinierte Anwendung von Esmolol und Lidocain zur EA-Prävention wurde jedoch bisher kaum untersucht.

Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit von Esmolol und Lidocain – einzeln und in Kombination – zur Reduktion von Aufwachagitation bei Kindern unter Sevofluran-Anästhesie während Schieloperationen zu evaluieren.

Methoden
In dieser doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Studie wurden 84 Kinder im Alter von 3 bis 9 Jahren (ASA I oder II) eingeschlossen, die sich einer Schieloperation unterzogen. Patienten mit kardialen, respiratorischen oder psychischen Erkrankungen wurden ausgeschlossen. Die Teilnehmer wurden randomisiert drei Gruppen zugeteilt: eine Kontrollgruppe (Kochsalzlösung), eine Lidocain-Gruppe (intravenös 1,5 mg/kg Lidocain) und eine Esmolol-Lidocain (EL)-Gruppe (intravenös 0,5 mg/kg Esmolol und 1,5 mg/kg Lidocain).

Die Anästhesie wurde mit Thiopental (5 mg/kg) und Rocuronium (0,6 mg/kg) eingeleitet und mit 2 % Sevofluran in Sauerstoff-Luft-Gemisch aufrechterhalten. Dexamethason (0,5 mg/kg) wurde präoperativ zur Entzündungshemmung verabreicht. Bei Operationsende erhielten die Gruppen ihre jeweilige Studieintervention.

Die Agitation wurde mittels Objective Pain Score (OPS), Cole-5-Punkt-Score (CPS) und Richmond Agitation Sedation Scale (RASS) zu vier Zeitpunkten bewertet: Operationsende, Aufwachraumaufnahme sowie 10 und 30 Minuten postoperativ. Primärer Endpunkt war die Agitationsschwere; sekundäre Endpunkte umfassten Vitalparameter, Schmerzintensität, Fentanylverbrauch, Extubationszeit und Erholungsdauer.

Ergebnisse
Die EL-Gruppe zeigte signifikant niedrigere OPS- und RASS-Werte im Vergleich zur Kontroll- und Lidocain-Gruppe während des Übergangs in den Aufwachraum. Bei Erwachen betrugen die OPS-Werte 0 (0–4) und RASS-Werte -4 [(-5)–1], bei Aufnahmearrivale OPS 0 (0–8) und RASS -1 [(-5)–3] (p < 0,05). Zu späteren Zeitpunkten gab es keine signifikanten Unterschiede.

Die Agitationsinzidenz (OPS ≥ 4) lag bei 20 % (EL-Gruppe), 63 % (Lidocain) und 45 % (Kontrolle). Die EL-Gruppe wies eine statistisch signifikante Reduktion gegenüber beiden Gruppen auf (p = 0,01 vs. Kontrolle; p = 0,00 vs. Lidocain).

Demografische Daten (Alter, Gewicht, Geschlecht) sowie Operations- und Anästhesiedauer waren vergleichbar. Die hämodynamischen Parameter (systolischer Blutdruck, Herzfrequenz) waren in der EL-Gruppe bei Erwachen leicht reduziert, stabilisierten sich jedoch im Verlauf.

Diskussion
Die Kombination von Esmolol und Lidocain reduziert effektiv die Aufwachagitation bei Kindern nach Schieloperationen unter Sevofluran-Anästhesie. Die analgetischen und sedativen Effekte von Esmolol, kombiniert mit der Atemwegsschonung durch Lidocain, tragen vermutlich zur Agitationsminderung bei.

Lidocain hemmt C-Fasern der Atemwege und reduziert somit Schleimhautreizungen. Esmolol blockiert Beta-Rezeptoren im retikulären aktivierenden System, was die Wachheit und kortikale Erregung mindert. Der synergistische Effekt beider Substanzen bietet einen umfassenderen Ansatz zur Agitationskontrolle als Einzeltherapien.

Die Ergebnisse decken sich mit früheren Studien zu Esmolol, die eine Reduktion des Anästhetikabedarfs und postoperativer Schmerzen zeigen. Die Anwendung von Esmolol bei Kindern bleibt jedoch aufgrund von Sicherheitsbedenken und kurzer Wirkdauer limitiert.

Einschränkungen
Die Studie weist mehrere Limitationen auf: Erstens wurde nicht zwischen ein- oder beidseitig abgedeckten Augen unterschieden, was die Agitationsschwere beeinflusst haben könnte. Zweitens wurde anhaltende Agitation (≥ 10 Minuten) mit Fentanyl behandelt, was die Ergebnisse verfälscht haben könnte. Drittens ist der RASS, ursprünglich für Intensivstationen entwickelt, möglicherweise unzureichend für pädiatrische Agitation. Viertens fehlt eine Esmolol-Monotherapiegruppe zur Isolierung der Einzeleffekte.

Schlussfolgerung
Die Gabe von Esmolol und Lidocain bei Anästhesieende reduziert signifikant die Aufwachagitation bei Kindern nach Schieloperationen unter Sevofluran. Diese Kombinationstherapie bietet einen vielversprechenden Ansatz zur Verbesserung der postoperativen Erholung und Risikominimierung agitationsbedingter Komplikationen. Weitere Studien sind erforderlich, um die Sicherheit von Esmolol bei Kindern und die Übertragbarkeit auf andere Eingriffe zu evaluieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000141

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