Ein Fall von Coronavirus-Erkrankung 2019 mit zweimaligem negativem Nukleinsäuretest innerhalb von 8 Tagen

Ein Fall von Coronavirus-Erkrankung 2019 mit zweimaligem negativem Nukleinsäuretest innerhalb von 8 Tagen

Die Coronavirus-Erkrankung 2019 (COVID-19) hat sich weltweit rasch ausgebreitet und stellt Gesundheitssysteme vor erhebliche Herausforderungen. Ungeklärt bleiben die exakte Virusherkunft, die Dauer der Virusausscheidung nach Infektion sowie die Ausbreitungsmechanismen. Diese Unsicherheiten erschweren die Eindämmung und Behandlung. Eine schnelle Diagnose und Isolation Infizierter sind zentrale Strategieelemente. Jedoch zeigen sich diagnostische Limitationen, insbesondere bei initial negativen Nukleinsäuretests trotz klinischer Symptome.

Fallbericht
Eine 47-jährige Frau reiste am 13. Januar 2020 nach Wuhan, China, wo ihre Mutter später an COVID-19 erkrankte. Am 20. Januar entwickelte die Patientin intermittierendes Fieber (max. 37,9°C) und Husten. Bei Aufnahme im Dritten Volkskrankenhaus Shenzhens am 22. Januar zeigten sich normale Leukozyten (4,94 × 10⁹/L), erniedrigte Lymphozyten (1,06 × 10⁹/L) und eine Sauerstoffsättigung von 99%. Trotz Interferon-Inhalation blieben Nukleinsäuretests (Rachenabstriche am 22. und 28. Januar) negativ.

Am 29. Januar erfolgte die Verlegung ins Universitätskrankenhaus Shenzhen. Bei stabiler Oxygenierung (99%) verschlechterten sich Kopfschmerzen und Husten. Die Lymphozyten sanken auf 0,91 × 10⁹/L. Die Thorax-CT zeigte bilaterale milchglasartige Trübungen. Am 31. Januar (Tag 11 der Symptome) traten respiratorische Verschlechterungen (pO₂ 65,5 mmHg, pCO₂ 39,2 mmHg) auf. Ein Nasenabstrich ergab nun einen positiven 2019-nCoV-Test, bestätigt durch das CDC.

Diskussion
Gemäß den chinesischen Leitlinien (Version 6) erfordert der COVID-19-Ausschluss zwei negative Tests im Abstand ≥24 Stunden. Bei eindeutiger Exposition, typischer Klinik und radiologischen Befunden ist ein negatives Testergebnis jedoch nicht aussagekräftig. Dieser Fall demonstriert die Diskrepanz zwischen molekularer Diagnostik und klinischem Verlauf.

Studien zu Influenzaviren zeigen, dass Virus-subtypen sich in unterschiedlichen Atemwegsregionen anreichern, was die Nachweisrate beeinflusst. Die Verlagerung der Probenentnahme vom Rachen zur Nase könnte hier entscheidend gewesen sein. Die Autoren beobachteten vier weitere Fälle mit positivem Nasenabstrich nach negativem Rachenabstrich.

Zudem könnte die Infektionsroute (z. B. gastrointestinal) die Viruslokalisation beeinflussen. Mehrfachprobennahmen sowie die Berücksichtigung antiviraler Therapien (z. B. Interferon-Nebulisation) vor der Testung sind daher ratsam.

Schlussfolgerung
Dieser Fall unterstreicht die Notwendigkeit einer integrativen Diagnostik bei COVID-19-Verdacht: Epidemiologische Anamnese, klinische Symptome und bildgebende Befunde müssen trotz initial negativer Tests gewichtet werden. Die Optimierung von Probenentnahmestellen und Testzeitpunkten sowie weitere Forschung zu virusbiologischen Eigenschaften sind entscheidend für die Pandemiebekämpfung.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000788

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