Eisenmangel und frühkindliche Karies: Eine systematische Übersicht und Metaanalyse

Eisenmangel und frühkindliche Karies: Eine systematische Übersicht und Metaanalyse

Frühkindliche Karies (ECC) zählt zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Vorschulkindern und betrifft vorrangig die Milchzähne. Klinische und epidemiologische Studien deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Eisenmangel (ID), Eisenmangelanämie (IDA) und der Entstehung von Karies im Kindesalter hin. Diese systematische Übersicht und Metaanalyse zielt darauf ab, die wissenschaftliche Evidenz zur intrinsischen Beziehung zwischen ID und ECC durch die Integration von Daten multipler Studien umfassend zu bewerten.

Die Studie basiert auf einer systematischen Literaturrecherche in elektronischen Datenbanken (PubMed, Web of Science, Cochrane, China National Knowledge Infrastructure [CNKI], Wanfang, Database for Chinese Technical Periodicals) von März 2020 bis September 2020. Unter Verwendung von MeSH-Begriffen und freien Suchwörtern zu Dentalkaries, Vorschulkindern, Säuglingen und Eisenmangel wurden Beobachtungsstudien eingeschlossen, die den Zusammenhang zwischen ECC und ID/IDA bei Kindern unter sechs Jahren untersuchten. ID wurde definiert als Serumferritin <30 mg/L ohne Entzündung; IDA anhand abnormaler Serumferritin-, Hämoglobin (HGB)- und mittlerer korpuskulärer Volumen (MCV)-Werte. Studien ohne direkte Gruppenvergleiche oder unvollständige Daten wurden ausgeschlossen.

In die Metaanalyse flossen 12 Fall-Kontroll-Studien (2002–2019) mit 9981 Kindern aus Indien, China, den USA, Kanada, Iran und Ägypten ein. Die Analyse erfolgte mittels Review Manager 5.3 (Cochrane Collaboration) unter Verwendung von Random-Effects-Modellen bei Heterogenität.

Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Assoziation zwischen ID und ECC: Kinder mit ECC wiesen ein 2,63-fach erhöhtes ID-Risiko (OR 2,63; 95%-KI [1,85; 3,73]; p < 0,001). Kein signifikanter Zusammenhang bestand zwischen Serumferritin und ECC (gewichtete mittlere Differenz [WMD] -5,80; 95%-KI [-11,97; 0,37]; p = 0,07). Für IDA ergab sich eine OR von 2,74 (95%-KI [2,41; 3,11]; p < 0,001). Die HGB- und MCV-Werte der ECC-Gruppe lagen signifikant niedriger (HGB: WMD -9,96; 95%-KI [-15,45; -4,46]; p = 0,0004; MCV: WMD -3,72; 95%-KI [-6,65; -0,79]; p = 0,01).

Als mögliche Mechanismen werden eine durch ID beeinträchtigte Speicheldrüsenfunktion (reduzierte Pufferkapazität) sowie antikariogene Effekte von Eisen diskutiert: Eisenionen hemmen Streptococcus mutans und stabilisieren den Zahnschmelz durch Bindung an Kalzium- und Phosphationen. Gemeinsame Risikofaktoren wie niedriger sozioökonomischer Status und Mangelernährung tragen zu beiden Erkrankungen bei. Chronische Entzündungen bei ECC können zudem die Eisenaufnahme weiter reduzieren.

Limitationen umfassen heterogene Diagnosekriterien für ID/IDA, variierende Stichprobengrößen und eine Dominanz gelbhäutiger Populationen, was die Generalisierbarkeit einschränkt. Zukünftige Studien sollten standardisierte Diagnoseprotokolle und ethnisch diverse Kohorten berücksichtigen, um kausale Zusammenhänge zu validieren.

Zusammenfassend unterstreichen die Ergebnisse die Relevanz von Eisenmangelprävention im Kampf gegen ECC. Die signifikant niedrigeren Eisenstatusparameter bei ECC-Patienten verdeutlichen die Notwendigkeit integrierter Ernährungsstrategien in der zahnmedizinischen Versorgung. Weitere Forschung ist erforderlich, um die pathophysiologischen Wechselwirkungen und präventiven Potenziale zu entschlüsseln.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001729

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