Epidemiologische und klinische Merkmale der funktionellen Dyspepsie in China

Epidemiologische und klinische Merkmale der funktionellen Dyspepsie in einer Region mit hoher Inzidenz von Speiseröhrenkrebs in China

Die funktionelle Dyspepsie (FD) ist eine häufige gastrointestinale Störung, die durch Symptome wie postprandiale Völlegefühl, vorzeitige Sättigung, epigastrische Schmerzen und Brennen ohne strukturelle Auffälligkeiten gekennzeichnet ist. Obwohl nicht letal, beeinträchtigen die chronisch-rezidivierenden Symptome die Lebensqualität erheblich und verursachen hohe sozioökonomische Belastungen. Die Prävalenz der FD variiert global zwischen 5 % und 40 %, in China zwischen 2,4 % und 23,5 %.

Der Kreis Hua in der Provinz Henan weist weltweit die höchste Mortalität für Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre (ESCC) auf und hat ebenfalls eine hohe Prävalenz der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). Bislang fehlten jedoch Daten zur Epidemiologie der FD sowie zur Validität des Rom-III-Fragebogens in dieser Region. Diese Studie untersuchte die Prävalenz, epidemiologischen und klinischen Merkmale der FD und organischen Dyspepsie (OD) sowie den Zusammenhang mit Helicobacter pylori.

Methoden
Im Rahmen einer bevölkerungsbasierten randomisierten kontrollierten Studie (RCT) wurden zwischen Juli 2013 und März 2014 insgesamt 2916 Teilnehmer im Alter von 45–69 Jahren rekrutiert. Ausschlusskriterien umfassten Malignome, psychische Erkrankungen, Virushepatitiden und HIV. Alle Teilnehmer absolvierten den GERD-Q- und Rom-III-Fragebogen sowie eine Gastroskopie. FD wurde nach Rom-III-Kriterien definiert: mindestens dreimonatige Symptome (postprandiale Völlegefühl, vorzeitige Sättigung, epigastrische Schmerzen/Brennen), Beginn ≥6 Monate vor Diagnose. FD-Subtypen wurden als postprandiales Distress-Syndrom (PDS) und epigastrisches Schmerzsyndrom (EPS) klassifiziert.

Ergebnisse
Von 2916 Teilnehmern wiesen 1705 (58,47 %) obere gastrointestinale Symptome auf. Mittels Rom-III und GERD-Q wurden 166 (5,69 %) Fälle von unklarer Dyspepsie (UID) und 310 (10,63 %) GERD-Fälle identifiziert. Die Gastroskopie ergab bei 342 (11,73 %) organische Pathologien: 17 ESCC (0,58 %), 2 Magenkarzinome (0,07 %), 1 Kardiakarzinom (0,03 %), 30 Magenulzera (1,03 %), 22 Duodenalulzera (0,75 %) und 270 Refluxösophagitis (RE; 9,26 %). Nach Kombination von Fragebogen und Endoskopie wurden 149 (5,11 %) FD- und 140 (4,80 %) funktionelle ösophageale Störungen (FED) diagnostiziert. Unter den FD-Patienten hatten 56 (37,58 %) PDS, 52 (34,89 %) EPS und 9 (6,04 %) PDS + EPS. 32 Patienten wiesen sowohl FD als auch FED auf.

In der UID-Gruppe wurden 10,24 % (17/166) als OD klassifiziert, darunter 3 ESCC-, 13 RE- und 1 Duodenalulkus-Fall. Häufige Symptome der OD waren postprandiale Völlegefühl (76,47 %), Sodbrennen (52,94 %) und epigastrische Schmerzen (47,06 %). Risikofaktoren für OD waren männliches Geschlecht, niedriger Bildungsstand und häufiger Verzehr flüssiger Nahrung.

Bei FD-Patienten dominierten postprandiale Völlegefühl (71,14 %), epigastrische Schmerzen (57,05 %) und Aufstoßen (37,58 %). H. pylori wurde bei 34,23 % (51/149) der FD-Patienten nachgewiesen, ohne signifikanten Unterschied zur Kontrollgruppe (42,26 %). Infizierte FD-Patienten litten häufiger unter Übelkeit (37,25 % vs. 21,43 %) und Säurereflux (21,57 % vs. 8,16 %). Risikofaktoren für PDS waren scharfe Ernährung, während Tiefbrunnenwasser einen protektiven Effekt zeigte.

Schlussfolgerung
Die FD-Prävalenz in dieser Hochrisikoregion für ESCC betrug 5,11 %. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit der Endoskopie bei Dyspepsie-Patienten, um maligne und entzündliche Ursachen auszuschließen. Insbesondere in Regionen mit hoher ESCC-Inzidenz sollte die Rom-III-basierte Diagnostik durch bildgebende Verfahren ergänzt werden.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000001584

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