Expression und prognostischer Wert von Brain and Acute Leukemia, Cytoplasmic (BAALC) in Meningiomen
Meningiome sind die häufigsten Neoplasien des zentralen Nervensystems. Ihre Klassifizierung nach dem WHO-System von 2016 unterteilt sie in drei Grade: Grad I (benign), Grad II (atypisch) und Grad III (anaplastisch/maligne). Während benigne Meningiome generell eine günstige Prognose aufweisen, sind höhergradige Tumore (Grad II und III) aggressiver und mit schlechteren klinischen Ergebnissen assoziiert. Das Verständnis der molekularen Mechanismen, die der Progression und Aggressivität von Meningiomen zugrunde liegen, ist entscheidend für die Verbesserung prognostischer Aussagen und die Entwicklung zielgerichteter Therapien.
Ein Molekül von besonderem Interesse in diesem Kontext ist Brain and Acute Leukemia, Cytoplasmic (BAALC). BAALC wurde bereits mit einer schlechten Prognose bei akuter myeloischer Leukämie in Verbindung gebracht. In dieser Studie wurde die Expression und der prognostische Wert von BAALC in Meningiomen untersucht, insbesondere seine differentielle Expression zwischen niedriggradigen und hochgradigen Tumoren sowie seine Eignung als Biomarker für das Patientenoutcome.
Die Studie umfasste 82 Meningiom-Patienten, die zwischen 1999 und 2015 an der Sir Run Run Shaw Hospital operiert wurden. Die Kohorte bestand aus 39 Patienten mit WHO-Grad-I-Meningiomen (Subtypen: meningothelial, fibrös, angiomatös, mikrozystisch, sekretorisch, metaplastisch), 34 Patienten mit Grad II (atypisch, klarzellig) und 9 Patienten mit Grad III (anaplastisch, papillär, rhabdoid). Für die Analyse wurden die Patienten in Niedriggradig (Grad I) und Hochgradig (Grad II/III) eingeteilt.
Gewebeproben wurden für histopathologische und immunhistochemische (IHC) Analysen verwendet. Das EnVision-System kam zum Einsatz, wobei Antikörper gegen BAALC, Progesteronrezeptor (PR) und Ki67 (MIB1) verwendet wurden. Die BAALC-Expression wurde mittels eines semiquantitativen Scores bewertet, basierend auf Färbungsintensität (0: negativ; 1: schwach; 2: moderat; 3: stark) und dem Anteil positiver Zellen (0: 0%; 1: 0–25%; 2: 26–50%; 3: >50%).
Die Ergebnisse zeigten eine signifikant höhere BAALC-Expression in hochgradigen Meningiomen (4,21 ± 1,51 vs. 2,51 ± 1,43 bei Niedriggradigen; p < 0,001). BAALC korrelierte zudem mit Geschlecht, Tumorinvasion und Hirninvasion. In univariaten Analysen waren Tumorgrad, BAALC-Expression, Hirninvasion und Nekrose signifikante prognostische Faktoren für das krankheitsspezifische Überleben (DSS) und progressionsfreie Überleben (PFS). Patienten mit hoher BAALC-Expression hatten signifikant schlechtere DSS- und PFS-Outcomes.
In in-vitro-Experimenten mit primären Meningiomzellen führte BAALC-Überexpression zu verstärkter Proliferation, Migration (Kratztest) und Invasion (Transwell-Assay). Diese Daten unterstreichen die Rolle von BAALC in der malignen Progression von Meningiomen.
Zusammenfassend identifiziert diese Studie BAALC als Schlüsselmolekül in der Aggressivität von Meningiomen. Seine Überexpression in Hochgradig-Tumoren und der Zusammenhang mit schlechter Prognosis legen nahe, dass BAALC als prognostischer Biomarker und potentielles therapeutisches Target dienen könnte. Weitere Studien sollten diese Ergebnisse in größeren Kohorten validieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000398