Gelenkinfektion bei einem Patienten mit chronischer granulomatöser Erkrankung

Gelenkinfektion bei einem Patienten mit chronischer granulomatöser Erkrankung

Die chronische granulomatöse Erkrankung (CGD) ist eine seltene angeborene Immundefektstörung, die die Fähigkeit des Körpers, bakterielle und pilzliche Infektionen abzuwehren, erheblich beeinträchtigt. Diese Erkrankung entsteht durch einen Defekt im reduzierten Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid-Phosphat(NADPH)-Oxidase-Komplex, der für die Produktion von Superoxidanionen zur Abtötung von Mikroorganismen entscheidend ist. Der Fall eines 7-jährigen Jungen mit CGD, der eine Gelenkinfektion im linken Knöchel entwickelte, verdeutlicht die Herausforderungen bei Diagnose und Management dieser seltenen Erkrankung.

Der Patient präsentierte sich zunächst mit einer schmerzlosen Schwellung am linken distalen Unterarm, die sich über einen Monat entwickelt hatte. Eine intraoperative Biopsie führte zur Diagnose einer Histiozytose mit Verdacht auf xanthomatöse Granulome. Postoperativ zeigte sich eine schlechte Wundheilung mit eitrigen Sekreten. Zwei Monate später erfolgte eine erneute stationäre Aufnahme aufgrund einer schmerzhaften Schwellung des linken Knöchels über 10 Tage. Eine farbkodierte Doppler-Sonographie ergab eine Synovitis des linken Sprunggelenks und eine Fasziitis der linken Tibialis-posterior-Sehne.

In der Anamnese fielen rezidivierende Atemwegsinfektionen seit dem Kleinkindalter auf, die mit Antituberkulotika behandelt worden waren, obwohl kein Nachweis von säurefesten Stäbchen erfolgt war. Zuvor waren Abszesse an den Ohren, zervikalen Lymphknoten (Alter 5) und perianal (Alter 6) chirurgisch drainiert worden. Wiederholt erhielt der Patient Breitbandantibiotika wie Ceftazidim, Vancomycin und Imipenem.

Bei Wiederaufnahme zeigten sich Fieber (38°C), Tachykardie (132/min) und erhöhte Entzündungsparameter: Leukozyten 11.200/µl, CRP 118 mg/l, BSG 85 mm/h. Die Bildgebung bestätigte Fibrosen beider Lungen, Hepatomegalie sowie eine ausgeprägte Weichteilschwellung des linken Knöchels. Histologisch fanden sich granulomatöse Entzündungen mit Nekroseherden. Die Punktion ergraften eitrigen Erguss mit Nachweis von Serratia marcescens.

Bei Verdacht auf einen angeborenen Immundefekt erfolgte eine Trio-Exomsequenzierung, die eine pathogene Spleißstellenmutation im CYBB-Gen (chrX:37653064 c.483+1G>T) offenbarte. Diese Mutation führt zum Verlust der NADPH-Oxidase-Aktivität und bestätigte die Diagnose einer X-chromosomalen CGD (XL-CGD). Die Therapie umfasste antimikrobielle Behandlung und geplante Stammzelltransplantation.

CGD-Patienten zeigen charakteristisch schwere, rezidivierende Infektionen durch katalase-positive Erreger. Beteiligungen des Skelettsystems sind selten, insbesondere septische Arthritiden. Dieser Fall unterstreicht die Bedeutung genetischer Diagnostik bei unklaren rezidivierenden Infektionen. Die Messung der NADPH-Oxidase-Aktivität mittels Dihydrorhodamin-Assay bleibt diagnostischer Goldstandard, ergänzt durch molekulare Analysen zur Identifikation kausaler Mutationen und humangenetischer Beratung.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit (Endokrinologie, Kinderchirurgie, Immunologie) ist entscheidend für das Management komplexer Fälle. Trotz hoher Kosten sollte die Genomsequenzierung bei Verdacht auf seltene Immundefekte erwogen werden, um gezielte Therapien und präventive Maßnahmen zu ermöglichen.

Dieser Fallbericht illustriert exemplarisch die diagnostischen Herausforderungen bei CGD und betont den Stellenwert moderner Sequenziertechnologien in der Aufklärung unklarer Infektionssyndrome im Kindesalter.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001385

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