Haploidente Transplantation zeigt einen überlegenen Transplantat-gegen-Leukämie-Effekt gegenüber HLA-identischer Geschwistertransplantation bei Ph– Hochrisiko-B-Zell-akuter lymphoblastischer Leukämie
Die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (allo-HSCT) stellt eine potenziell kurative Therapieoption für Patienten mit hämatologischen Malignomen dar, insbesondere für Erwachsene mit Hochrisiko-akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL). Die Verfügbarkeit eines geeigneten Spenders limitiert häufig ihre Anwendung. Durch die Entwicklung der haploidenten Transplantation (HID) können jedoch nahezu alle Patienten schnell einen passenden Spender erhalten. Studien zeigen, dass HID-Transplantationen vergleichbare Ergebnisse wie HLA-identische Geschwister- (MSD) oder Fremdspendertransplantationen (MUD) erreichen. Diese Studie verglich den Transplantat-gegen-Leukämie-(GVL)-Effekt zwischen HID- und MSD-Transplantationen bei Philadelphia-negativer (Ph–) Hochrisiko-B-Zell-ALL.
Patienten und Methoden
Die Studie umfasste Patienten aus zwei prospektiven Multicenter-Studien (NCT01883180, NCT02673008), die zwischen Juni 2013 und Oktober 2018 eine erste allo-HSCT erhielten. Einschlusskriterien waren: Alter 14–65 Jahre, Hochrisiko-B-ALL (definiert durch Leukozyten ≥30 × 10^9/L bei Diagnose, verzögerte Remission [>2 Induktionszyklen], refraktäre Erkrankung oder Hochrisiko-Zytogenetik gemäß NCCN 2012) und Transplantation mittels HID oder MSD. Die Konditionierung variierte je nach Remissionsstatus: Patienten in kompletter Remission (CR) erhielten eine myeloablative Therapie mit Ganzkörperbestrahlung (TBI), Cyclophosphamid (CY) und Etoposid (VP-16); nicht-remittierte Patienten (NR) erhielten zusätzlich Fludarabin (Flu) und Cytarabin (Ara-c). Die GVHD-Prophylaxe umfasste Cyclosporin A (CsA) und Methotrexat (MTX) für MSD sowie zusätzlich Mycophenolat und Anti-Thymozyten-Globulin für HID.
Ergebnisse
Von 335 Patienten (145 HID, 190 MSD) erreichten 331 die Neutrophilenengraftment (Median 12 vs. 11 Tage). Die 3-Jahres-kumulative Inzidenz von messbarer Resterkrankung (MRD+) lag mit 27,2 % in der HID-Gruppe signifikant niedriger als in der MSD-Gruppe (42,6 %; p < 0,05). Multivariable Analysen identifizierten HID als protektiven Faktor für MRD+ (HR 0,59; 95 %-KI 0,39–0,89). Die 3-Jahres-Rezidivrate betrug 18,6 % (HID) vs. 25,9 % (MSD). Die Gesamtüberlebensraten (OS) nach 3 Jahren lagen bei 67,4 % (HID) und 61,6 % (MSD), die GVHD-freie/rezidivfreie Überlebensrate (GRFS) bei 51,7 % vs. 37,8 %.
Nebenwirkungen
Die Inzidenz von Grad II–IV akuter GVHD (aGVHD) war vergleichbar (46,2 % vs. 47,9 %), jedoch zeigte die HID-Gruppe weniger schwere aGVHD (11,7 % vs. 14,7 %). Chronische GVHD (cGVHD) trat bei 46,3 % (HID) bzw. 52,1 % (MSD) auf. Infektionsbedingte Todesfälle (14,5 % vs. 12,3 %) und CMV/EBV-Reaktivierungen waren in der HID-Gruppe häufiger.
Schlussfolgerung
Die HID-Transplantation zeigt einen stärkeren GVL-Effekt bei Ph– Hochrisiko-B-ALL, was sich in geringerer MRD+-Inzidenz und verbessertem Langzeitüberleben widerspiegelt. Trotz höherer Infektionsrisiken stellt HID eine optimale Option für Patienten ohne verfügbaren MSD dar.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001852