Herz-Lungen-Wiederbelebung und Beendigung der Reanimation in China

Herz-Lungen-Wiederbelebung und Beendigung der Reanimation bei außerklinischem Herzstillstand in China

Der außerklinische Herzstillstand (OHCA) stellt weltweit eine erhebliche Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar, von der auch China nicht ausgenommen ist. Die frühzeitige Einleitung einer Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR), hochqualitative CPR-Maßnahmen sowie der Einsatz automatisierter externer Defibrillatoren (AEDs) verbessern nachweislich die Überlebensraten und Langzeitergebnisse von OHCA-Patienten. In China sind präklinische Rettungskräfte häufig die ersten, die eine professionelle CPR bei OHCA-Patienten durchführen. Ihre Entscheidungen vor Ort beeinflussen maßgeblich den Behandlungserfolg. Die CPR endet typischerweise mit einem von drei Ergebnissen: Tod, Rückkehr des Spontankreislaufs (ROSC) oder Verlegung in eine Notaufnahme zur Fortsetzung der Reanimation bis ROSC oder Tod eintreten.

Die American Heart Association (AHA) veröffentlichte 2010 Leitlinien zur Beendigung der Reanimation (Termination of Resuscitation, TOR), gefolgt von den europäischen CPR-Leitlinien 2015. Diese empfehlen, die CPR abzubrechen, wenn spezifische Kriterien erfüllt sind: nicht beobachteter Herzstillstand, keine Laien-CPR, keine Schockabgabe und ausbleibender ROSC trotz Reanimation. China verfügt jedoch bisher über keine eigenen TOR-Leitlinien, weshalb sich Rettungskräfte an internationalen Standards orientieren müssen.

Methoden

Diese Studie untersuchte den Wissensstand chinesischer präklinischer Rettungskräfte zu CPR und TOR-Kriterien. Im Februar 2021 wurde eine Umfrage unter Rettungsdienstmitarbeitern in 23 Provinzen, fünf autonomen Gebieten und vier regierungsunmittelbaren Städten durchgeführt. Der Fragebogen erfasste demografische Daten, Ausbildungsstand, Fallhäufigkeit und Entscheidungskriterien für CPR-Abbruch. Die Daten von 4.318 gültigen Antworten wurden multivariat analysiert.

Ergebnisse

Demografische Charakteristika

  • Geschlecht: 47,27 % männlich, 52,73 % weiblich
  • Altersverteilung: 47,27 % zwischen 30–40 Jahren
  • Bildung: 44,51 % mit Bachelor-Abschluss
  • Berufserfahrung: 45,39 % mit <5 Jahren Erfahrung

Ausbildungsstand

  • 94,40 % absolvierten Erwachsenen-Basismaßnahmen (BLS)
  • 66,33 % Erwachsenen-Erweiterte Lebensrettung (ALS)
  • 21,31 % lebensrettende Maßnahmen bei Schwangeren

Fallzahlen und Abbruchkriterien

  • 74,02 % behandelten <5 OHCA-Fälle/Monat
  • 72,58 % begrenzten CPR auf 30 Minuten
  • Hauptabbruchgründe:
    • Fehlender ROSC nach >30 Minuten (69,66 %)
    • Patientenverfügung (91,43 %)
    • ETCO2 <10 mmHg (25,22 %)

Multivariate Analysen zeigten, dass Bildungshintergrund, Berufsbezeichnung und spezifische Ausbildungen (z.B. ALS) signifikant mit der Nutzung von ETCO2 als Abbruchkriterium korrelierten (p<0,05). Geschlecht, Alter und Arbeitsumfeld beeinflussten die Berücksichtigung des Patientenalters.

Diskussion

Die Studie offenbart erhebliche Lücken in der einheitlichen Anwendung evidenzbasierter TOR-Kriterien. Obwohl 94 % der Befragten BLS-Schulungen absolviert hatten, nutzten nur 25 % ETCO2-Monitoring zur Qualitätskontrolle. Subjektive Entscheidungsmuster – etwa die Fortführung sinnloser Reanimationen aus Angst vor juristischen Konsequenzen – belasten klinische Ressourcen und erhöhen Konfliktpotenzial.

Verglichen mit internationalen Standards (z.B. NUE-Regel) zeigt sich:

  • Geringere ROSC-Raten durch verzögerte Ersthelfermaßnahmen
  • Fehlende DA-CPR-Implementierung (Dispatcher-assisted CPR)
  • Regionale Disparitäten in Notfallinfrastruktur und Ausbildung

Schlussfolgerungen

China benötigt dringend nationale TOR-Leitlinien, die folgende Aspekte adressieren:

  1. Standardisierte Abbruchkriterien: Integration objektiver Parameter (ETCO2, initialer Rhythmus)
  2. Juristische Absicherung: Klare Regelungen zur Haftungsbefreiung bei Leitlinienkonformität
  3. Flächendeckende Schulungen: Fokus auf ALS und Teamkoordination
  4. Public-Awareness-Kampagnen: Steigerung der Laienreanimationsrate

Die Harmonisierung präklinischer Entscheidungsprozesse könnte nicht nur die Überlebensraten verbessern, sondern auch die Effizienz des chinesischen Rettungswesens steigern.

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
Ethikvotum: Genehmigt durch die Ethikkommission des Beijing Emergency Medical Center (Nr. 2021-01).

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001718

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