Hyperthyreose bei disseminiertem differenziertem Schilddrüsenkarzinom in der 99mTcO4 – Szintigraphie

Hyperthyreose bei disseminiertem differenziertem Schilddrüsenkarzinom in der 99mTcO4-Szintigraphie

Das Schilddrüsenkarzinom ist eine häufige endokrine Malignität, wobei differenzierte Schilddrüsenkarzinome (DTC) den Großteil der Fälle ausmachen. Obwohl DTC typischerweise mit Hypothyreose oder Euthyreose einhergeht, ist eine Hyperthyreose infolge metastasierter DTC ein seltenes Phänomen. Dieser Fallbericht beschreibt eine 53-jährige Patientin mit einer durch disseminiertes DTC induzierten Hyperthyreose und beleuchtet die diagnostischen und therapeutischen Herausforderungen.

Die Patientin wurde aufgrund von Schmerzen und Verdacht auf Metastasen im rechten Iliakalbereich, identifiziert durch Computertomographie (CT), im Zhongshan Hospital der Fudan-Universität aufgenommen. Acht Jahre zuvor erfolgte eine rechtsseitige Thyreoidektomie ohne Nachweis von Malignität. Im letzten Jahr entwickelte sie jedoch eine Hyperthyreose, die aufgrund einer Thiamazol-induzierten Leukozytopenie unbehandelt blieb. Klinische Symptome und Laborbefunde bestätigten die Diagnose: Freies Trijodthyronin (FT3) 12,3 pmol/L (Referenz: 2,8–7,1 pmol/L), freies Thyroxin (FT4) 46,7 pmol/L (Referenz: 12,0–22,0 pmol/L), Thyreoglobulin (Tg) >5000,0 ng/mL (Referenz: 1,4–78,0 ng/mL), TSH <0,005 mIU/mL (Referenz: 0,270–4,200 mIU/mL), Anti-Tg-Antikörper 163,2 IU/mL (Referenz: <115,0 IU/mL) und TPO-Antikörper 15,5 IU/mL (Referenz: <34,0 IU/mL). Die Sonographie zeigte multiple Knoten im linken Schilddrüsenlappen, verdächtig auf Adenome. Eine familiäre Prädisposition für Schilddrüsenerkrankungen wurde verneint.

In der 99mTcO4-Szintigraphie zeigte sich eine geringe Radioaktivitätsanreicherung im Halsbereich (unterhalb der Nasenschleimhaut) sowie multiple thorakale Läsionen mit Tracerakkumulation. Ganzkörperaufnahmen offenbarten intensive Anreicherungen im Thorax und Skelettsystem. Eine CT-gesteuerte Biopsie der Iliakal-Läsion ergab follikuläres Epithel. Die immunhistochemische Analyse bestätigte die Expression von Tg und TTF-1. Nach linksseitiger Thyreoidektomie wies die Histologie auf ein follikuläres Adenom hin. Die persistierende Radioaktivitätsaufnahme im Restgewebe und erhöhte Hormonspiegel sprachen jedoch für eine sekundäre Hyperthyreose durch metastatische Hormonproduktion.

Die ausgedehnten Lungen- und Knochenmetastasen in der 99mTcO4-Bildgebung widersprachen der Diagnose eines in-situ-Adenoms und deuteten auf ein follikuläres Karzinom hin. Die Patientin erhielt empirisch 3700 MBq (100 mCi) Radioiod (131I). Posttherapeutische Ganzkörperszintigraphien bestätigten die Metastasen durch intensive Iodaufnahme. Vier Monate nach der ersten 131I-Therapie sanken T3 (3,2 pmol/L), T4 (12,7 pmol/L) und Tg (430,9 ng/mL). Nach einer zweiten 131I-Gabe reduzierten sich die Werte nach einem Jahr auf 4,3 pmol/L (T3), 29,1 pmol/L (T4) und 3,2 ng/mL (Tg).

Dieser Fall unterstreicht die Rarität einer Hyperthyreose bei metastasiertem DTC. Obwohl Hyperthyreose meist durch benigne Erkrankungen wie Morbus Basedow oder autonome Adenome bedingt ist, können maligne Schilddrüsenzellen selten überschüssige Hormone sezernieren. Die molekularen Mechanismen hierfür sind unklar und bedürfen weiterer Forschung.

Die 99mTcO4-Szintigraphie erwies sich als wertvolles diagnostisches Werkzeug. 99mTcO4 wird über den Natrium-Iodid-Symporter (NIS) in thyreozytären Zellen angereichert. Trotz geringerer Sensitivität gegenüber 131I-Ganzkörperscans wird 99mTcO4 aufgrund geringerer Strahlenexposition und fehlender „Stunning“-Effekte bevorzugt eingesetzt. Im vorliegenden Fall ermöglichte die 99mTcO4-Bildgebung die Detektion von Metastasen, die später durch 131I bestätigt wurden.

Das Management einer Hyperthyreose bei metastasiertem DTC erfordert eine multimodale Strategie. Die Kombination aus Szintigraphie, 131I-Therapie und Verlaufskontrollen führte hier zum Therapieerfolg. Die etablierte Rolle der 131I-Therapie bei DTC zeigt sich im deutlichen Abfall von Tg und Schilddrüsenhormonen. Dennoch bleibt der prätherapeutische Einsatz von 131I-Scans umstritten, da „Stunning“ die Therapieeffizienz mindern kann. 99mTcO4 stellt hier eine sichere Alternative dar.

Zusammenfassend zeigt dieser Fall die Bedeutung interdisziplinärer Diagnostik und Therapie bei seltenen Schilddrüsenmalignomen. Weiterführende Studien sind notwendig, um die Pathomechanismen der hormonaktiven Metastasierung zu klären und optimale Behandlungsprotokolle zu entwickeln.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000462

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