Identifizierung von Biomarkern der gastralen Mikrobiota für Magenkrebs

Identifizierung von Biomarkern der gastralen Mikrobiota für Magenkrebs

Magenkrebs (GC) zählt weltweit zu den häufigsten malignen Erkrankungen und stellt eine erhebliche Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. Aktuelle Studien unterstreichen die Rolle einer dysbiotischen gastralen Mikrobiota bei der Entstehung und Progression von GC. Spezifische Bakteriengattungen wie Peptostreptococcus, Streptococcus und Parvimonas wurden mit gastraler Atrophie und intestinaler Metaplasie (IM), Vorstufen von GC, in Verbindung gebracht. Die gastrale Mikrobiota ist jedoch dynamisch und wird durch Ernährung, Xenobiotika, Protonenpumpenhemmer, physiologische Veränderungen und die Genetik des Wirts beeinflusst. Diese Studie zielt darauf ab, spezifische mikrobielle Biomarker zur Diagnose von GC zu identifizieren und zugrundeliegende Krankheitsmechanismen aufzuklären.

Methoden
Die Studie umfasste Daten von 60 Patienten (Durchschnittsalter 55 ± 13 Jahre; 58,3 % männlich) des Ersten Affiliierten Krankenhauses der Nanjing Medical University (Februar 2017–März 2018). Die Kohorte bestand aus 17 Patienten mit chronischer Gastritis (CG), 13 Patienten mit IM und 30 GC-Patienten. Die Ethikkommission des Krankenhauses genehmigte die Studie; alle Teilnehmer gaben eine schriftliche Einwilligung. Biopsien wurden aus dem Antrum und Corpus bei CG-Patienten sowie aus Läsionen bei IM- oder GC-Patienten entnommen.

Die Mikrobiota-Struktur wurde durch Sequenzierung der V3-V4-Region des 16S-rRNA-Gens (Illumina MiSeq) analysiert. Hochqualitative Sequenzen wurden mittels QIIME-Pipeline verarbeitet, und OTUs wurden unter Verwendung des UCLUST-Klassifikators (Greenegenes-Referenzdatensatz) taxonomisch zugeordnet. LEfSe und Wilcoxon-Test identifizierten gruppenspezifisch unterschiedliche Taxa. Ein LOOCV-Modell validierte die diagnostische Aussagekraft der Biomarker.

Ergebnisse
Die Alpha-Diversität (Chao-Index, Shannon-Index) war in der GC-Gruppe signifikant höher als bei CG und IM (p < 0,05). Beta-Diversitätsanalysen (PCoA) zeigten deutliche Unterschiede in der Mikrobiota-Zusammensetzung zwischen GC- und Nicht-GC-Gruppen (CG + IM). LEfSe identifizierte 21 OTUs mit signifikanter Häufigkeitsänderung bei GC und 6 OTUs bei Nicht-GC. Ein 19-OTU-Biomarker-Set – einschließlich Barnesiellaceae, Phascolarctobacterium, Bacteroides uniformis, Clostridium und Prevotella copri – erreichte im LOOCV-Modell eine AUC von 89,3 % (Sensitivität: 83,33 %; Spezifität: 90 %).

Funktionelle Analysen (PICRUSt) ergaben eine Anreicherung von 29 KEGG-Stoffwechselwegen bei GC, darunter primäre/sekundäre Gallensäurebiosynthese, Sphingolipidstoffwechsel und Glykosaminoglykan-Abbau. Die Folsäurebiosynthese und gastrale Säuresekretion waren bei GC reduziert. Gallensäuren korrelierten positiv mit dem Atrophie-/IM-Grad bei H. pylori-positiven Patienten, was auf eine Rolle von Gallensäuren in der GC-Pathogenese hindeutet.

Diskussion
Die Studie identifiziert erstmals ein spezifisches 19-OTU-Set als diagnostischen Biomarker für GC. Die Übereinstimmung mit früheren Studien (z. B. Clostridium spp. und Prevotella spp. in LEfSe-Analysen) unterstreicht die Robustheit der Ergebnisse. Das LOOCV-Modell reduziert Verzerrungen, ist jedoch rechenintensiv. Die Anreicherung gallensäureassoziierter Stoffwechselwege korreliert mit der Überexpression des TGR5-Rezeptors, der die epithelial-mesenchymale Transition in GC-Zellen fördert. Dies könnte einen Mechanismus für die mikrobielle Mitwirkung an der Krebsprogression darstellen.

Schlussfolgerung
Die gastrale Mikrobiota bietet vielversprechende diagnostische Biomarker für GC. Validierungen in größeren Kohorten sind notwendig, um die klinische Anwendbarkeit zu bestätigen. Die identifizierten Stoffwechselwege liefern zudem Ansatzpunkte für zukünftige Therapiestrategien.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001081

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *