Intraabdominale Aortenballonokklusion im Management der Plazenta percreta

Intraabdominale Aortenballonokklusion im Management der Plazenta percreta

Plazenta-accreta-Spektrum (PAS)-Störungen umfassen eine Reihe von Erkrankungen, bei denen die Plazenta abnormal am Uterusmyometrium haftet oder in dieses eindringt. Die Plazenta percreta (PP), die schwerste Form dieser Störungen, ist durch das Durchdringen der Plazenta durch die Uterusserosa und potenzielles Einwachsen in benachbarte Organe gekennzeichnet. Diese Erkrankung birgt erhebliche Risiken, wobei massiven Blutungen die primäre Komplikation bei der Behandlung darstellen. In den letzten Jahrzehnten hat die Inzidenz von PAS-Störungen stark zugenommen, was vor allem auf die steigende Rate von Kaiserschnittentbindungen zurückzuführen ist, ein bekannter Risikofaktor für diese Erkrankungen.

Das Management der PP ist komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Eine Technik zur Reduktion des Risikos schwerer Blutungen ist die intraabdominale Aortenballonokklusion (IABO). Dieses Verfahren beinhaltet die temporäre Okklusion der Bauchaorta, um den Blutfluss ins Becken zu reduzieren und somit den Blutverlust während der Operation zu minimieren. Die Wirksamkeit und Sicherheit von IABO bei PP bleibt jedoch unklar, da großangelegte Studien fehlen. Diese Arbeit analysiert umfassend die mit IABO assoziierten Outcomes bei PP-Patientinnen, mit Fokus auf mütterliche und neonatale Ergebnisse.

Hintergrund und Relevanz

PAS-Störungen, einschließlich PP, zählen zu den lebensbedrohlichsten geburtshilflichen Erkrankungen. Die steigende Prävalenz steht im Zusammenhang mit der Zunahme von Kaiserschnitten, insbesondere in Ländern wie China, wo die Zwei-Kind-Politik die Problematik verschärft hat. PP ist mit einem hohen Risiko für massive Blutungen verbunden, die zu mütterlicher Morbidität und Mortalität führen können. Traditionelle Therapiestrategien umfassen oft die Hysterektomie, jedoch gewinnt der organerhaltende Ansatz bei Kinderwunsch an Bedeutung.

IABO wird im organerhaltenden Management eingesetzt, um den intraoperativen Blutverlust zu reduzieren. Durch die Okklusion der Bauchaorta wird das chirurgische Sichtfeld verbessert und das Blutungsrisiko gesenkt. Dennoch ist IABO nicht unumstritten. Risiken wie arterielle Verletzungen, Infektionen und Thrombosen bestehen. Zudem ist die Wirksamkeit der IABO zur Reduktion von Blutverlust und Hysterektomieraten nicht eindeutig belegt.

Studiendesign und Methoden

Diese retrospektive Studie analysierte klinische Daten von sechs chinesischen Zentren (2011–2015) mit 321 PP-Fällen (132 mit IABO, 189 ohne IABO). Zur Reduktion von Selektionsbias erfolgte ein Propensity-Score-Matching (PSM), sodass 132 gepaarte Fälle analysiert wurden. Primäre Endpunkte waren postpartale Blutung (PPH; Blutverlust >1000 ml/24 h) und Hysterektomierate. Sekundäre Endpunkte umfassten Re-Operationsraten und neonatale Apgar-Werte.

Das IABO-Verfahren beinhaltete die Einführung eines Ballonkatheters in die A. femoralis dextra unter Lokalanästhesie. Der Ballon wurde in der infrarenalen Aorta positioniert, um den Blutfluss zu unterbrechen. Die Okklusionszeit wurde überwacht, um Komplikationen vorzubeugen. Die Prozedur wurde von erfahrenen interventionellen Radiologen durchgeführt.

Ergebnisse

Die analysierten gepaarten Gruppen zeigten signifikante Unterschiede in mütterlichen Outcomes. Die PPH-Rate war in der IABO-Gruppe signifikant niedriger (68,9 % vs. 87,9 %; p <0,001). Die Hysterektomierate reduzierte sich in der IABO-Gruppe auf 8,3 % gegenüber 65,2 % in der Kontrollgruppe (p <0,001). Auch die Re-Operationsrate (1,5 % vs. 12,1 %; p = 0,002) war in der IABO-Gruppe geringer.

Neonatale Outcomes unterschieden sich nicht signifikant. Apgar-Werte nach 1 und 5 Minuten sowie Geburtsgewichte waren vergleichbar (p >0,05). Dies deutet darauf hin, dass IABO keine negativen Auswirkungen auf neonatale Ergebnisse hat.

Diskussion

Die Ergebnisse unterstreichen die Wirksamkeit von IABO zur Reduktion von Blutverlust und Hysterektomieraten bei PP. Die Okklusion der infrarenalen Aorta blockiert Beckenkollateralen effektiver als andere Verfahren (z. B. Okklusion der A. iliaca interna). Dies ist bei PP entscheidend, da häufig ausgeprägte Kollateralkreisläufe bestehen. Das klarere chirurgische Sichtfeld ermöglicht eine sicherere Resektion.

Potenzielle Risiken wie arterielle Komplikationen erfordern jedoch erfahrene Operateure, strikte Überwachung der Okklusionszeit und adäquate Antikoagulation. Die mittlere Strahlenexposition (4,20 mGy) lag unter dem als fetal unbedenklich geltenden Grenzwert (100 mGy).

Schlussfolgerung

IABO ist eine sichere und effektive Option zur organerhaltenden Behandlung der PP, insbesondere bei Patientinnen mit Kinderwunsch. Die signifikante Reduktion von Blutverlust und Hysterektomieraten ohne Beeinträchtigung neonataler Outcomes unterstützt den Einsatz dieses Verfahrens. Weitere prospektive Studien sind erforderlich, um das Risiko-Nutzen-Profil zu optimieren.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000001944

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