Isolierung von Trichosporon montevideense aus dem Colon descendens bei einer Patientin mit schwerem aktiven Morbus Crohn: Ein Fallbericht
Dieser Fallbericht beschreibt eine 13-jährige Patientin aus der Provinz Shandong mit schwerem Morbus Crohn (MC), bei der Trichosporon montevideense im Colon descendens nachgewiesen wurde. Die Patientin wurde im April 2013 in ein Zentrum für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) überwiesen. Drei Monate vor der Aufnahme litt sie unter Hämatochezie und Fieber, die auf eine antibiotische Therapie nicht ansprachen. Die Koloskopie zeigte segmentale Läsionen, ein Pflastersteinrelief und eine Striktur im Colon descendens. Initiale Tests schlossen Zytomegalievirus, Epstein-Barr-Virus, Clostridium difficile und Amöben als Ursachen aus. Auch Hinweise auf Morbus Behçet, systemische Vaskulitis oder andere Autoimmunerkrankungen fehlten. Die Diagnose lautete schwerer aktiver MC (Vienna-Klassifikation: A1L3B2).
Aufgrund der Abgrenzungsschwierigkeit zur intestinalen Tuberkulose erhielt die Patientin zunächst Glukokortikoide zur Remissionsinduktion sowie eine antituberkulöse Therapie. Da keine Besserung eintrat, wurde auf Infliximab umgestellt. Nach drei Infliximab-Gaben (Woche 0, 2 und 6) zeigte die Kontrollkoloskopie unveränderte Läsionen. Eine Biopsiekultur zum Ausschluss spezifischer Infektionen ergab überraschend einen Pilz, der mittels Sequenzanalyse der ITS- und IGS-Regionen als Trichosporon montevideense identifiziert wurde. Zunächst wurde kein Zusammenhang mit den Symptomen angenommen, da Trichosporon spp. typischerweise zur normalen Darmmikrobiota zählen.
Trotz dreimonatiger Infliximab-Therapie persistierten die Bauchschmerzen. Die Patientin wurde aufgrund einer Darmblutung notfallmäßig operiert (Kolektomie und Ileostomie). Postoperativ entwickelte sie hohes Fieber (39°C). Unter Berücksichtigung der Langzeitglukokortikoid- und Infliximab-Therapie erhielt sie eine Kombination aus Meropenem, Teicoplanin und Caspofunginacetat. Das Fieber bestand nach 72 Stunden weiterhin, Blut- und Peritoneallavagekulturen blieben negativ. Auch der (1,3)-β-D-Glucan-Test und Galactomannan-Nachweis waren negativ.
Da die meisten Hefeisolate auf Intensivstationen Candida spp. betrafen und pathogene Pilze wie Cryptococcus oder Trichosporon selten sind, wurde Trichosporon sp. als mögliche Ursache vermutet. Gründe hierfür waren: der frühere Nachweis von T. montevideense in der Kolonmukosa, die Rolle von Trichosporon spp. als zweithäufigste Ursache humaner Basidiomyzeten-Infektionen, die Darmtranslokation als Infektionsquelle und die natürliche Caspofungin-Resistenz. Die Umstellung auf Voriconazol (wirksam gegen Trichosporon spp.) führte innerhalb von 24 Stunden zur Fieberreduktion; nach drei Tagen normalisierte sich die Temperatur. Drei Monate später konnte die Patientin entlassen werden. Immunfluoreszenzfärbungen des Kolongewebes bestätigten Hefestrukturen, was die Pathogenität von Trichosporon sp. unterstreicht.
Die Rolle von T. montevideense bei Kolitis bleibt unklar, jedoch ist der Einfluss des Darmmykobioms auf CED bekannt. Beispielsweise exacerbieren Candida albicans und Malassezia spp. Kolitis, während Saccharomyces boulardii protektiv wirkt. Antikörper gegen Saccharomyces cerevisiae gelten als IBD-Marker. Zudem reguliert Caspase Recruitment Domain 9 (Card9) die Pilzimmunität, und bestimmte Card9-Polymorphismen sind mit CED assoziiert.
Frühere Studien wiesen Trichosporon spp. in der Darmmukosa von MC-Patienten nach. Iliev et al. zeigten, dass Trichosporon spp. bei muriner Kolitis vermehrt auftreten und an Entzündungsmilieus adaptiert sein könnten. Um die Rolle von T. montevideense zu untersuchen, wurde der klinische Isolat (BMU 07526) in einem DSS-induzierten Kolitis-Mausmodell getestet. Mäuse erhielten täglich 10^8 T. montevideense-Zellen per Schlundsonde. Die Ergebnisse zeigten, dass T. montevideense bei gesunden Mäusen keinen Effekt hatte, jedoch bei DSS-behandelten Tieren die Kolitis verschlimmerte: stärkerer Gewichtsverlust, kürzere Kolonlängen, höhere Krankheitsaktivitäts- und Histopathologiescores. Zudem wurde Trichosporon spp. in der Kolonmukosa der behandelten Mäuse nachgewiesen.
Diese Befunde legen nahe, dass Trichosporon spp. zur Darmbesiedlung befähigt sind, invasive Infektionen verursachen und Kolitis-Symptome verstärken können. Kliniker sollten bei MC-Patienten mit Fieber, Hämatochezie und pilzpositiven Biopsiekulturen an eine intestinale Pilzbesiedlung denken.
Zusammenfassend unterstreicht dieser Fall die mögliche Rolle von Trichosporon montevideense bei der Exazerbation von Kolitis bei MC. Der klinische Verlauf und experimentelle Daten aus dem Mausmodell betonen die Bedeutung mykotischer Infektionen im Management schwerer CED-Fälle. Weitere Forschung ist nötig, um die Pathomechanismen und Therapieansätze zu klären.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000793