Klinisch-pathologische Charakteristika und prognostische Faktoren für die Rezidivneigung abdominaler Desmoidtumoren: Eine retrospektive Studie an 113 Patienten aus zwei chinesischen Krankenhäusern
Desmoidtumoren (DTs) sind seltene, lokal aggressive Neoplasien, die aus tiefen Weichteilen entstehen. Obwohl sie nicht metastasieren, können ihre Neigung zu lokalem Rezidiv und Invasion in umliegende Strukturen zu erheblicher Morbidität und funktioneller Beeinträchtigung führen. Abdominale Desmoidtumoren (ADTs), einschließlich Tumoren der Bauchwand und intraabdominaler Lokalisation, stellen eine Untergruppe mit distinkten biologischen Verhaltensmustern und klinischen Verläufen dar. Diese Studie zielte darauf ab, die klinisch-pathologischen Merkmale von ADTs zu charakterisieren und prognostische Faktoren für das rezidivfreie Überleben (RFS) nach chirurgischer Resektion zu identifizieren.
Es wurden retrospektiv 343 Patienten analysiert, die zwischen Januar 2000 und Januar 2019 in zwei chinesischen Zentren chirurgisch wegen DTs behandelt worden waren. Nach Anwendung der Einschlusskriterien (ADT-Patienten, makroskopisch vollständige Resektion [R0 oder R1], chirurgische Resektion als Ersttherapie) verblieben 113 Patienten. Das Studienprotokoll wurde von der Ethikkommission des National Cancer Center genehmigt; alle Patienten gaben eine informierte Einwilligung.
Die Kohorte war überwiegend weiblich (73,5 %, n = 83) mit einem medianen Alter von 36 Jahren (Spanne: 15–71). Basierend auf der Tumoralokalisation wurden zwei Gruppen unterschieden: Bauchwand (n = 66) und intraabdominal (n = 47). Signifikante Unterschiede zeigten sich zwischen beiden Gruppen: Die Bauchwandgruppe hatte einen höheren Frauenanteil (93,9 % vs. 44,7 %, p < 0,001) und häufiger eine Sectio-Anamnese (34,8 % vs. 6,4 %, p < 0,001). Intraabdominale Tumoren traten hingegen vermehrt bei Patienten ≥35 Jahren auf (91,5 % vs. 63,6 %, p = 0,001), waren größer (>10 cm bei 27,7 % vs. 7,6 %, p = 0,011), adhärierter an Nerven/Gefäßen (42,6 % vs. 13,6 %, p = 0,001) und manifestierten sich häufiger symptomatisch (40,4 % vs. 13,6 %, p = 0,001).
Die chirurgischen Ergebnisse variierten: Bauchwandtumoren benötigten kürzere Operationszeiten (98,7 ± 50,0 vs. 194,5 ± 90,3 Minuten, p < 0,001) und verursachten geringeren Blutverlust (24,1 ± 41,1 ml vs. 136,0 ± 149,4 ml, p < 0,001). Alle Resektionen waren makroskopisch vollständig; perioperative Todesfälle traten nicht auf.
Das mediane Nachbeobachtungsintervall betrug 61 Monate (9–250 Monate). In diesem Zeitraum kam es zu 12 Rezidiven: 2 intraabdominal, 10 an der Bauchwand. Die geschätzten 5- und 10-Jahres-RFS-Raten lagen bei 92,8 % bzw. 89,8 %. Keiner der 12 Rezidivpatienten entwickelte nach erneuter Resektion (± Radiotherapie) weitere Rezidive.
In der univariaten Analyse waren Tumoralokalisation, Größe und Resektionsstatus signifikante RFS-Prädiktoren (p < 0,05). Bauchwandtumoren, Größe >10 cm und R1-Ränder korrelierten mit höheren Rezidivraten. Die multivariate Analyse bestätigte diese Faktoren als unabhängige Prognoseindikatoren: Lokalisation (Hazard Ratio [HR]: 8,407; 95 %-KI: 1,649–42,865; p = 0,010), Tumorgröße (HR: 17,437; 95 %-KI: 3,648–83,346; p < 0,001) und Resektionsstatus (HR: 8,045; 95 %-KI: 2,388–27,099; p = 0,001).
Die Studie unterstreicht distinkte klinisch-pathologische Profile: Bauchwand-DTs betreffen vorwiegend junge Frauen mit Sectio-Historie, während intraabdominale DTs häufiger symptomatisch, größer und anatomisch komplexer sind. Letztere weisen höhere Rezidivraten auf, bedingt durch erschwerte radikale Resektion und Nähe zu kritischen Strukturen.
Zusammenfassend zeigen ADTs lokalisationsabhängig unterschiedliche Charakteristika. Bauchwand-DTs haben eine bessere Prognose, intraabdominale DTs sind aufgrund von Größe, Adhärenzen und Rezidivneigung herausfordernder. Eine R0-Resektion und Tumorgröße <5 cm sind entscheidend für optimale RFS-Raten. Diese Erkenntnisse betonen die Notwendigkeit individueller chirurgischer Strategien und intensiver Nachsorge.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001333