Klinische Charakteristika und genetische Mutationen bei 10 chinesischen Kindern mit zystischer Fibrose oder CFTR-assoziierten Erkrankungen
Die zystische Fibrose (CF) ist eine autosomal-rezessive Erkrankung, die durch Mutationen im CFTR-Gen (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) verursacht wird. Bislang wurden über 2000 CFTR-Mutationen identifiziert. CF betrifft vorwiegend die kaukasische Bevölkerung mit einer Inzidenz von 1:25.000 bis 1:1.800. In China ist die Prävalenz von CF deutlich geringer, und die Diagnose bleibt häufig untererkannt. Diese Studie untersuchte die genetischen Mutationen und klinischen Merkmale chinesischer Kinder mit CF oder CFTR-assoziierten Erkrankungen (CFTR-RD) sowie deren Korrelationen.
Methoden
Die klinischen Daten von 10 Kindern, die zwischen Juni 2015 und August 2021 im Kinderkrankenhaus des Capital Institute of Pediatrics in Peking diagnostiziert wurden, wurden retrospektiv analysiert. Die Diagnosekriterien für CF umfassten Schweißchloridwerte ≥60 mmol/L oder intermediäre Werte (30–59 mmol/L) bei Nachweis von CFTR-Mutationen oder physiologisch bestätigter CFTR-Dysfunktion. Blutproben der Kinder und ihrer Eltern wurden mittels Hochdurchsatzsequenzierung und Sanger-Sequenzierung analysiert. Die Pathogenität der Varianten wurde gemäß den ACMG-Richtlinien (2015) klassifiziert.
Ergebnisse
Von den 10 Kindern hatten neun CF und eines CFTR-RD. Das Manifestationsalter reichte von 29 Tagen bis 10 Jahre (Median: 4 Monate), das Diagnosealter von 10 Monaten bis 12,5 Jahre (Median: 6,2 Jahre). Acht Patienten zeigten rezidivierenden Husten, Giemen und pulmonale Infektionen. Zwei Kinder präsentierten Hyponatriämie, Hypochlorämie und Hypokaliämie. Drei Fälle wiesen eine allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) auf, vier Steatorrhoe. Zwei Patienten entwickelten Darmobstruktion, Leberzirrhose, Diabetes oder Pankreatitis.
Der durchschnittliche Schweißchloridwert bei CF-Patienten lag über 60 mmol/L, bei CFTR-RD bei 28 mmol/L. Pseudomonas aeruginosa war der häufigste Infektionserreger. Pulmonal zeigten sieben von neun Kindern eine obstruktive Ventilationsstörung. Bronchiektasen mit „Tree-in-Bud“- oder „Signet-Ring“-Zeichen traten bei acht Patienten auf.
Genetische Befunde
Es wurden 16 Mutationen identifiziert, darunter homozygote Varianten wie p.Phe508del (rezidivierende Infektionen und Steatorrhoe) und p.Y325X (selten berichtet, assoziiert mit Darmobstruktion). Neun neuartige Mutationen wurden entdeckt. Die p.G970D-Mutation, häufig in chinesischen CF-Patienten, fehlt bei Kaukasiern. Zwei Fälle mit pseudo-Bartter-Syndrom (CF-PBS) wiesen p.G970D auf.
Therapie und Verlauf
Zwei Kinder erhielten eine Lungentransplantation (Überlebensrate: 60–70 % nach 5 Jahren). Ein Patient verstarb an rezidivierender Darmobstruktion. Therapien umfassten Pankreasenzyme, Insulin bei CF-Diabetes und Kortikosteroide bei ABPA.
Diskussion
Die Diagnose von CF erfolgt in China mit deutlicher Verzögerung (Median: 8,7 Jahre vs. 0,5 Monate in Europa). Die heterogenen CFTR-Mutationen in China unterstreichen die Notwendigkeit von Schweißchloridtests und genetischer Analyse zur individuellen Diagnostik. CFTR-RD-Patienten zeigen milder Symptome und bessere Prognose.
Schlussfolgerung
Die Studie erweitert das Wissen über CFTR-Mutationen in China und betont die Bedeutung frühzeitiger Diagnostik. Die Integration klinischer und genetischer Daten ist entscheidend für die optimale Versorgung betroffener Kinder.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002834