Klinische Praxisleitlinien zur Brustrekonstruktion nach Mastektomie: Leitlinien der Chinesischen Gesellschaft für Brustchirurgie (CSBrS) 2021
Brustkrebs ist die häufigste Malignität bei chinesischen Frauen, und die Inzidenz steigt weiter an. Durch Fortschritte im Screening und in der Früherkennung hat sich die Lebensqualität vieler Patientinnen verbessert. Dennoch benötigt ein erheblicher Anteil der Brustkrebspatientinnen eine Mastektomie, was die Bedeutung der postmastiektomischen Brustrekonstruktion unterstreicht. Um die Praxis der Brustrekonstruktion in China zu standardisieren, entwickelte die Chinesische Gesellschaft für Brustchirurgie (CSBrS) die klinischen Praxisleitlinien zur Brustrekonstruktion nach Mastektomie (2021). Diese Leitlinien basieren auf systematischen Literaturreviews, Expertenkonsensen und dem GRADE-System (Grading of Recommendations Assessment, Development, and Evaluation), angepasst an den klinischen Kontext Chinas.
Indikationen zur Brustrekonstruktion
Eine Brustrekonstruktion wird für Brustkrebspatientinnen empfohlen, die nach Mastektomie den Wunsch nach Wiederherstellung der Brustkontur haben. Alle Patientinnen sollen über die Möglichkeit der Rekonstruktion informiert werden. Diese Empfehlung entspricht den Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN), die die patientenseitige Entscheidungsfreiheit betonen. Der Evidenzgrad dieser Empfehlung ist II, die Empfehlungsstärke A.
Kontraindikationen zur Brustrekonstruktion
Absolute Kontraindikationen umfassen inflammatorischen Brustkrebs aufgrund des aggressiven Krankheitsverlaufs und hoher Komplikationsrisiken. Relative Kontraindikationen sind Rauchen und Adipositas, die mit erhöhten Risiken für Infektionen, Wundheilungsstörungen und Implantatversagen assoziiert sind. Evidenzgrad: II; Empfehlungsstärke: A.
Zeitpunkt der Rekonstruktion
Die Rekonstruktion kann unmittelbar (während der Mastektomie), verzögert (mindestens ein Jahr postoperativ oder sechs Monate nach Radiotherapie) oder verzögert-unmittelbar (mit temporärem Gewebeexpander) erfolgen. Die unmittelbare Rekonstruktion ermöglicht bessere ästhetische Ergebnisse durch Erhalt der Brusthaut. Die verzögerte Rekonstruktion erlaubt die Komplettierung adjuvanter Therapien. Evidenzgrad: II; Empfehlungsstärke: A.
Autologe Brustrekonstruktion
Hierbei wird Eigengewebe verwendet, z. B. mittels TRAM-Lappen (Transversus-rectus-abdominis-myokutaner Lappen), DIEP-Lappen (Deep-inferior-epigastric-perforator-Lappen) oder Latissimus-dorsi-Lappen (LDL). Der DIEP-Lappen minimiert die Morbidität der Entnahmestelle durch Muskelerhalt. Der LDL wird oft mit Prothesen kombiniert, um das Volumen zu optimieren. Evidenzgrad: II; Empfehlungsstärke: A.
Prothetische Brustrekonstruktion
Dies umfasst ein- oder zweizeitige Verfahren mit direkter Implantatinsertion oder Gewebeexpandern. Die zweizeitige Rekonstruktion ermöglicht Volumenanpassungen. Evidenzgrad: II; Empfehlungsstärke: A.
Kombinierte autologe und prothetische Rekonstruktion
Bei unzureichendem Eigengewebe wird eine Kombination aus autologem Lappen und Implantat eingesetzt, z. B. LDL mit Prothese. Evidenzgrad: II; Empfehlungsstärke: A.
Deckmaterialien in der Rekonstruktion
Kritisch für ästhetische Ergebnisse sind Stärke und Dicke der Prothesenabdeckung. Häufig verwendet werden azelluläre dermale Matrizes (ADM) und titanbeschichtetes Polypropylennetz (TCPM). ADM fördert die Geweberegeneration, TCPM bietet hohe Stabilität. Evidenzgrad: II; Empfehlungsstärke: A.
Diskussion und klinische Implikationen
Die Brustrekonstruktion verbessert die Lebensqualität signifikant. Unmittelbare Rekonstruktionen bieten psychologische Vorteile, verzögerte Verfahren sind bei notwendiger Radiotherapie vorzuziehen. Die Methodenwahl muss individuell unter Berücksichtigung von Risikofaktoren wie Rauchen oder Adipositas erfolgen. Moderne Materialien wie ADM und TCPM erhöhen die Sicherheit prothetischer Verfahren.
Fazit
Die CSBrS-Leitlinien 2021 bieten einen evidenzbasierten Rahmen zur Standardisierung der Brustrekonstruktion in China. Durch klare Empfehlungen zu Indikationen, Techniken und perioperativem Management sollen die Patientenversorgung und die Verbreitung rekonstruktiver Verfahren gefördert werden.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001611