Klinische Praxisleitlinien zur präoperativen Evaluation von Mammakarzinomen: Praxisleitlinien der Chinesischen Gesellschaft für Mammachirurgie 2021

Klinische Praxisleitlinien zur präoperativen Evaluation von Mammakarzinomen: Praxisleitlinien der Chinesischen Gesellschaft für Mammachirurgie 2021

Mammakarzinome stellen weiterhin die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in China dar, weshalb deren Management einen zentralen Stellenwert in der Gesundheitsversorgung einnimmt. Die Chirurgie bleibt seit Einführung der radikalen Mastektomie durch Halsted die Grundlage der Behandlung. Der Erfolg chirurgischer Eingriffe hängt jedoch maßgeblich von einer standardisierten präoperativen Evaluation ab, die potenzielle Risikofaktoren für Komplikationen, verzögte Genesung oder den Krankheitsverlauf identifiziert. Die Chinesische Gesellschaft für Mammachirurgie (CSBrS) entwickelte daher die Klinischen Praxisleitlinien zur präoperativen Evaluation von Mammakarzinomen (2021). Diese Leitlinien basieren auf einer systematischen Literaturrecherche, Expertenkonsensen und Evidenzbewertungen unter Berücksichtigung nationaler Gegebenheiten Chinas.

Evidenzgrad und Empfehlungsstärke

Die Leitlinien nutzen das GRADE-System (Grading of Recommendations Assessment, Development, and Evaluation) zur Klassifizierung der Evidenzqualität und Empfehlungsstärke. Die Empfehlungen werden in Stufe I (starke Evidenz) oder II (moderate Evidenz) unterteilt, ergänzt durch Empfehlungsgrade A (starke Empfehlung) oder B (moderate Empfehlung). Ein Gremium aus 84 Mitgliedern, darunter Chirurgen, Onkologen, Radiologen und Epidemiologen, validierte die Leitlinien durch Diskussionen und Abstimmungen.

Zielgruppe

Die Leitlinien richten sich primär an chinesische Fachärzte für Mammachirurgie. Sie dienen als Referenzrahmen für die präoperative Evaluation, sind jedoch nicht für rechtliche oder patientenseitige Zwecke vorgesehen.

Empfehlungen

Die Leitlinien umfassen drei Hauptkategorien: Allgemeine Evaluation, Anästhesiebezogene Evaluation und Tumorbezogene Evaluation.

Empfehlung 1: Allgemeine Evaluation

  1. Vitalparameter: Kontrolle von Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung (Evidenzgrad I, Empfehlung A).
  2. Laborparameter: Routinelaboruntersuchungen inklusive Blutbild, Gerinnung und Elektrolyte (Evidenzgrad I, A).
  3. Klinische Untersuchung: Erfassung von Komorbiditäten wie Hypertonie, Diabetes oder Adipositas (Evidenzgrad I, A).
  4. Blutdruckmanagement: Optimierung bei Hypertonie präoperativ (Evidenzgrad I, A).
  5. Glukosemanagement: Stabilisierung des Glukosespiegels bei Diabetes (Evidenzgrad I, A).
  6. Spezifische Risikofaktoren: Evaluation kardiovaskulärer, pulmonaler, hepatischer oder renaler Erkrankungen (Evidenzgrad I, A).

Empfehlung 2: Anästhesiebezogene Evaluation

  1. Medikamentenabklärung: Überprüfung anästhesierelevanter Interaktionen (Evidenzgrad I, A).
  2. Atemwegsassessment: Identifikation anatomischer Risiken (Evidenzgrad I, A).
  3. Anästhesiesicherheit: Gesamtbewertung der Anästhesietauglichkeit (Evidenzgrad I, A).

Empfehlung 3: Tumorbezogene Evaluation

  1. Primärtumor:

    • Brustultraschall: Initiale Beurteilung von Größe und Lage (Evidenzgrad I, A).
    • Mammografie: Detektion von Mikrokalzifikationen (Evidenzgrad I, A).
    • Brust-MRT: Indikation bei unklaren Befunden, multifokalen Tumoren oder okkulten Läsionen (Evidenzgrad II, A).
  2. Rezeptorstatus: Bestimmung von ER, PR und HER2 (Evidenzgrad I, A).

  3. Lymphknoten:

    • Feinnadelbiopsie: Bei suspekten axillären Lymphknoten (Evidenzgrad I, A).
  4. Fernmetastasen:

    • Knochenszintigrafie: Bei Knochenschmerzen oder erhöhter alkalischer Phosphatase (Evidenzgrad II, A).
    • Thorax-CT: Bei pulmonaler Symptomatik (Evidenzgrad II, A).
    • Abdomen-/Beckenscan: Bei hepatischen Auffälligkeiten (Evidenzgrad II, A).
    • PET/CT: Bei unklaren Metastasen oder lokal fortgeschrittenen Tumoren (Evidenzgrad II, B).
  5. Zusatzevaluationen:

    • Genetische Beratung: Bei Hereditärem Risiko (Evidenzgrad II, A).
    • Schwangerschaftstest: Für gebärfähige Frauen (Evidenzgrad II, A).
    • Psychosoziale Evaluation: Erfassung psychischer Belastung (Evidenzgrad II, A).
  6. Neoadjuvante Therapie:

    • Tumormarkierung: Vor Therapiebeginn (Evidenzgrad II, A).
    • Bildgebungsmonitoring: Alle zwei Zyklen (Evidenzgrad II, A).

Diskussion

Die präoperative Evaluation ist entscheidend für die chirurgische Erfolgsrate, insbesondere bei älteren oder multimorbiden Patientinnen. Die CSBrS betont die Bedeutung bildgebender Verfahren wie MRT zur Detektion multifokaler Läsionen oder okkulter Tumoren. Die TNM-Klassifikation (8. Auflage AJCC) dient als Basis für das Staging. Limitationen der MRT, wie die eingeschränkte Darstellung von Mikrokalzifikationen, erfordern eine kombinierte Diagnostik.

Fazit

Die Leitlinien bieten einen standardisierten Rahmen zur Risikominimierung und Therapieoptimierung. Durch Integration aktueller Evidenz und klinischer Expertise tragen sie zur Verbesserung der onkologischen und patientenbezogenen Outcomes bei.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001520

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