Konsensus der Chinesischen Medizinischen Gesellschaft zur Standardisierten Diagnose und Behandlung von Neuroendokrinen Neoplasien des Pankreas

Konsensus der Chinesischen Medizinischen Gesellschaft zur Standardisierten Diagnose und Behandlung von Neuroendokrinen Neoplasien des Pankreas

Neuroendokrine Neoplasien des Pankreas (pNEN) sind seltene, hochheterogene Tumoren, die aus pluripotenten Stammzellen mit neuroendokriner Differenzierung im Pankreas entstehen und etwa 3 % aller Pankreastumoren ausmachen. Die globale Inzidenz von pNEN ist in letzter Zeit gestiegen, wobei die meisten Fälle sporadisch auftreten und bei Frauen häufiger vorkommen. Klinisch werden pNEN in funktionelle und nicht-funktionelle Tumoren unterteilt, abhängig davon, ob sie mit einem klinischen Syndrom infolge einer Überproduktion spezifischer Hormone einhergehen. Funktionelle Tumoren werden meist früh während der Evaluierung endokriner Syndrome diagnostiziert, während nicht-funktionelle pNEN oft zufällig durch bildgebende Verfahren oder Endoskopien entdeckt werden, die aufgrund lokaler Raumforderung oder Metastasen-bedingter Symptome durchgeführt werden.

Ätiologie
Die Ätiologie von pNEN ist teilweise bekannt und kann mit genetischen Mutationen (z. B. DAXX, ATRX), Krebsfamilienanamnese, Rauchen, Alkoholkonsum und anderen Risikofaktoren assoziiert sein. Hereditäre Syndrome wie MEN1, von-Hippel-Lindau-Syndrom, Neurofibromatose Typ 1 und Tuberöse Sklerose erhöhen das Risiko für pNEN.

Diagnostik
Klinische Manifestationen
Funktionelle Tumoren (34 % der pNEN) umfassen Insulinome, Glukagonome, Gastrinome, VIPome und ACTH-produzierende Tumoren. Nicht-funktionelle Tumoren (66 %) verursachen unspezifische Symptome wie Schmerzen, Ikterus oder gastrointestinale Blutungen.

Laboruntersuchungen

  • Blutbiomarker: Chromogranin A (CgA), neuronenspezifische Enolase (NSE) und Procalcitonin sind prognostisch relevant. Hormonspezifische Tests (z. B. Insulin, Gastrin, VIP) bestätigen funktionelle Tumoren.
  • Funktionelle pNEN:
    • Insulinom: Hypoglykämie (<3 mmol/L), Insulin ≥3,0 mIU/mL, C-Peptid ≥0,6 ng/mL.
    • Gastrinom: Serumgastrin >1000 ng/L, Sekretin-Stimulationstest.
    • VIPom: Serum-VIP >200 pg/mL.
    • ACTH-Syndrom: 24-h-UFC, Dexamethason-Hemmtest.

Bildgebung

  • Somatostatinrezeptor-Bildgebung (SRI): Hohe Sensitivität (85 %) für G1/G2-NET.
  • CT/MRI/PET-CT: Lokalisation und Ausbreitungsdiagnostik.

Pathologie
Die WHO-Klassifikation (2019) unterteilt pNEN in gut differenzierte NET (G1–G3), schlecht differenzierte NEC und Mischformen (MiNEN). Die Gradierung erfolgt durch Mitosezahl und Ki-67-Index. G3-NET zeigen bessere Prognose als NEC.

Stadieneinteilung
Die TNM-Stadien orientieren sich an der AJCC-8.-Edition (2017).

Therapie
Chirurgie

  • Resektable Tumoren: R0-Resektion als kurativer Ansatz. Minimal-invasive Verfahren (laparoskopisch/robotergestützt) sind bei vergleichbarer Prognose bevorzugt.
  • Metastasen: Zytoreduktive Chirurgie (>90 % Tumorlast) verbessert die Prognose.

Systemische Therapie

  • Zielgerichtete Therapien: Everolimus, Sunitinib.
  • Chemotherapie: Streptozotocin-basierte Regime oder Platin/Etoposid bei NEC.
  • Somatostatinanaloga: Symptomkontrolle bei funktionellen Tumoren.

Lokoregionäre Therapien

  • Radiotherapie: Adjuvante oder palliative Option.
  • Interventionelle Verfahren: TACE, Radioembolisation oder Ablation bei Lebermetastasen.

Follow-up
Regelmäßige Nachsorge mit Biomarkern (CgA, NSE), Bildgebung (CT/MRI/SRI) und hormoneller Überwachung ist entscheidend.

Ausblick
Neue Technologien wie Flüssigbiopsien (NETest), verbesserte Radionuklide (64Cu-DOTATATE) und Immuntherapien werden zukünftig die Diagnostik und Behandlung prägen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002848

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