Management von Infertilität und Langzeitnachsorge bei Frauen mit FSH-sezernierendem Hypophysenadenom

Management von Infertilität und Langzeitnachsorge bei Frauen mit FSH-sezernierendem Hypophysenadenom

FSH-sezernierende Adenome (FSHome) stellen eine seltene Untergruppe der Gonadotropinadenome dar. Bei Frauen im reproduktiven Alter manifestiert sich die Erkrankung durch vergrößerte Ovarien mit multiplen Zysten, normal bis erhöhte Estradiolspiegel, erhöhte FSH-Werte, supprimierte LH-Spiegel, Zyklusstörungen, Infertilität und ovarielle Überstimulation. Das Tumorgewebe zeigt stets Immunpositivität für FSH, gelegentlich auch für LH und Prolaktin (PRL). Betroffene suchen häufig aufgrund von Infertilität oder unregelmäßiger Menstruation reproduktionsmedizinische Zentren auf. Sonografisch zeigen sich polyzystisch vergrößerte Ovarien. Bei einigen Patientinnen werden Ovarialzystektomien durchgeführt, um Malignome auszuschließen, was jedoch die ovarielle Reserve weiter reduziert. Die transsphenoidale Hypophysenoperation stellt eine zentrale Therapieoption dar.

In dieser klinischen Beobachtungsstudie wurden fünf FSHom-Patientinnen analysiert, die zwischen 2007 und 2018 im reproduktionsmedizinischen Zentrum des Peking University Third Hospital behandelt wurden. Die Studie wurde durch die Ethikkommission der Klinik genehmigt; auf eine Einwilligungserklärung wurde verzichtet. Die Patientinnen erhielten individuelle Therapieprotokolle, darunter in-vitro-Maturation (IVM), Ultralangprotokolle und natürliche Zyklusüberwachung.

Fall 1
Eine 31-jährige Patientin wurde vor 12 Jahren bei Infertilität und unregelmäßigen Blutungen vorgestellt. Wiederholte Ultraschalluntersuchungen zeigten eine Ovarialzyste. Nach laparoskopischer Zystektomie des linken Ovars ergab die Histologie einen benignen Follikelzysten. Die Hormonwerte betrugen: PRL 24,4 ng/mL; FSH 9,86 mIU/mL; LH <0,6 mIU/mL; E2 <73 pmol/L; T 1,42 nmol/L; A 6,3 nmol/L. Die MRT zeigte ein 14 mm × 22 mm × 20 mm großes Hypophysenadenom. Die transsphenoidale Resektion führte zur Normalisierung der Hormonwerte innerhalb von zwei Monaten. Die Ovarfunktion erholte sich, und nach sieben ovulatorischen Zyklen erfolgte eine Spontankonzeption mit termingerechter Entbindung. In der 12-jährigen Nachsorge zeigte sich kein Rezidiv.

Fall 2
Bei einer 31-jährigen Patientin mit rezidivierenden Ovarialzysten (Zustand nach beidseitiger Ovaroperation) zeigte die MRT ein 4 mm × 5 mm kleines Hypophysenadenom. Unter vier Gaben Triptorelin (3,75 mg/30 Tage) reduzierten sich die Zysten. Trotz kontrollierter ovarieller Stimulation (HMG + IUI) erfolgte die erfolgreiche Schwangerschaft erst nach einem Ultralang-IVF-Protokoll mit Rekombinant-FSH (225 IE). Zwei Embryonen wurden transferiert; die Schwangerschaft verlief komplikationslos. Postpartal persistierten polyzystische Ovarien und rezidivierende Blutungen, die mehrfache Kürettagen erforderten.

Fall 3
Eine 31-jährige Patientin mit Hypophysenadenom in der Anamnese (transsphenoidal reseziert) entwickelte vier Jahre postoperativ erneut polyzystische Ovarien und Zyklusunregelmäßigkeiten. Die Hormonanalytik ergab: PRL 23 mIU/mL; FSH 6,39 mIU/mL; LH 0,1 mIU/mL; E2 1817 pmol/L; AMH 1,06 ng/mL. Unter IVM ohne Stimulation wurden fünf Oozyten gewonnen, davon drei Embryonen. Aufgrund persönlicher Umstände erfolgte bisher kein Embryotransfer. Die Nachsorge zeigt persistierende Ovarvergrößerung und Blutungsstörungen.

Fall 4
Eine 27-jährige Patientin mit rezidivierenden Ovarialzysten (Zustand nach bilateraler Zystektomie) zeigte unter dreimaliger Triptorelin-Gabe (3,75 mg/30 Tage) keine Besserung. Nach Purified-FSH/LH-Stimulation und HCG-Trigger wurden fünf Oozyten aspiriert. Der Transfer zweier Embryonen führte zu einer erfolgreichen Schwangerschaft mit termingerechter Sectio. Intraoperativ erfolgte eine erneute Zystektomie. Postpartal persistieren polyzystische Ovarien und Zyklusirregularitäten.

Fall 5
Eine 30-jährige Patientin mit 22,5 mm × 30,9 mm × 23,2 mm großem, immunpositivem (FSH, TSH, PRL) Hypophysenadenom wurde zweimal transsphenoidal operiert. Bei Rezidivneigung steht aktuell eine assistierte Reproduktion aus.

Diskussion
FSHome induzieren trotz nur moderat erhöhter FSH-Spiegel eine ovarielle Hyperstimulation. Differenzialdiagnostisch müssen PCOS und Ovarialtumoren abgegrenzt werden. Bei PCOS findet sich typischerweise ein erhöhtes LH/FSH-Verhältnis mit Hyperandrogenämie, während FSHome durch supprimiertes LH und unangemessen hohes E2 auffallen. Drei unserer Patientinnen wurden initial fehldiagnostiziert, was zu ovarreduzierenden Eingriffen führte. Die MRT der Hypophyse sollte daher bei unklarer polyzystischer Ovarvergrößerung mit passender Hormonkonstellation erfolgen.

Die vollständige Hypophysenadenomresektion führt zur Symptomremission, während inkomplette Resektionen nur neurologische, nicht jedoch endokrine Symptome bessern. Die assistierte Reproduktion ermöglicht bei persistierender Erkrankung erfolgreiche Schwangerschaften, jedoch besteht ein hohes Rezidivrisiko der Ovarialveränderungen postpartal.

Diese Fallserie unterstreicht die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Reproduktionsmedizin und Neurochirurgie. Die transsphenoidale Operation bleibt die Therapie der ersten Wahl, während individualisierte IVF-Protokolle die Fertilitätsprognose verbessern.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000001059

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