Merkmale, Behandlungsmuster und glykämische Kontrolle bei älteren Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus in China

Merkmale, Behandlungsmuster und glykämische Kontrolle bei älteren Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus in China

Die Prävalenz von Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) bei älteren Erwachsenen (≥60 Jahre) in China übersteigt 20 %, was eine erhebliche gesundheitspolitische Herausforderung darstellt. Im Vergleich zu jüngeren Patienten weisen ältere Diabetiker niedrigere Raten bei der Erreichung einer adäquaten glykämischen Kontrolle (Hämoglobin A1c [HbA1c] <7,0 %) sowie ein erhöhtes Hypoglykämierisiko auf. Trotz dieser Probleme existieren nur begrenzte Daten zu klinischen Merkmalen und behandlungsspezifischen Mustern in dieser Bevölkerungsgruppe. Eine nationale Querschnittsstudie in 18 chinesischen Krankenhäusern (März bis Dezember 2017) untersuchte daher glykämische Ergebnisse, Therapieansätze und Einflussfaktoren für eine unzureichende Blutzuckereinstellung bei älteren T2DM-Patienten.

Studiendesign und Methodik

Die Studie schloss 1.520 Teilnehmer ein (Durchschnittsalter: 67,7 ± 5,9 Jahre; 53,9 % weiblich) mit T2DM-Diagnose nach WHO-Kriterien (1999). Ausschlusskriterien umfassten die Teilnahme an anderen klinischen Studien. Die Ethikkommissionen aller Zentren erteilten Genehmigungen; von allen Teilnehmern lag eine informierte Einwilligung vor. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten mit HbA1c <7 %, sekundäre Endpunkte umfassten Therapiemuster, Hypoglykämieinzidenz und diabetesbedingte Komplikationen. Mittels multivariater logistischer Regression wurden Prädiktoren für eine unzureichende glykämische Kontrolle identifiziert (Ergebnisse als adjustierte Odds Ratios [OR] mit 95 %-Konfidenzintervallen [KI]).

Glykämische Kontrolle

Nur 43,4 % der Teilnehmer erreichten den HbA1c-Zielwert <7 %. Die Erfolgsraten variierten signifikant:

  • Alter: 45,4 % (60–69 Jahre) vs. 40,5 % (70–79 Jahre) vs. 31,9 % (≥80 Jahre).
  • Albuminurie: Zielerreichung bei 48,7 % (keine Albuminurie), 38,0 % (Makroalbuminurie) und 32,1 % (Mikroalbuminurie).
  • Erkrankungsdauer: 53,7 % (≤1 Jahr) vs. 38,4 % (>10 Jahre).

In der multivariaten Analyse waren höheres Alter (OR für ≥80 vs. 60–69 Jahre: 0,60; 95 %-KI: 0,35–1,05), Albuminurie (OR für Mikro- vs. keine Albuminurie: 0,53; 95 %-KI: 0,41–0,68) und längere Diabetesdauer (OR für >10 vs. ≤1 Jahr: 0,57; 95 %-KI: 0,41–0,79) unabhängig mit dem Verfehlen des HbA1c-Ziels assoziiert.

Therapiemuster

Die Antidiabetika wurden wie folgt kategorisiert:

  • Monotherapie mit oralen Antidiabetika (OAD): 16,8 %. Biguanide (8,6 %) dominierten, gefolgt von α-Glukosidasehemmern (3,9 %) und Sulfonylharnstoffen (2,7 %).
  • OAD-Kombinationen: 28,7 % erhielten Dual- oder Triple-Therapien, z. B. Biguanid + Sulfonylharnstoff (6,4 %) oder Biguanid + α-Glukosidasehemmer (4,7 %). Triple-Therapien (Biguanid + α-Glukosidasehemmer + Sulfonylharnstoff: 5,1 %).
  • Insulinbasierte Regime: 28,3 % (Insulin + OAD) vs. 15,5 % (Insulinmonotherapie). Biguanide (6,1 %) und α-Glukosidasehemmer (5,9 %) wurden häufig mit Insulin kombiniert.
  • Neuere Wirkstoffe: DPP-4-Hemmer (4,7 %), SGLT-2-Hemmer (0,3 %) und GLP-1-Rezeptoragonisten (0,1 %) waren selten verordnet.
  • Nicht-pharmakologische Therapie: 10,1 % erhielten ausschließlich Lebensstilinterventionen oder keine Behandlung.

Hypoglykämien und Komplikationen

Hypoglykämien traten bei 28,0 % auf, mit höheren Raten bei:

  • Albuminurie: 30,3 %.
  • Therapieregimen: 15,3 % (OAD-Monotherapie), 20,9 % (OAD-Kombinationen) und 51,7 % (Insulinmonotherapie). Sulfonylharnstoffhaltige Regime (z. B. Biguanid + Sulfonylharnstoff: 25,5 %) waren problematisch.

Makro- und mikrovaskuläre Komplikationen waren häufig:

  • Kardiovaskuläre Erkrankungen: 14,9 %
  • Retinopathie: 14,4 %
  • Neuropathie: 13,6 %
  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen: 11,2 %
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit: 8,8 %
  • Diabetische Nephropathie: 8,6 %

Klinische Implikationen und Limitationen

Die Studie zeigt Defizite im Diabetesmanagement älterer chinesischer Patienten. Trotz internationaler Leitlinien, die individualisierte Ziele und sicherere Therapien empfehlen, bleiben Sulfonylharnstoffe und Insulin – mit hohem Hypoglykämierisiko – dominierend. Neuere Wirkstoffe (SGLT-2-Hemmer, GLP-1-Agonisten) mit kardiovaskulären Vorteilen wurden kaum genutzt, was vermutlich zu den hohen Hypoglykämieraten (28,0 %) und suboptimaler Blutzuckereinstellung beiträgt.

Die Generalisierbarkeit ist durch den Fokus auf tertiäre und sekundäre Krankenhäuser eingeschränkt. Der Querschnittsdesign erlaubt keine kausalen Rückschlüsse.

Fazit

Über die Hälfte der älteren chinesischen T2DM-Patienten erreicht keine adäquate glykämische Kontrolle. Höheres Alter, Albuminurie und lange Erkrankungsdauer sind zentrale Barrieren. Die aktuelle Therapie priorisiert risikoreiche Wirkstoffe, was die Notwendigkeit leitliniengerechter Therapien unterstreicht. Zukünftige Maßnahmen sollten individualisierte Behandlungspläne, intensivierte Albuminurieüberwachung und breiteren Zugang zu neueren Antidiabetika fördern.

doi: 10.1097/CM9.0000000000001674

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