Möglicher Nutzen von hochdosiertem intravenösem Vitamin C bei COVID-19-Pneumonie
Die COVID-19-Pandemie, die von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufen wurde, hat globale Gesundheitssysteme vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Während die meisten Patienten mit COVID-19 leichte bis moderate Symptome zeigen, entwickeln etwa 15 % schwere Pneumonien und 5 % ein akutes Atemnotsyndrom (ARDS), das häufig mechanische Beatmung (MV) oder sogar extrakorporale Membranoxygenierung erfordert. Die Mortalitätsrate bei beatmungspflichtigen COVID-19-Patienten liegt bei bis zu 66 %. Daher müssen wirksame Therapiestrategien zwei Ziele verfolgen: die Verhinderung einer Progression bei milden/moderaten Fällen und die Lebensrettung bei schweren/kritischen Verläufen.
Hochdosiertes intravenöses Vitamin C (HDIVC) wird seit fast einem Jahrzehnt bei kritisch Kranken eingesetzt. Frühere In-vivo-Studien zeigten, dass HDIVC durch Aktivierung des Sirtuin1-Signalwegs inflammatorische Zytokine und oxidative Marker hemmt und so vor Organversagen bei hämorrhagischem Schock schützt. Basierend darauf wurde HDIVC ab dem 2. Februar 2020 am Shanghai Public Health Clinical Center bei COVID-19-Pneumonien angewandt. Die Shanghai COVID-19 Clinical Treatment Expert Group entwickelte ein HDIVC-Protokoll, das an den Schweregrad (mild, moderat, schwer, kritisch) angepasst ist.
Das HDIVC-Protokoll variiert je nach Krankheitsstadium: Milde Fälle benötigen keine HDIVC-Therapie. Bei moderaten, schweren und kritischen Fällen umfasst das Protokoll zwei Komponenten: 1) Standard-HDIVC bei Aufnahme über sieben Tage zur Prophylaxe einer Progression und 2) Rescue-Therapie bei akuter Verschlechterung. Retrospektive Fallserien zeigten, dass HDIVC Entzündungsreaktionen, Immunfunktion und Organleistung verbessert. Zudem sank die Rate moderater Fälle, die schwer verliefen, nach HDIVC-Einführung.
Die Rationale für HDIVC bei COVID-19 basiert auf folgenden Mechanismen: 1) HDIVC eliminiert reaktive Sauerstoffspezies (ROS) und reduziert dadurch ROS-bedingte Entzündungen, Endotheldysfunktion, Koagulopathie, ARDS und Organversagen. Bei COVID-19-induzierter Hypoxämie führen massive mitochondriale ROS über NF-kB-Signalwege zur Zytokinfreisetzung („Zytokinsturm“), der Endothelzellen schädigt und Lungenödeme verursacht. ROS aktivieren zudem Thrombozytenaggregation und Gerinnung, was sich in erhöhten D-Dimer-Spiegeln und verlängerter aPTT äußert. HDIVC reduzierte in RCTs die 28-Tage-Mortalität bei Sepsis-Patienten mit ARDS.
2) HDIVC könnte Lymphopenien verbessern, die mit ARDS-Entwicklung korrelieren. SARS-CoV-2 induziert Lymphopenie durch Hemmung der Hämatopoese, T-Zell-Apoptose und Autoantikörperbildung. Vitamin C ist für T-Zell-Entwicklung und -Proliferation essenziell. Erste Daten zeigen erhöhte CD4+-T-Zell-Zahlen unter HDIVC bei COVID-19.
3) HDIVC stabilisiert die Kreislauffunktion. Als Cofaktor für Katecholamin-, Kortikosteroid- und Vasopressin-Synthese reduziert HDIVC bei septischem Schock den Vasopressorbedarf. Für COVID-19-Patienten mit septischem Schock könnte eine Bolusgabe die hämodynamische Erholung unterstützen.
4) HDIVC korrigiert rasch COVID-19-assoziierte Skorbutzustände. Bei schweren Verläufen sind oft nicht nachweisbare Vitamin-C-Spiegel messbar, die mit Organversagen korrelieren. Intravenöse Gabe hebt Serumspiegel schneller als orale Aufnahme von skorbutischen (10–20 μmol/L) auf normale Werte.
5) HDIVC gilt als sicher: Keine bestätigten Nebenwirkungen wie Oxalat-Nephropathie oder Urolithiasis bei kritisch Kranken. Auch in Studien traten keine relevanten unerwünschten Ereignisse auf.
Zusammenfassend stellt HDIVC eine wirksame und sichere Therapieoption für COVID-19 dar: Zur Progressionsvermeidung bei moderaten und als Rescue-Therapie bei schweren/kritischen Fällen. Hochwertige randomisierte Studien müssen diese Ergebnisse weiter validieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001746