Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio als prognostischer Faktor für postoperative Pneumonie bei Patienten mit aneurysmatischer Subarachnoidalblutung

Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio als prognostischer Faktor für postoperative Pneumonie bei Patienten mit aneurysmatischer Subarachnoidalblutung

Die aneurysmatische Subarachnoidalblutung (aSAH) bleibt ein lebensbedrohlicher Zustand mit hoher Morbidität und Mortalität. Eine der bedeutendsten nicht-neurologischen Komplikationen bei aSAH-Patienten ist die postoperative Pneumonie (POP), die bei bis zu 13–37 % der Patienten nach chirurgischer Behandlung auftreten kann. Trotz umfangreicher Studien und Verbesserungen in der Intensivmedizin bleibt die Vorhersage von POP eine Herausforderung. Diese Studie zielte darauf ab, die Eignung der Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio (NLR) bei Aufnahme als Prädiktor für POP bei aSAH-Patienten zu bewerten.

Einleitung
Die aSAH ist ein schwerwiegender medizinischer Zustand, der häufig durch nicht-neurologische Komplikationen wie POP verschlimmert wird. Das Auftreten von POP kann die Patientenprognose sowohl während des Krankenhausaufenthalts als auch nach der Entlassung erheblich verschlechtern. Obwohl mehrere Risikofaktoren für POP identifiziert wurden – darunter Alter, Schweregrad der aSAH, Beatmung und Herzinsuffizienz – fehlt ein zuverlässiges klinisches Vorhersagemodell. Der Schweregrad der aSAH, bewertet mittels des WFNS-Grads (World Federation of Neurosurgical Societies), korreliert mit POP. Eine frühzeitige Risikostratifizierung könnte jedoch optimierte Behandlungsstrategien ermöglichen.

Die NLR, ein Marker systemischer Entzündung, wurde bereits zur Prognoseabschätzung bei ischämischem Schlaganfall, hämorrhagischem Schlaganfall und Pneumonien untersucht. Der Zusammenhang zwischen NLR und POP nach aSAH wurde jedoch nicht systematisch erforscht. Diese Studie untersuchte diesen Zusammenhang und evaluierte den prädiktiven Wert der NLR.

Methoden
Die Studie wurde gemäß der Deklaration von Helsinki durchgeführt und von der Ethikkommission des Ersten Affiliierten Krankenhauses der Medizinischen Universität Fujian genehmigt. Von allen Patienten oder gesetzlichen Vertretern wurde eine Einwilligung eingeholt.

Studienpopulation
Zwischen Januar 2013 und Juni 2018 wurden aSAH-Patienten der Neurochirurgie prospektiv eingeschlossen. Einschlusskriterien: Bestätigte aSAH durch CTA/DSA, Verfügbarkeit von Aufnahme-Blutwerten, Aufnahme innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn und Aneurysma-Clipping/-Coiling. Ausschlusskriterien: Alter <18 Jahre, präoperative Pneumonie, Steroid-/Immunsuppressiva-Einnahme, neurologische Vorerkrankungen, Autoimmunerkrankungen/Krebs sowie fehlende Einwilligung.

Patientenmanagement
Die Behandlung folgte den Leitlinien der AHA/ASA und der Neurocritical Care Society. Präoperative Antibiotikaprophylaxe erfolgte gemäß lokaler Empfehlungen.

Klinische Variablen
Es wurden demografische Daten, WFNS-Grad, modifizierte Fisher-Skala und Blutparameter (inkl. NLR) erfasst. Die POP-Diagnose erfolgte innerhalb von 30 Tagen postoperativ nach modifizierten CDC-Kriterien.

Statistische Analyse
Analysen erfolgten mit SPSS 17.0 und R. Kontinuierliche Variablen wurden mittels t-Test, kategorische Variablen mittels Chi-Quadrat-/Fisher-Test verglichen. Multivariate Cox-Regression und Kaplan-Meier-Analyse (30-Tage-POP-Rate) wurden durchgeführt. Die Diskriminierungsfähigkeit der NLR wurde mittels ROC-Kurven bewertet.

Ergebnisse
Von 711 Patienten entwickelten 219 (30,8 %) eine POP. Patienten mit POP wiesen signifikant höhere NLR-Werte auf (14,11 ± 8,90 vs. 8,80 ± 5,82; p < 0,001). In der multivariaten Analyse blieb die NLR ein unabhängiger Prädiktor für POP (adjustiert für Alter, WFNS-Grad, endovaskuläre Behandlung und Beatmung). Die Kombination von NLR und WFNS-Grad verbesserte die Vorhersagegenauigkeit (p = 0,011).

Der optimale NLR-Schwellenwert für POP lag bei 10,04 (Sensitivität: 63,5 %; Spezifität: 70,7 %). Patienten mit NLR >10 hatten eine signifikant höhere POP-Inzidenz (40,00 % vs. 24,65 %; p < 0,001).

In der Kaplan-Meier-Analyse zeigten Patienten mit NLR >10 unabhängig vom WFNS-Grad schlechtere 30-Tage-Überlebensraten: Bei WFNS-Grad <3 betrug die Überlebensrate 69,32 % (NLR >10) vs. 85,05 % (NLR ≤10; p < 0,001). Bei WFNS-Grad ≥3 lag die Rate bei 21,30 % (NLR >10) vs. 43,59 % (NLR ≤10; p = 0,014).

Diskussion
Die NLR erwies sich als praktischer Biomarker für POP-Risiko bei aSAH. Pathophysiologisch könnte die NLR sowohl die systemische Entzündungsreaktion nach aSAH als auch den Schweregrad der Grunderkrankung widerspiegeln. Die Kombination mit dem WFNS-Grad ermöglicht eine präzisere Risikostratifizierung.

Einschränkungen
Limitationen umfassen den Beobachtungscharakter, potenzielle Selektionsbias und die monozentrische Datenerhebung. Die hohe POP-Rate (30,8 %) könnte auf inkludierte Verdachtsfälle zurückzuführen sein. Zukünftige Studien sollten NLR-Verläufe über die Zeit analysieren.

Fazit
Die NLR ist ein kostengünstiger und einfach erhebbarer Prädiktor für POP bei aSAH. Die Integration in klinische Risikomodelle könnte frühzeitige Interventionen und bessere Outcomes fördern. Großangelegte multizentrische Studien sind zur Validierung erforderlich.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001304

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