Psychologische Reaktionen und Bewältigungsstrategien von Gesundheitsfachkräften aus der Provinz Shanxi während ihres Einsatzes in Wuhan im Rahmen des COVID-19-Ausbruchs
Die COVID-19-Pandemie stellte Gesundheitssysteme weltweit vor beispiellose Herausforderungen, insbesondere in Wuhan, China, wo der Ausbruch erstmals auftrat. Gesundheitsfachkräfte (HCWs) aus der Provinz Shanxi gehörten zu denen, die freiwillig nach Wuhan reisten, um Notfallmedizin zu leisten. Diese Studie untersuchte die psychologischen Reaktionen dieser HCWs sowie ihre Bewältigungsstrategien während des COVID-19-Ausbruchs. Die Ergebnisse beleuchten die psychischen Belastungen von HCWs in Krisensituationen und bieten wertvolle Erkenntnisse für wirksame Interventionen zur Unterstützung ihres Wohlbefindens.
Studiendesign und Methodik
Die Studie wurde vom 26. Januar bis 20. Februar 2020 durchgeführt, während 500 HCWs aus Shanxi in Wuhan im Einsatz waren. Ein Selbstauskunftsfragebogen wurde verteilt, wobei 456 gültige Antworten gesammelt wurden. Der Fragebogen umfasste vier Abschnitte: demografische Daten, emotionaler Zustand, Quellen emotionaler Belastung und Stressbewältigungsmethoden. Die Depression-Angst-Stress-Skala (DASS) wurde zur Bewertung emotionaler Belastung verwendet, wobei die Scores durch Summierung der Einzelitems und Multiplikation mit zwei für jede Subskala (Depression, Angst, Stress) berechnet wurden. Zusätzliche nicht-skalierte Fragen erfassten emotionale Faktoren und Bewältigungsstrategien.
Demografische Merkmale
Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden betrug 37,1 Jahre (Spanne: 23–59 Jahre). Die Mehrheit (68,0%) gehörte zum Pflegepersonal, was die zentrale Rolle von Pflegekräften während der Pandemie unterstreicht. Die Studie hob die heterogenen Hintergründe der HCWs hervor, einschließlich Bildungsniveau, Familienstand und früherer Erfahrung in Notfallmaßnahmen.
Emotionale Belastung unter HCWs
Angst war die häufigste psychische Belastung (34,6%), gefolgt von Stress (21,5%) und Depression (20,2%). Schlafstörungen betrafen 30,7% der Befragten. Diese Ergebnisse verdeutlichen die erhebliche psychologische Belastung in Hochrisikoumgebungen.
Quellen emotionaler Belastung
Die Belastungsfaktoren wurden in drei Kategorien unterteilt: epidemiebedingte Faktoren, soziale Faktoren und medizinische Versorgungskapazität. Die Hauptbelastungen umfassten:
- Angst vor Ansteckung (79,4%),
- Sorge, dass Schutzausrüstung die Behandlungsqualität beeinträchtigt (57,5%),
- Mangel an persönlicher Schutzausrüstung (54,4%). 49,6% nannten fehlende COVID-19-Behandlungserfahrung als Belastungsfaktor. Kommunikationsschwierigkeiten mit Patienten und Kollegen verschärften die Situation.
Bewältigungsstrategien
Effektive Strategien umfassten:
- Ausreichende Ruhezeiten (86,0%),
- Schlaf (83,3%),
- Kommunikation mit Kollegen aus Shanxi (83,8%),
- Gesellschaftliche Anerkennung (77,2%),
- Fachschulungen (75,4%),
- Musikhören (71,9%). Dies unterstreicht die Bedeutung professioneller und persönlicher Unterstützungssysteme.
Einflussfaktoren auf emotionale Belastung
Eine multiple lineare Regressionsanalyse identifizierte signifikante Zusammenhänge:
- Stress korrelierte mit Berufsgruppe, Ankunftszeit in Wuhan und Kommunikation,
- Angst mit Bildungsniveau, früherer Notfallerfahrung und Schulungen,
- Depression mit Notfallerfahrung, Public-Health-Schulungen und Berufsausbildung. Vorerfahrung und Training reduzierten somit emotionalen Distress.
Unterschiede zwischen Pflegepersonal und Ärzten
Pflegekräfte wiesen höhere Stresslevel als Ärzte auf, ähnlich wie während der SARS-Epidemie. Dies wird auf intensiveren Patientenkontakt zurückgeführt und unterstreicht den Bedarf an gezielter Unterstützung für Pflegekräfte.
Rolle von Schulungen und Erfahrung
HCWs mit Notfallerfahrung berichteten weniger Angst und Depression. Public-Health-Schulungen reduzierten Depressionsscores. Dies betont die Notwendigkeit umfassender Trainingsprogramme für zukünftige Krisen.
Kommunikation und soziale Unterstützung
Effektive Kommunikation mit Kollegen und Experten minderte Belastung. Der Erfahrungsaustausch mit erfahrenem Personal war wirksamer als Gespräche mit Familie oder Freunden, was die Bedeutung fachlicher Netzwerke unterstreicht.
Empfehlungen
Die Studie empfiehlt:
- Intensivierung beruflicher Schulungen,
- Sicherstellung von Ruhezeiten und sozialer Unterstützung,
- Förderung offener Kommunikation,
- Entwicklung psychologischer Präinterventionsprogramme.
Diese Maßnahmen können die psychische Widerstandsfähigkeit von HCWs in Krisen stärken.
Fazit
Die COVID-19-Pandemie verursachte erhebliche psychische Belastungen unter HCWs in Wuhan. Diese Studie liefert Erkenntnisse zu emotionalen Herausforderungen und Bewältigungsmechanismen. Gezielte Interventionen – einschließlich Schulungen, sozialer Unterstützung und psychologischer Vorbereitung – sind entscheidend, um HCWs in zukünftigen Notfällen zu schützen. Durch deren Umsetzung können Gesundheitssysteme die Widerstandsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden stärken.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001201