Retrospektive klinische Studie zu Patientinnen mit schwangerschaftsassoziiertem Mammakarzinom in mehreren Zentren Chinas (CSBrS-008)
Das schwangerschaftsassoziierte Mammakarzinom (PABC) ist eine seltene und komplexe Form von Brustkrebs, die während der Schwangerschaft oder innerhalb eines Jahres nach der Entbindung auftritt. Diese Erkrankung stellt aufgrund ihrer Auswirkungen auf die mütterliche und fetale Gesundheit sowie der komplexen Diagnostik und Therapie eine besondere Herausforderung dar. Mit der zunehmenden gesellschaftlichen Entwicklung und veränderten Reproduktionspolitik in China steigt das durchschnittliche Alter der Frauen bei der ersten Geburt, was voraussichtlich zu einer höheren Inzidenz von PABC führen wird. Diese Studie zielt darauf ab, die Prävalenz, klinisch-pathologischen Merkmale, Therapiestrategien und Outcomes von PABC anhand einer multizentrischen Stichprobe in China umfassend zu analysieren.
Methoden
In dieser retrospektiven Studie wurden Daten von 164 Patientinnen mit PABC aus 27 Krankenhäusern in China zwischen Januar 2016 und Dezember 2018 ausgewertet. Diese Fälle entsprachen 0,30 % aller Brustkrebsdiagnosen im selben Zeitraum. Von diesen Patientinnen wurden 83 während der Schwangerschaft und 81 während der Laktation diagnostiziert. Das mediane Alter betrug 33 Jahre (Spanne: 24–47 Jahre). Die Tumorstadienverteilung war wie folgt: Stadium I: 9,1 % (15/164), Stadium II: 54,9 % (90/164), Stadium III: 24,4 % (40/164) und Stadium IV: 2,4 % (4/164). Bei den molekularen Subtypen zeigten sich: luminal A (9,1 %; 15/164), luminal B (43,3 %; 71/164), HER2-Überexpression (15,2 %; 25/164) und triple-negativer Brustkrebs (TNBC; 18,9 %; 31/164).
Ergebnisse
Bei Patientinnen mit PABC-Diagnose während der Schwangerschaft erhielten 36,1 % (30/83) eine direkte Operation und 20,5 % (17/83) eine Chemotherapie. Insgesamt 31,3 % (26/83) entschieden sich für einen Schwangerschaftsabbruch. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 36 Monate (3–59 Monate). In diesem Zeitraum traten bei 11,0 % (18/164) der Patientinnen Lokalrezidive oder Fernmetastasen auf, und 3,0 % (5/164) verstarben. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass standardisierte chirurgische und chemotherapeutische Interventionen bei PABC sicher und durchführbar sind.
Diskussion
Die Inzidenz von PABC ist mit 0,2–3,8 % aller Brustkrebsfälle zwar gering, jedoch bei Frauen unter 30 Jahren für 10–20 % der Fälle verantwortlich. Die steigende mütterliche Erstgeburtsalter in China könnte zukünftig zu einer höheren PABC-Inzidenz führen. Die Studie unterstreicht die Bedeutung frühzeitiger Diagnostik mittels Ultraschall sowie die Sicherheit von Mammografie unter Strahlenschutz. Die prognostische Bewertung von PABC bleibt kontrovers: Während einige Studien eine schlechtere Prognose im Vergleich zu nicht-schwangerschaftsassoziiertem Brustkrebs angeben, zeigten sich in dieser Analyse nach Berücksichtigung von Alter, Tumorstadium und Hormonrezeptorstatus keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf das krankheitsfreie Überleben (DFS) oder Gesamtüberleben (OS).
Schlussfolgerung
PABC erfordert eine interdisziplinäre Therapieplanung unter Abwägung mütterlicher und fetaler Risiken. Standardisierte Therapieprotokolle, einschließlich Operation und Chemotherapie während der Schwangerschaft, sind machbar und sicher. Frühdiagnostik und weitere Forschung zu pathogenetischen Mechanismen sind entscheidend, um die Outcomes angesichts der prognostizierten Inzidenzsteigerung in China zu verbessern.
Interessenkonflikte
Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001697