Rhinitis als klinisches Symptom eines primären pulmonalen lymphoepitheliomähnlichen Karzinoms: Eine zufällige Entdeckung im Rahmen der COVID-19-Pandemie-Überwachung
Das primäre pulmonale lymphoepitheliomähnliche Karzinom (PPLELC) stellt eine seltene Untergruppe des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) dar und macht nur 0,25 % bis 0,9 % der Fälle in China aus. Diese Malignität ist eng mit einer Epstein-Barr-Virus (EBV)-Infektion verbunden und weist histopathologische Ähnlichkeiten mit dem Nasopharynxkarzinom auf. Die klinische Präsentation von PPLELC überschneidet sich häufig mit typischen Lungenkrebssymptomen wie Husten, Hämoptysen und Thoraxschmerzen. Ein im Rahmen der COVID-19-Pandemie berichteter Fall zeigt jedoch Rhinitis als unerwartete klinische Manifestation von PPLELC, was die Bedeutung von EBV-Monitoring und Bildgebung in Hochrisikopopulationen unterstreicht.
Klinische Präsentation und diagnostischer Weg
Eine 48-jährige Nichtraucherin aus der Provinz Hunan, China, stellte sich während der COVID-19-Pandemie mit einer akuten Exazerbation ihrer chronischen Rhinitis in einem lokalen Krankenhaus vor, darunter Niesen, nasale Kongestion und Rhinorrhoe. Die Rhinitis bestand seit über zwei Jahren mit milden nasalen Sekretionen und intermittierenden schweren Episoden, die sich spontan innerhalb von 5–7 Tagen zurückbildeten. Gemäß den Pandemieprotokollen erfolgten ein Rachenabstrich, eine Thorax-Computertomographie (CT) sowie zusätzliche virale Tests von Nasensekret und Serum aufgrund grippeähnlicher Symptome.
Bemerkenswerterweise wurde EBV sowohl im Nasensekret als auch im Serum nachgewiesen. Die Thorax-CT zeigte eine suspekte Raumforderung im Lingula-Lappen des linken Oberlappens (34 mm × 32 mm). Eine anschließende 2-[(18)F]Fluor-2-desoxy-D-glukose-Positronenemissionstomographie (18F-FDG PET/CT) bestätigte hypermetabolische Aktivität in der Läsion (maximaler standardisierter Uptake-Wert, SUVmax: 23,9 kBq/mL). Auffällig war auch eine erhöhte FDG-Aufnahme in der Nasenhöhle (SUVmax 6,6 kBq/mL), die auf eine chronische virale oder bakterielle Infektion hinwies. Das präoperative Staging klassifizierte den Tumor gemäß der 8. UICC-Klassifikation als T2aN1M0.
Chirurgischer Eingriff und pathologische Befunde
Am 15. Mai 2020 erfolgte eine linksseitige videoassistierte thorakoskopische Chirurgie (VATS) zur Pneumonektomie, nachdem intraoperativ eine Tumorextension über Ober- und Unterlappen hinweg festgestellt wurde. Die histopathologische Analyse bestätigte PPLELC mit undifferenzierten Epithelzellen und dichter lymphozytärer Infiltration. Metastasen fanden sich in Lymphknoten der Gruppe 11, während Gruppen 5, 7, 9 und 10 tumorfrei blieben.
Die immunhistochemische Färbung zeigte Positivität für PanCK, CK5/6, P40, P63, Ki-67 (30 %), EBER (EBV-kodierte kleine RNA) und PD-L1 (80 %), bei Negativität für TTF-1, CK7 und CD56. Diese Befunde entsprechen den PPLELC-Diagnosekriterien: (1) histologische Ähnlichkeit zum Nasopharynxkarzinom und (2) EBV-Nachweis im Tumorgewebe.
Genetisches Profiling und therapeutische Implikationen
Postoperatives genetisches Screening des Tumorgewebes umfasste 20 onkogene Targets, darunter EGFR (Exone 18/19/20/21/T790), FGFR2/3, ROS1, RET, PIK3CA (Exone 10/12), ALK, KRAS (Kodone 12/13/61/146), NRAS (Kodone 12/13/61), KIT (Exone 9/11), BRCA1/2 und ERBB2 (Exon 20/Kopienzahlamplifikation). Es wurden keine Mutationen oder Amplifikationen detektiert, was das distinkte molekulare Profil von PPLELC im Vergleich zu konventionellen NSCLC-Subtypen unterstreicht.
EBV-Rolle bei PPLELC und Nasopharynxkarzinom
Der Fall verdeutlicht das onkogene Potenzial von EBV in epithelialen Malignomen. Persistierende EBV-Infektionen sind ein etablierter Risikofaktor für Nasopharynxkarzinome, wobei virale Proteine wie LMP1 über NF-κB-Signalwege die Karzinogenese antreiben. PPLELC zeigt analog eine EBV-getriebene Pathogenese, erkennbar an EBER-Positivität. Die gleichzeitige EBV-assoziierte Rhinitis und PPLELC deuten auf einen systemischen EBV-Einfluss hin, der chronische Naseninfektionen mit pulmonalen Malignomen verbinden könnte.
Pandemiebedingte diagnostische Serendipität
Die zufällige PPLELC-Entdeckung während COVID-19-Screenings unterstreicht unerwartete Vorteile pandemiebedingter Bildgebungsroutinen. Thorax-CTs, ursprünglich zur Detektion von SARS-CoV-2-Pneumonien eingesetzt, ermöglichten die Früherkennung bei asymptomatischen Patienten. Die Autoren befürworten die Integration von EBV-Monitoring und regelmäßiger Bildgebung bei chronischer Rhinitis, insbesondere bei EBV-Persistenz.
Klinische Empfehlungen und zukünftige Richtungen
- EBV-Überwachung: Regelmäßige Serum- und Nasensekrettests bei EBV-assoziierter Rhinitis.
- Bildgebungsprotokolle: Jährliche Thorax-CTs für Hochrisikopatienten trotz fehlender respiratorischer Symptome.
- Differenzialdiagnose: Abgrenzung von PPLELC gegenüber Nasopharynxkarzinommetastasen erforderlich.
- Therapeutische Strategien: Chirurgische Resektion bleibt Therapiecornerstone; PD-L1-gerichtete Immuntherapie bei fortgeschrittenen Fällen.
Fazit
Dieser Fall zeigt Rhinitis als potenzielles Leitsymptom von PPLELC bei EBV-infizierten Patienten. Pandemiebedingte Bildgebung ermöglichte serendipitäre Früherkennung und unterstreicht den Wert proaktiver Überwachung. Zukünftige Forschung sollte EBV-Effekte auf epitheliale Gewebe systemisch untersuchen und Protokolle für virales Monitoring optimieren.