Sicherheit elektiver Hepatektomien am Wochenende bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom
Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) zählt weltweit zu den häufigsten malignen Erkrankungen, mit jährlich steigender Inzidenz. Laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) wurden im Jahr 2020 über 630.000 HCC-Neudiagnosen gestellt, wobei mehr als die Hälfte der Fälle in China auftraten. Die zunehmende Patientenzahl belastet Gesundheitssysteme erheblich, führt zu längeren Wartezeiten für Operationen und erfordert neue Versorgungsmodelle, wie elektive Eingriffe am Wochenende. Die Sicherheit solcher Wochenendoperationen bleibt jedoch umstritten, insbesondere aufgrund des „Wochenend-Effekts“ („weekend effect“), der mit erhöhten Komplikations- und Mortalitätsraten assoziiert wird.
Frühere Studien, beispielsweise von Glance et al., berichteten für moderate bis hochriskante Wochenendoperationen in den USA eine signifikant höhere Mortalität im Vergleich zu Wochentagseingriffen. Diese Arbeiten weisen jedoch Limitationen auf: Heterogene Einschlusskriterien, Fokussierung auf Notfalloperationen und unklare Langzeitprognosen. Die vorliegende Studie untersucht daher die Sicherheit elektiver Wochenend-Hepatektomien bei HCC-Patienten anhand eines großen Kollektivs eines Hochvolumenzentrums.
Studiendesign und Patientenauswahl
Eingeschlossen wurden HCC-Patienten, die zwischen Mai 2014 und Juli 2019 an der West China Hospital of Sichuan University eine elektive Hepatektomie erhielten. Samstagsoperationen erfolgten routinemäßig nach individueller Indikationsstellung durch die Chirurgen. Von 1.646 initialen Fällen wurden nach Propensity-Score-Matching (PSM) 207 Wochenend- mit 207 Wochentagsoperationen verglichen. Ausschlusskriterien umfassten inkomplette Daten, HCC-Ruptur, zusätzliche Resektionen oder positive Resektionsränder.
Demografische und chirurgische Charakteristika
Präoperativ zeigte die Wochenendgruppe häufiger Hypertonie (20,77 % vs. 15,29 %, p = 0,044), während die Wochentagsgruppe höhere MELD-Scores aufwies (6,73 vs. 6,51, p = 0,014). Mehr Wochenendpatienten erfüllten die Milan-Kriterien (53,62 % vs. 46,00 %, p = 0,040). Intraoperativ bevorzugten Chirurgen morgendliche Wochenendeingriffe (61,35 % vs. 48,78 %, p = 0,001). Pathologisch fanden sich in der Wochenendgruppe breitere Resektionsränder (>10 mm: 53,00 % vs. 39,75 %, p = 0,002), weniger Multifokalität (11,58 % vs. 17,03 %, p = 0,048) und seltener Satellitenläsionen (3,86 % vs. 9,10 %, p = 0,011).
Kurzzeitige Ergebnisse nach PSM
Keine signifikanten Unterschiede bestanden in:
- Krankenhausverweildauer (Median 10 vs. 10 Tage, p = 0,170)
- 90-Tage-Mortalität (3,38 % vs. 5,79 %, p = 0,240)
- Schweren Komplikationen (Clavien-Dindo ≥3: 4,83 % vs. 6,82 %, p = 0,520)
- Comprehensive Complication Index (CCI: 8,70 vs. 8,70, p = 0,123)
Lediglich Übelkeit/Erbrechen (2,42 % vs. 3,86 %, p = 0,005) und Pneumonien (0,00 % vs. 1,93 %, p = 0,044) traten in der Wochentagsgruppe häufiger auf.
Langzeitprognose
Nach median 34,2 Monaten Follow-up zeigte sich vor PSM eine bessere 5-Jahres-Überlebensrate (OS) in der Wochentagsgruppe (61,99 % vs. 52,66 %, p = 0,024), jedoch kein Unterschied im rezidivfreien Überleben (RFS: 55,40 % vs. 59,22 %, p = 0,240). Post-PSM nivellierten sich die OS- (57,00 % vs. 52,66 %, p = 0,610) und RFS-Raten (53,96 % vs. 59,22 %, p = 0,450). In der Cox-Regression war der OP-Zeitpunkt kein unabhängiger Prognosefaktor.
Diskussion
Die Ergebnisse widerlegen den „Wochenend-Effekt“ für elektive Hepatektomien. Entscheidend sind hierbei:
- Strenge Patientenselektion: Wochenendpatienten wiesen günstigere Tumorcharakteristika (mehr Milan-Kriterien, weniger Multifokalität) auf.
- Institutionelle Strukturen: Gleichbleibende Personalbesetzung, uneingeschränkte Diagnostik und ein flexibles Arbeitszeitmodell sicherten die Versorgungsqualität.
- Chirurgische Expertise: Erfahrene Teams führten komplexe Resektionen bevorzugt unter Wochentagsbedingungen durch.
Limitationen umfassen den retrospektiven Charakter und fehlende Daten zur Workload der Chirurgen. Dennoch unterstreicht die Studie, dass elektive Wochenend-Hepatektomien bei adäquater Infrastruktur eine sichere Option zur Reduktion von Wartelisten darstellen – insbesondere vor dem Hintergrund pandemiebedingter OP-Engpässe und steigender HCC-Inzidenz.
Fazit
Elektive Hepatektomien am Wochenende zeigen bei HCC-Patienten vergleichbare Sicherheitsprofile und Langzeitergebnisse wie Wochentagsoperationen. Voraussetzung sind standardisierte Prozesse, erfahrene Teams und sorgfältige Indikationsstellung.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001722