Unterschiede in der Anatomie der Arteria mesenterica superior bei russischen und chinesischen Patienten mit rechtsseitigem Kolonkarzinom: Eine computertomographische Studie
Die chirurgische Behandlung des rechtsseitigen Kolonkarzinoms steht im Fokus aktueller Forschung, insbesondere im Hinblick auf die erweiterte Lymphknotendissektion während der rechtsseitigen Hemikolektomie. Eine zentrale Debatte betrifft die Entfernung von Lymphknoten dorsal der Vena mesenterica superior (SMV) und der Arteria mesenterica superior (SMA). Die Anatomie der SMA mit ihren Ästen – einschließlich der Arteria ileocolica (ICA), Arteria colica media (MCA) und Arteria colica dextra (RCA) – ist entscheidend für die Machbarkeit und Sicherheit der D3-Lymphknotendissektion. Die Lagebeziehung dieser Gefäße zur SMV beeinflusst die technische Komplexität des Eingriffs erheblich.
Diese Studie verglich die Häufigkeit der SMA-Äste und ihre Position relativ zur SMV bei russischen und chinesischen Patienten mit rechtsseitigem Kolonkarzinom. Die Ergebnisse zeigen signifikante ethnische Unterschiede in der Gefäßanatomie, die sich auf das chirurgische Vorgehen auswirken könnten.
Hintergrund und Rationale
Die SMA gibt typischerweise drei kolische Äste ab: ICA, MCA und RCA. Die RCA ist jedoch nicht immer vorhanden und wurde in etwa 60 % der Fälle beschrieben. Die Lage dieser Äste relativ zur SMV ist für die D3-Lymphknotendissektion entscheidend. Dorsal der SMV gelegene Äste erschweren den Zugang zu ihren Ursprüngen und erhöhen das technische Risiko.
Die Computertomographie (CT) ermöglicht eine detaillierte präoperative Darstellung der Gefäßanatomie. In dieser Studie wurde die CT-basierte Analyse genutzt, um ethnische Unterschiede zwischen russischen und chinesischen Patienten zu untersuchen.
Studiendesign und Methodik
Retrospektiv wurden prospektiv erhobene Daten von Patienten analysiert, die zwischen 2016 und 2018 eine laparoskopische oder roboterassistierte rechtsseitige Hemikolektomie mit D3-Lymphknotendissektion in Zentren in Peking und Moskau erhielten. Eingeschlossen wurden Patienten mit Tumoren im Appendix, Zökum, Colon ascendens oder der rechten Flexur. Ausschlusskriterien waren vorangegangene große abdominale Eingriffe oder unklare CT-Befunde.
Die MCA wurde als kranialster Ast der SMA definiert, die ICA als kaudalster kolischer Ast. Die RCA wurde als direkter Abgang zwischen ICA und MCA klassifiziert. Sechs arteriovenöse Interaktionstypen wurden basierend auf der ICA-Position zur SMV unterschieden: Typ Ia (ICA ventral, RCA fehlend, MCA ventral), Typ Ib (ICA ventral, RCA ventral, MCA ventral), Typ Ic (ICA ventral, RCA dorsal, MCA ventral), Typ IIa (ICA dorsal, RCA fehlend, MCA ventral), Typ IIb (ICA dorsal, RCA dorsal, MCA ventral) und Typ IIc (ICA dorsal, RCA ventral, MCA ventral).
Ergebnisse
Es wurden 260 Patienten (je 130 pro Zentrum) analysiert. Die russische Kohorte wies eine ausgeglichene Geschlechterverteilung (66 Männer, 64 Frauen) auf, während die chinesische Gruppe mehr Männer (78 vs. 52 Frauen) umfasste. Chinesische Patienten waren jünger (58,8 vs. 64,2 Jahre), jedoch ohne statistische Signifikanz. Der BMI unterschied sich nicht zwischen den Gruppen.
Bei allen russischen Patienten waren ICA und MCA vorhanden, während bei zwei chinesischen Patienten (1,5 %) die MCA fehlte. Die RCA trat signifikant häufiger in der chinesischen Gruppe auf (44,6 % vs. 30,8 %). Die ICA lag bei chinesischen Patienten häufiger ventral der SMV (67 ventral vs. 63 dorsal), bei russischen Patienten überwog die dorsale Lage (83 dorsal vs. 47 ventral). Der häufigste Typ in der russischen Gruppe war Typ IIa (43,8 %: ICA dorsal, RCA fehlend, MCA ventral).
Diskussion
Die Studie zeigt erstmals ethnische Unterschiede in der SMA-Anatomie. Bei chinesischen Patienten tritt die RCA häufiger als eigenständiger Ast auf, während bei russischen Patienten SMA-Äste häufiger dorsal der SMV verlaufen. Diese Variationen könnten die technische Durchführbarkeit der D3-Lymphknotendissektion beeinflussen. Dorsal gelegene ICA-Äste erfordern eine mediale Mobilisation der SMV, was den Eingriff komplexer gestaltet – ein häufigeres Phänomen in der russischen Kohorte.
Limitationen
Retrospektives Design und fehlende intraoperative Verifizierung limitieren die Aussagekraft. Die CT-basierte Gefäßdarstellung wurde jedoch bereits validiert. Die Generalisierbarkeit auf andere Populationen ist unklar.
Schlussfolgerung
Signifikante ethnische Unterschiede in der Gefäßanatomie des rechtsseitigen Kolons zwischen russischen und chinesischen Patienten unterstreichen die Notwendigkeit einer angepassten chirurgischen Strategie. Präoperative CT-Analysen können helfen, technische Herausforderungen vorherzusehen und die onkologische Radikalität zu optimieren.
doi: 10.1097/CM9.0000000000001566