Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Pelvic Organ Prolapse Quantification-Untersuchung zur Vorhersage der Zervixlänge
Der Beckenorganvorfall (pelvic organ prolapse, POP) ist eine Erkrankung, die durch das Absinken von Beckenorganen in den Vaginalkanal gekennzeichnet ist und die Lebensqualität der Patientinnen erheblich beeinträchtigt. Obwohl nicht lebensbedrohlich, erfordert POP häufig chirurgische Eingriffe, bei denen die Zervixlänge ein entscheidender Faktor für die Wahl des chirurgischen Ansatzes und die Entscheidung über den Uteruserhalt ist. Eine zervikale Verlängerung wurde als häufige anatomische Variation im Zusammenhang mit POP identifiziert, doch die präoperative Bewertung der Zervixlänge bleibt herausfordernd. Das Pelvic Organ Prolapse Quantification (POP-Q)-System, ein global standardisiertes Verfahren zur Beurteilung der POP-Schwere, bietet einen Rahmen zur Messung anatomischer Landmarken. In diesem System repräsentiert Punkt C den distalsten Rand der Zervix, während Punkt D dem posterioren Fornix entspricht. Der Abstand zwischen diesen Punkten (C–D) wird als POP-Q-Zervixlänge (PCL) bezeichnet und hypothetisch mit der anatomisch gemessenen Zervixlänge (ACL) korreliert. Diskrepanzen zwischen PCL und ACL wurden jedoch beobachtet, insbesondere in chinesischen Populationen, wo Daten zu Zervixdimensionen bei POP-Patientinnen begrenzt sind. Diese Studie untersucht die Korrelation zwischen PCL und ACL, die Genauigkeit des POP-Q-Systems zur Vorhersage der Zervixlänge sowie Einflussfaktoren auf die Messkonsistenz.
Methodik und Studiendesign
In diese prospektive Fallstudie wurden 379 Patientinnen mit POP-Diagnose an der Peking University People’s Hospital zwischen Oktober 2015 und Februar 2019 aufgenommen. Ausschlusskriterien umfassten vorangegangene Hysterektomien oder geplante Uteruserhaltungsoperationen. Die Teilnehmerinnen erhielten zwei präoperative POP-Q-Untersuchungen durch denselben Arzt, wobei die Ergebnisse zur Bestimmung der PCL gemittelt wurden. Nach vaginaler Hysterektomie wurden anatomische Messungen vorgenommen: die anteriore Zervixlänge (aACL) vom inneren Muttermund zum distalen Rand der anterioren Zervix und die posteriore Zervixlänge (pACL) vom inneren Muttermund zum distalen Rand der posterioren Zervix. Die ACL wurde als aACL definiert, um der Definition von Punkt C im POP-Q-System zu entsprechen. Eine Voranalyse bei 30 Patientinnen zeigte eine schwache Korrelation (r = 0,225) zwischen PCL und ACL, woraufhin die Stichprobengröße berechnet wurde, um eine statistische Power von 90 % zu gewährleisten.
Die statistischen Analysen erfolgten mit SPSS 22.0. Deskriptive Daten wurden als Mittelwert ± Standardabweichung, Median (Interquartilsbereich) oder Anteile dargestellt. Der Spearmans Korrelationskoeffizient bewertete die Beziehung zwischen PCL und ACL, während der Mann-Whitney-U-Test Unterschiede zwischen Gruppen stratifiziert nach der absoluten Differenz |PCL-ACL| verglich.
Hauptergebnisse
Die Kohorte hatte ein mittleres Alter von 67,4 ± 8,8 Jahren, einen BMI von 24,8 ± 3,3 kg/m² und eine mediane Parität von 3 (Spanne: 0–7). Alle Patientinnen unterzogen sich einer Hysterektomie, wobei 85,5 % der Eingriffe vaginal und 60,2 % unter Verwendung von chirurgischem Netz durchgeführt wurden.
Zervixlängenmessungen
- Die PCL (C–D) betrug im Mittel 3,87 ± 1,72 cm (Spanne: 0,5–10 cm).
- Die ACL (anatomisch gemessen) betrug im Mittel 4,23 ± 1,15 cm (Spanne: 2–10 cm).
- Verteilung der ACL: 29,8 % der Fälle hatten eine ACL < 4 cm, 43,8 % eine ACL von 4 ≤ ACL < 5 cm, 16,1 % von 5 ≤ ACL < 6 cm und 10,3 % eine ACL ≥ 6 cm.
Korrelation und Diskrepanzen
Es wurde eine signifikante, aber schwache positive Korrelation zwischen PCL und ACL festgestellt (r = 0,151; p = 0,003). Die absolute Differenz zwischen PCL und ACL betrug 1,43 ± 1,30 cm (Spanne: 0–7 cm):
- 56,2 % der Fälle wiesen eine Differenz ≤ 1 cm auf.
- 80,5 % hatten eine Differenz ≤ 2 cm.
Einfluss der Prolapschwere
Die Übereinstimmung zwischen PCL und ACL nahm mit zunehmender POP-Schwere ab. Signifikante Korrelationen bestanden zwischen |PCL-ACL| und:
- dem Uterusprolapsstadium (r = 0,193; p < 0,001).
- dem posterioren Kompartimentprolapsstadium (r = 0,152; p = 0,003).
Gruppenvergleiche
Die Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen stratifiziert: |PCL-ACL| ≤ 2 cm (n = 305) und |PCL-ACL| > 2 cm (n = 74). Wesentliche Unterschiede in den POP-Q-Messungen umfassten:
- Punkt C: Medianwerte von 3,0 cm (IQR: 1,0–4,0 cm) vs. 5,0 cm (IQR: 3,0–6,1 cm; Z = -4,925; p < 0,001).
- Punkt D: Medianwerte von -1,5 cm (IQR: -3,0–0 cm) vs. 0 cm (IQR: -3,0–4,6 cm; Z = -3,514; p < 0,001).
- Punkt Bp: Medianwerte von 0 cm (IQR: -2,0–1,0 cm) vs. 1,0 cm (IQR: -1,0–4,0 cm; Z = -3,421; p = 0,001).
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass schwere uterine oder posteriore Kompartimentprolaps zu Variabilität in den POP-Q-Messungen führen, insbesondere bei den Punkten C und D.
Klinische und anatomische Überlegungen
Punkt D im POP-Q-System, der den posterioren Fornix repräsentieren soll, entspricht anatomisch dem Insertionspunkt der Ligamenta sacrouterina an der Zervix. Intraoperative Beobachtungen zeigten jedoch Schwierigkeiten bei der Palpation oder Visualisierung dieser Landmarke, insbesondere bei Atrophie der Bänder oder fortgeschrittenem Prolaps. Diese Schwierigkeiten tragen wahrscheinlich zu Messungenauigkeiten bei, da die Position von Punkt D bei schwerem Prolaps disproportional verlagert sein kann, was den C–D-Abstand unabhängig von der tatsächlichen Zervixlänge verändert.
Zudem war eine zervikale Verlängerung (ACL ≥ 4 cm in 70,2 % der Fälle) bei chinesischen POP-Patientinnen häufig, was die Notwendigkeit einer präoperativen Zervixbewertung unterstreicht. Obwohl PCL eine plausible Schätzung liefert (Abweichung ≤ 2 cm in 80,5 % der Fälle), sollten Chirurgen größere Diskrepanzen bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Uterus- oder posteriorem Wandprolaps erwarten.
Limitationen und Stärken
Das prospektive Design und standardisierte Messprotokolle erhöhen die Zuverlässigkeit. Da es sich um eine monozentrische Studie mit einer homogenen chinesischen Kohorte handelt, ist die Generalisierbarkeit auf andere Populationen eingeschränkt. Die Ausschluss von Uteruserhaltungsfällen könnte zudem zu einer Verzerrung zugunsten schwererer Prolapsfälle führen. Zukünftige multizentrische Studien mit diversen Populationen könnten diese Ergebnisse validieren.
Fazit
Das POP-Q-System bietet eine moderate Schätzung der Zervixlänge bei POP-Patientinnen, wobei die C–D-Differenz in den meisten Fällen ≤ 2 cm beträgt. Kliniker sollten jedoch bei schwerem Uterus- oder posteriorem Kompartimentprolaps Vorsicht walten lassen, da anatomische Verzerrungen die Messgenauigkeit reduzieren. Präoperative Bildgebung oder ergänzende Bewertungen können das POP-Q-System in solchen Fällen ergänzen. Diese Studie unterstreicht die Notwendigkeit populationsspezifischer Daten für die chirurgische Planung und liefert grundlegende Erkenntnisse zu Zervixdimensionen bei chinesischen Frauen mit POP.