Validierung einer chinesischen Übersetzung des Fragebogens zur Identifizierung funktioneller Sprunggelenkinstabilität
Sprunggelenkverstauchungen zählen zu den häufigsten Sportverletzungen und machen etwa 40 % aller sportbedingten Verletzungen aus. Davon führen 20–33 % zu einer chronischen Sprunggelenkinstabilität, die Mobilität und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Die funktionelle Sprunggelenkinstabilität (FAI) ist ein spezifischer Subtyp, dem eine präzise, allgemein akzeptierte Definition fehlt. Dennoch wird die FAI häufig operativ behandelt, insbesondere bei Begleitverletzungen des Ligamentum talofibulare anterius oder calcaneofibulare. In China führt das Fehlen validierter Diagnoseinstrumente oft zu unnötigen Bandrekonstruktionen, basierend auf bildgebenden Befunden und unsicheren FAI-Hinweisen, was nicht selten in unbefriedigenden Ergebnissen resultiert.
Das International Ankle Consortium empfiehlt mehrere Selbstauskunftsbögen zur FAI-Bewertung, darunter den Ankle Instability Instrument, den Cumberland Ankle Instability Tool und den Identification of Functional Ankle Instability (IdFAI)-Fragebogen. Der IdFAI, der auf den ersten beiden Instrumenten basiert, weist die höchste diagnostische Genauigkeit auf. Obwohl die englische Originalversion bereits in Japanisch, Koreanisch, Brasilianisch und Persisch validiert wurde, existierte bis zu dieser Studie keine chinesische Adaptation. Angesichts der hohen FAI-Prävalenz in China ist die Entwicklung einer chinesischen Version (IdFAI-C) von klinischer Relevanz.
Die Übersetzung des IdFAI ins Chinesische folgte etablierten Leitlinien zur interkulturellen Adaptation von Selbstauskunftsinstrumenten. Zwei zweisprachige Übersetzer (ein Fußchirurg und ein Englischlehrer) erstellten unabhängig voneinander eine chinesische Version, deren Unterschiede anschließend konsensuell bereinigt wurden. Zwei weitere muttersprachlich englische Übersetzer führten eine Rückübersetzung ins Englische durch, die mit dem Original abgeglichen wurde. Eine Expertenkommission aus vier Fußchirurgen, zwei Englischlehrern und den ursprünglichen Übersetzern erarbeitete eine Vorversion, die an 20 chinesischen Studierenden getestet und durch Interviews auf Verständlichkeit überprüft wurde. Die finale Version (IdFAI-C) ist in Supplementary Table 1 verfügbar.
Zur Validierung wurden zwischen dem 17. und 29. März 2019 sportaktive Studierende rekrutiert. Ausschlusskriterien umfassten: 1) frühere Operationen oder Frakturen der unteren Extremitäten; 2) schwere Beinverletzungen in den vorangegangenen drei Monaten. Alle Teilnehmer bearbeiteten den IdFAI-C innerhalb von 10 Minuten. Ein Monat später wiederholten 100 Studierende den Fragebogen unter denselben Bedingungen.
Als diagnostischer Referenzstandard dienten die „minimalen Akzeptanzkriterien“ für FAI: mindestens eine Sprunggelenkverstauchung und subjektive Instabilität („Giving-way“-Symptome) im betroffenen Bein. Der Youden-Index (Sensitivität + Spezifität − 1) bestimmte den optimalen Cut-off-Wert. Die diskriminative Validität wurde mittels ROC-Kurve analysiert. Die interne Konsistenz wurde mit Cronbachs Alpha, die Test-Retest-Reliabilität mit dem Intraklassen-Korrelationskoeffizienten (ICC) berechnet.
Von 358 Bewerbern aus 51 Universitäten und 21 Städten Chinas wurden 74 aufgrund der Ausschlusskriterien ausgeschlossen (20 Operationen, 28 Frakturen, 50 schwere Verletzungen). Weitere 16 Fragebogen wurden wegen inkonsistenter Antworten verworfen. Die verbleibenden 268 Teilnehmer (Alter: 25 ± 6 Jahre; 142 Frauen) inkludierten 176 Personen mit Sprunggelenkverstauchungen in der Anamnese.
Der Youden-Index ergab einen optimalen Cut-off-Wert von 7 Punkten. Studierende mit FAI erreichten ≥8 Punkte, solche ohne FAI ≤7. Die Fläche unter der ROC-Kurve betrug 0,89 (95 %-KI: 0,86–0,93), was auf eine adäquate Unterscheidung zwischen FAI und Nicht-FAI hinweist. Bei einem Cut-off von 7 lag die Sensitivität bei 94 %, die Spezifität bei 73 %. Die diagnostische Genauigkeit lag bei 0,79. Cronbachs Alpha (0,80) und der ICC (0,98) belegten eine hohe interne Konsistenz und Test-Retest-Reliabilität.
Die IdFAI-C zeigte eine höhere Sensitivität, aber niedrigere Spezifität als das englische Original. Der niedrigere Cut-off-Wert (7 vs. höhere Werte in anderen Sprachen) könnte auf kulturelle Unterschiede zurückgeführt werden: Chinesische Patienten suchen seltener Ärzte auf und bevorzugen häusliche Ruhe und traditionelle Arzneimittel. Dies spiegelte sich in Frage 3 wider, bei der 84 von 176 Teilnehmern mit Verstauchungsanamnese angaben, keinen Arzt konsultiert zu haben. Übersetzungsschwierigkeiten ergaben sich bei idiomatischen Ausdrücken wie „giving way“, das als „Shi Kong Gan“ übersetzt und durch einen Erklärungssatz präzisiert wurde.
Limitationen umfassen die Fokussierung auf Studierende und potenzielle Selektionsbias durch Freiwilligenrekrutierung. Dennoch erwies sich der IdFAI-C als valides, reliables und präzises Instrument für die klinische Anwendung in China. Er könnte unnötige Operationen reduzieren und die Patientenversorgung verbessern.
Zusammenfassend stellt die Validierung des IdFAI-C einen wichtigen Fortschritt in der Diagnostik funktioneller Sprunggelenkinstabilität in China dar. Der Fragebogen bietet eine zuverlässige Grundlage für klinische Entscheidungen und trägt zur Optimierung patientenindividueller Therapien bei.
DOI: 10.1097/CM9.0000000000001020