Validierung einer kombinierten Infektion im Liquor cerebrospinalis

Validierung einer kombinierten Infektion mit Angiostrongylus cantonensis und Herpes-simplex-Virus Typ 1 im Liquor cerebrospinalis durch Next-Generation Sequencing

Angiostrongylus cantonensis ist ein parasitärer Fadenwurm und eine der Hauptursachen für eosinophile Meningitis und Meningoenzephalitis. Die Infektion erfolgt typischerweise durch den Verzehr von rohen oder unzureichend gekochten paratenischen oder intermediären Wirten, wie Weichtieren. Dieser Fallbericht beschreibt eine seltene Kombinationsinfektion mit A. cantonensis und Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) bei einem Patienten, die mithilfe der Next-Generation Sequencing (NGS)-Analyse des Liquor cerebrospinalis (CSF) diagnostiziert wurde.

Der Patient war ein 59-jähriger Mann aus der Provinz Guangdong, China, der über 18 Tage mit anfallsartigem Schwindel, Fatigue und leichtem Fieber (38,1°C) vorgestellt wurde. Anschließend entwickelte er starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und hohes Fieber (39,0°C), weshalb er medizinische Hilfe aufsuchte. Die initiale Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns zeigte eine leichte Leukenzephalopathie. Er wurde zunächst unter der Verdachtsdiagnose eines zerebralen Infarkts behandelt, doch seine Symptome verschlechterten sich, was zur Verlegung in ein Zentrum führte.

Im Zentrum ergab die Serumbestimmung positive HSV-1-IgM-Werte, woraufhin eine antivirale Therapie eingeleitet wurde. Trotzdem verschlechterte sich sein Zustand bis zur Bewusstlosigkeit. Ein Monat nach Symptombeginn erfolgte die Verlegung in das Nanfang Hospital der Süddmedizinischen Universität.

Bei Aufnahme war der Patient fieberhaft (38,0°C) mit einem Glasgow Coma Scale (GCS)-Score von 7 (E1V1M5). Die klinische Untersuchung zeigte eine Nackensteife und beidseits positive Kernig-Zeichen. Labordaten wiesen eine ausgeprägte Eosinophilie (21,9% im peripheren Blut) auf. Das Elektroenzephalogramm (EEG) zeigte 3–4 Hz 30 bis 50 mV Delta-Wellen. Eine Lumbalpunktion ergab klaren Liquor mit moderater Pleozytose (310 Zellen/µL) und einem erhöhten Eosinophilenanteil von 40%. Tests auf autoimmune Enzephalitis-Antikörper in Serum und Liquor sowie PCR-Untersuchungen auf HSV-1, HSV-2, Varizella-Zoster-Virus, Epstein-Barr-Virus und Zytomegalievirus waren negativ.

Aufgrund der Eosinophilie in Blut und Liquor wurden Parasitenantikörper untersucht. Eine NGS-Analyse des Liquors (Illumina NextSeq 550-Plattform, Vision Medicals Co., Ltd, USA) durchgeführt. Eine wiederholte MRT zeigte eine deutliche Leukenzephalopathie in T2-gewichteten und FLAIR-Sequenzen. Empirisch wurde eine Therapie mit Aciclovir und Ceftriaxon initiiert.

Drei Tage später bestätigte die NGS A. cantonensis (17.202 Reads) und HSV-1 (16 Reads) im Liquor. Serologisch war das IgG gegen A. cantonensis positiv. Die Therapie wurde auf Albendazol und Methylprednisolon umgestellt. Fieber und Eosinophilie normalisierten sich, der GCS verbesserte sich auf 10 (E4V1M5).

Nach zwei Wochen Anthelmintikatherapie zeigte eine erneute NGS 6.416 Reads für A. cantonensis und keine für HSV-1. Nach drei weiteren Wochen Anthelmintikatherapie waren keine Reads mehr nachweisbar. Der GCS lag bei Entlassung bei 14 (E4V4M6). Die MRT nach Therapie zeigte eine deutliche Besserung der Leukenzephalopathie. Nach sechs Monaten betrug der modifizierte Rankin-Score 0.

A. cantonensis ist eine wichtige Ursache eosinophiler Meningoenzephalitis. Bildgebende Befunde sind unspezifisch, jedoch wurden in Studien knotige oder lineare Kontrastmittelanreicherungen sowie Signalanhebungen in der subkortikalen weißen Substanz beschrieben. Die erhöhte Signalintensität in der Tiefenweißen Substanz könnte auf Gliose oder Migrationsspuren der Würmer hindeuten.

Die NGS ermöglicht eine schnelle Diagnostik multipler oder seltener Infektionen. In diesem Fall korrelierten die NGS-Ergebnisse mit Serologie und Therapieansprechen. Die kombinierte Infektion könnte durch eine Blut-Hirn-Schranken-Störung durch A. cantonensis begünstigt worden sein. Eosinophile Granulozyten sezernieren Matrix-Metallopeptidasen, die die Extrazellulärmatrix degradieren und die Schranke destabilisieren.

Klinisch ist die Erregerdiagnostik mittels NGS bei komplexen Infektionen entscheidend, insbesondere in Endemiegebieten für A. cantonensis. Dieser Fall unterstreicht den Nutzen der NGS für die frühzeitige Identifikation von Koinfektionen und die gezielte Therapieeinleitung.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären keine Interessenkonflikte.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000588

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