Vergleich des anterioren und posterioren Zugangs bei der Behandlung der vieretagigen zervikalen spondylotischen Myelopathie

Vergleich des anterioren und posterioren Zugangs bei der Behandlung der vieretagigen zervikalen spondylotischen Myelopathie

Die zervikale spondylotische Myelopathie (CSM) ist eine häufige degenerative Erkrankung bei Personen über 55 Jahren, charakterisiert durch eine Kompression des Rückenmarks infolge degenerativer Veränderungen der Halswirbelsäule. Chirurgische Eingriffe sind oft notwendig, um das Rückenmark zu dekomprimieren und die Stabilität wiederherzustellen. Die beiden primären chirurgischen Zugänge – der anteriore und der posteriore Ansatz – sind etabliert, doch die optimale Vorgehensweise bei vieretagiger CSM bleibt umstritten. Diese Studie vergleicht klinische und radiologische Outcomes sowie Komplikationen beider Verfahren.

Methodik
Retrospektiv wurden 44 Patienten mit vieretagiger CSM analysiert, die zwischen Februar 2012 und November 2015 operiert wurden. 19 Patienten unterzogen sich einer anterioren Dekompression mit Fusion (ACDF, ACCF oder Hybridverfahren), 25 einer posterioren Laminoplastik mit Instrumentation. Die Nachbeobachtungszeit betrug durchschnittlich 4,8 Jahre (anteriore Gruppe) bzw. 4,0 Jahre (posteriore Gruppe). Prä- und postoperative Bewertungen umfassten den Japanese Orthopedic Association (JOA)-Score, den SF-36-Fragebogen sowie die sagittale Ausrichtung der Halswirbelsäule (Cobb-Winkel C2–C7).

Ergebnisse
Beide Gruppen zeigten keine präoperativen Unterschiede im JOA-Score. Postoperativ verbesserten sich die JOA-Werte in beiden Gruppen signifikant (p < 0,05). Die Erholungsrate (JOA-Improvement) lag jedoch in der anterioren Gruppe sowohl unmittelbar postoperativ (52 % vs. 35 %) als auch im Langzeitverlauf (56 % vs. 43 %) signifikant höher (p < 0,05). Der SF-36-Score zur Lebensqualität war in der anterioren Gruppe nach 4,8 Jahren ebenfalls signifikant besser (69,4 vs. 61,7; p < 0,05).

Radiologisch verbesserte der Cobb-Winkel in beiden Gruppen, jedoch stärker nach anteriorer Intervention (12,3° ± 4,2° vs. 9,2° ± 3,6° postoperativ; 12,4° ± 3,5° vs. 9,0° ± 2,6° nach 4 Jahren; p < 0,05).

Komplikationen
In der anterioren Gruppe traten bei drei Patienten vorübergehende Dysphagie und bei einem Dysphonie auf. Die posteriore Gruppe wies eine C5-Nervenwurzellähmung und bei vier Patienten persistierende axiale Symptome (Steifheit, Schmerzen) auf.

Diskussion
Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien: Der anteriore Zugang ermöglicht eine direkte Dekompression, verbessert die sagittale Ausrichtung und zeigt höhere Erholungsraten. Die höhere Invasivität und Komplikationsrisiken (Dysphagie, Non-Union) erfordern jedoch eine sorgfältige Patientenauswahl. Der posteriore Ansatz ist technisch weniger anspruchsvoll, birgt jedoch Risiken für axiale Schmerzen und Progression einer Kyphose.

Die sagittale Ausrichtung ist entscheidend: Bei präoperativer Kyphose <15° kann eine Laminoplastik mit Fusion die Lordose erhalten. Für Patienten mit starker Kyphose oder biomechanischer Instabilität empfiehlt sich der anteriore Zugang. Alter und Komorbiditäten beeinflussen die Entscheidung – ältere Patienten profitieren möglicherweise von der geringeren OP-Belastung des posterioren Vorgehens.

Schlussfolgerung
Beide Zugänge sind effektiv, jedoch mit unterschiedlichen Profilen:

  1. Anterior: Höhere funktionelle Erholung, verbesserte Lordose, aber höheres Komplikationsrisiko.
  2. Posterior: Geeignet für ältere Patienten oder milde Kyphose, jedoch Risiko axialer Beschwerden.

Die Wahl sollte individuell unter Berücksichtigung der Halswirbelausrichtung, des Alters und des Komorbiditätsstatus erfolgen.

Interessenkonflikte
Keine.

DOI: 10.1097/CM9.0000000000001146

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