Videoassistierte thorakale Resektion eines seltenen ektopen mediastinalen Bronchialarterienaneurysmas
Bronchialarterienaneurysmen (BAA) stellen eine äußerst seltene, jedoch potenziell lebensbedrohliche Erkrankung dar. Sie werden in weniger als 1 % aller selektiven Bronchialarteriografien berichtet. Die primäre Therapie besteht in endovaskulären Verfahren wie transkatheterieller arterieller Embolisation oder Aortenstentgraft-Implantation. Chirurgische Interventionen sind bei Therapieversagen, Rezidiv oder Kontraindikationen für endovaskuläre Maßnahmen indiziert. Dieser Artikel beschreibt den seltenen Fall eines ektopen mediastinalen Bronchialarterienaneurysmas, das erfolgreich mittels videoassistierter Thoraxchirurgie (VATS) reseziert wurde.
Fallbericht
Ein 54-jähriger asymptomatischer Patient zeigte bei einer Routine-Computertomografie (CT) eine auffällige hiläre Raumforderung der rechten Lunge. Anamnese und Laborbefunde waren unauffällig. Eine weiterführende dreidimensionale CT-Angiographie offenbarte ein 29 mm großes mediastinales Bronchialarterienaneurysma mit einer dilatierten, tortuösen Bronchialarterie, die von der rechten Arteria subclavia ausging.
Bildgebende Diagnostik
Die dreidimensionale CT und Angiographie verdeutlichten die Lage des Aneurysmas sowie den Verlauf der afferenten Bronchialarterie. Diese entsprang aus der rechten Arteria subclavia, verlief absteigend entlang des Mediastinums und mündete in die rechte Arteria pulmonalis. Aufgrund dieser anatomischen Komplexität erschien eine endovaskuläre Embolisation nicht praktikabel, sodass die chirurgische Resektion indiziert war.
Operatives Vorgehen
In Linksseitenlage erfolgte ein drei-Trokar-VATS-Ansatz. Das Aneurysma wurde zwischen dem rechten Bronchus und der inferioren Pulmonalvene lokalisiert. Nach sorgfältiger Ligatur der afferenten und efferenten Gefäßäste erfolgte die vollständige Resektion des Aneurysmas aus dem umgebenden Bindegewebe. Zusätzlich wurde der Ursprung der Bronchialarterie an der Arteria subclavia durchtrennt. Die Operationszeit betrug 80 Minuten.
Postoperativer Verlauf
Der postoperative Verlauf war komplikationslos. Der Patient konnte am zweiten postoperativen Tag entlassen werden. Nachuntersuchungen drei Monate postoperativ zeigten kein Rezidiv.
Diskussion
Bronchialarterienaneurysmen sind mit etwa 110 publizierten Fällen extrem selten. Die Ätiologie bleibt häufig unklar, wobei idiopathische Formen überwiegen. Assoziationen bestehen zu Bronchiektasen, COPD, Infektionserkrankungen oder Tuberkulose. Klinisch reicht die Symptomatik von asymptomatischen Verläufen bis zu Hämoptysen, Thoraxschmerzen, Hämatomediastinum oder Schockzuständen. Entscheidend für Diagnose und Therapieplanung sind dreidimensionale CT-Angiographien.
Therapiestrategien
Aufgrund des Rupturrisikos ist eine umgehende Therapie indiziert. Die endovaskuläre Therapie gilt als First-line-Option, weist jedoch Limitationen wie Embolisatversagen, Luftembolien oder spinale Ischämien auf. Bei Mehrgefäßbeteiligung oder Rezidiven ist die chirurgische Resektion erforderlich.
Vorteile der VATS
Die VATS ermöglicht eine minimalinvasive Resektion mit geringer Morbidität, insbesondere bei komplikationsloser Anamnese. Die präoperative Bildgebung erlaubt eine präzise Darstellung der Gefäßanatomie, wodurch eine vollständige Resektion des Aneurysmas und seiner Äste sichergestellt wird. Intraoperativ ist die Differenzierung zwischen afferenten und efferenten Gefäßen kritisch, um Blutungen zu vermeiden.
Schlussfolgerung
Dieser Fall demonstriert die erfolgreiche VATS-Resektion eines ektopen mediastinalen Bronchialarterienaneurysmas mit ungewöhnlicher Gefäßanatomie. Bei Kontraindikationen für endovaskuläre Verfahren stellt die VATS eine sichere und effektive Alternative dar. Präoperative dreidimensionale Bildgebung ist essenziell für die Planung und Durchführung des Eingriffs.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001157