Wirksamkeitsanalyse der Inferior-obliquus-Muskelbauchtransposition bei kleinerwinkliger asymmetrischer Superior-obliquus-Parese
Die asymmetrische Superior-obliquus-Parese (SOP) ist eine komplexe, nichtkomitante Form des Strabismus, die häufig mit einer kleinen Hypertropie des betroffenen Auges und einer Überaktivität des Musculus obliquus inferior (IOOA) einhergeht. Patienten mit kongenitaler SOP zeigen typischerweise eine kompensatorische Kopfhaltung und asymmetrische Gesichtsentwicklung, während bei erworbener SOP Diplopie auftritt. Prismenbrillen können zwar Diplopie und vertikale Abweichung in Primärposition lindern, sind jedoch bei nichtkomitantem paralytischem Strabismus unwirksam. Zudem rezidivieren vertikale Abweichungen und Kopfhaltungen nach Absetzen der Brillen, und deren Langzeitgebrauch kann bei Kindern zu Visusminderung führen. Daher ist oft eine chirurgische Intervention wie eine IO-Schwächungsoperation erforderlich. Herkömmliche Verfahren wie Myektomie oder Rezession bergen jedoch Risiken für Überkorrektur und sekundäre A-Muster, insbesondere bei leichter bis moderater IOOA und kleinerwinkliger SOP.
Die Inferior-obliquus-Muskelbauchtransposition (IOMBT) ist ein neuartiges IO-Schwächungsverfahren, das bei kleinerwinkliger asymmetrischer SOP vielversprechende Ergebnisse ohne Überkorrekturen oder sekundäre A-Muster zeigt. Diese Studie evaluiert die Sicherheit und Wirksamkeit der IOMBT bei pädiatrischen Patienten.
Methoden
In die Studie wurden 30 pädiatrische Patienten (42 Augen) mit kleinerwinkliger asymmetrischer SOP eingeschlossen, die zwischen Juni 2018 und August 2020 am Anhui Province Children’s Hospital mittels IOMBT behandelt wurden. Einschlusskriterien waren: (1) gesicherte asymmetrische SOP, (2) einseitige oder beidseitige IOOA (Kenneth-Skala „+“ bis „++“), (3) vertikale Abweichung ≤5 Prismendioptrien (PD) in Primärposition und (4) vollständige Nachuntersuchungsdaten. Präoperativ wurden Visus, vorderer Augenabschnitt, Fundus, Refraktion und Motilität untersucht. Der FDA (Fovea-Disc-Winkel) wurde mittels Fundusfotografie und CorelDRAW X4-Software berechnet. Postoperative Kontrollen erfolgten nach 1 und 6 Monaten.
Chirurgische Technik
Unter Allgemein- oder Lokalanästhesie wurde der IO-Muskel über eine Fornix-Inzision isoliert und 10–11 mm von seiner Insertion mit einer resorbierbaren 6-0-Naht fixiert. Die Fixation erfolgte 5 mm posterior der temporalen Insertion des Musculus rectus inferior. Bei horizontalem Strabismus wurde simultan korrigiert.
Ergebnisse
Die präoperative vertikale Abweichung betrug im Mittel 4,5 ± 0,6 PD und reduzierte sich postoperativ auf 0,2 ± 0,1 PD (1 Monat) bzw. 0,3 ± 0,1 PD (6 Monate). Der FDA verbesserte sich von 10,5° ± 4,1° auf 4,0° ± 2,5°. Bei V-Muster-Patienten (n=8) sank die mittlere V-Muster-Abweichung von 18,0 ± 3,5 PD auf 1,6 ± 0,9 PD. IOOA verschwand bei 26/30 Patienten (86,7%), und die kompensatorische Kopfhaltung besserte sich bei 84,6% (11/13). Diplopie resolved bei 83,3% (5/6). Überkorrekturen oder IO-Insuffizienz traten nicht auf.
Diskussion
Die IOMBT reduziert durch Verkürzung der IO-Wirkungslänge die vertikale Abweichung in Primärposition und korrigiert gleichzeitig V-Muster. Im Vergleich zu klassischen IO-Schwächungstechniken zeigt sie eine geringere Komplikationsrate. Die Ergebnisse bestätigen frühere Studien von Yang et al., jedoch mit größerer Fallzahl. Limitationen sind der Beobachtungscharakter und das Fehlen einer Kontrollgruppe.
Schlussfolgerung
Die IOMBT ist eine effektive und sichere Alternative zur Behandlung kleinerwinkliger asymmetrischer SOP mit begleitendem V-Muster und milder bis moderater IOOA. Randomisierte Studien sind notwendig, um die Ergebnisse zu validieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001591