Zusammenhang zwischen Blut-Eosinophilenzahl, bakterieller Infektion und klinischen Ergebnissen bei Patienten mit schweren Exazerbationen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) stellt eine erhebliche globale Gesundheitsbelastung dar. Akute Exazerbationen (AECOPD) wirken sich kritisch auf den Gesundheitszustand, den Krankheitsverlauf und die Mortalität der Patienten aus. Diese Exazerbationen werden häufig durch virale und bakterielle Infektionen ausgelöst, wobei Studien zeigen, dass bei etwa 55 % der hospitalisierten AECOPD-Patienten bakterielle Infektionen nachweisbar sind. Obwohl Antibiotika die Kurzzeitmortalität reduzieren und die Prognose verbessern können, profitieren nicht alle Patienten von dieser Therapie. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Biomarkern zur Steuerung therapeutischer Strategien. Ein solcher Biomarker ist die Blut-Eosinophilenzahl, die mit eosinophilenbedingten Entzündungen der Atemwege und Sepsis assoziiert ist. Bisher wurde der Zusammenhang zwischen peripherer Eosinophilenzahl und bakteriellen Pathogenen bei AECOPD jedoch nicht umfassend untersucht. Diese Studie analysierte die Beziehung zwischen Eosinophilenzahl, bakteriellen Erregern, klinischen Behandlungen und Outcomes bei Patienten mit schwerer AECOPD.
Methoden
Eingeschlossen wurden Patienten über 40 Jahre, die zwischen Januar 2013 und Juni 2018 in der Abteilung für Atemwegs- und Intensivmedizin des Peking University Third Hospital behandelt wurden. Die Diagnose von COPD und AECOPD erfolgte gemäß den GOLD-Kriterien. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Asthma bronchiale, allergischen Erkrankungen, Bronchiektasen, interstitiellen Lungenerkrankungen, Tuberkulose oder prästationärer Kortikoidtherapie. Basierend auf der initialen Eosinophilenprozentzahl wurden die Patienten in eine Eosinopenie-Gruppe (<2 %) und eine Eosinophilie-Gruppe (≥2 %) eingeteilt. Erfasst wurden demografische Daten, Komorbiditäten, Lungenfunktion, Laborparameter (u. a. CRP, Procalcitonin, D-Dimere) sowie klinische Outcomes (Krankenhausverweildauer, Intensivaufenthalt, Beatmung, Mortalität, Wiederaufnahmeraten).
Ergebnisse
Von 1282 untersuchten Fällen wurden 596 Patienten analysiert (34,9 % Eosinophilie, 65,1 % Eosinopenie). Die Eosinopenie-Gruppe wies mehr Raucher (78,6 % vs. 87,0 %), höhere Prävalenzen von Diabetes (26,3 % vs. 15,4 %) und Hypertonie (54,6 % vs. 42,8 %) sowie eine geringere FEV1%-Prediction (49,9 % vs. 60,7 %) auf. Eine bakterielle Infektion (definiert durch CRP ≥20 mg/L und klinische Symptome) wurde bei 47,7 % der Eosinopenie-Gruppe und 36,1 % der Eosinophilie-Gruppe festgestellt. Patienten mit Eosinopenie zeigten signifikant höhere Entzündungsparameter (CRP: 46,8 vs. 32,9 mg/L; Procalcitonin: 0,34 vs. 0,18 ng/mL) und eine erhöhte Prävalenz grampositiver Kokken (Koagulase-negative Staphylokokken: 11,9 % vs. 5,3 %; Enterokokken: 2,6 % vs. 0 %).
Klinisch war die Eosinopenie-Gruppe mit längeren Krankenhausaufenthalten (15 vs. 14 Tage), häufigerer Intensivpflichtigkeit (5,9 % vs. 2,9 %) und höherer Beatmungsrate (3,4 % vs. 1,0 %) assoziiert. Die Mortalität unterschied sich jedoch nicht signifikant.
Diskussion
Die Studie legt nahe, dass eine niedrige Eosinophilenzahl bei AECOPD-Patienten auf bakterielle Infektionen hinweist, insbesondere mit grampositiven Erregern, und mit schwereren Entzündungsreaktionen sowie ungünstigeren klinischen Verläufen verbunden ist. Die Eosinophilenzahl könnte daher als Biomarker zur Steuerung der Antibiotikatherapie dienen: Bei Eosinopenie sollte eine empirische Breitbandtherapie erwogen werden, während bei Eosinophilie engmaschigere Indikationsstellungen sinnvoll erscheinen. Die Kombination mit CRP und klinischer Symptomatik ermöglicht eine personalisierte Therapie.
Schlussfolgerung
Die periphere Eosinophilenzahl ist ein praktikabler Biomarker zur Risikostratifizierung und Therapiesteuerung bei hospitalisierten AECOPD-Patienten. Großangelegte prospektive Studien sind erforderlich, um diese Ergebnisse zu validieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001690