Zusammenhang zwischen E2-Spiegel und IVF-Ergebnissen untersucht

Zusammenhang zwischen dem Serum-Östradiolspiegel am Tag der humanen Choriongonadotropin-Verabreichung und dem klinischen Ergebnis

Einleitung
Die In-vitro-Fertilisation mit Embryotransfer (IVF-ET) ist ein Eckpfeiler der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) und bietet Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch Hoffnung. Ein kritischer Faktor für den IVF-Erfolg ist die kontrollierte ovarielle Hyperstimulation (KOH), die im Vergleich zu natürlichen Zyklen zu deutlich erhöhten Serum-Östradiol(E2)-Spiegeln führt. Östradiol spielt eine entscheidende Rolle bei der Follikelentwicklung und endometrialen Rezeptivität, weshalb es als Schlüsselfaktor für IVF-Ergebnisse gilt. Die Beziehung zwischen erhöhten E2-Spiegeln am Tag der humanen Choriongonadotropin(hCG)-Verabreichung und klinischen Outcomes bleibt jedoch kontrovers. Einige Studien deuten auf eine positive Korrelation mit Schwangerschaftsraten hin, während andere keinen signifikanten Einfluss feststellen. Diese Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Serum-E2-Spiegeln am hCG-Verabreichungstag und IVF-ET-Ergebnissen, einschließlich Schwangerschaftsraten und perinataler Komplikationen, um einen optimalen E2-Bereich für erfolgreiche IVF-Behandlungen zu identifizieren.

Methoden
In dieser retrospektiven Studie wurden Daten von 1771 infertilen Patientinnen analysiert, die zwischen Januar 2011 und Januar 2016 erstmals frische IVF-ET-Zyklen an der Peking University First Hospital durchliefen. Die Patientinnen wurden anhand der Serum-E2-Spiegel am hCG-Tag in sechs Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 (E2 ≤ 1000 pg/mL, n = 205), Gruppe 2 (E2 1001–2000 pg/mL, n = 457), Gruppe 3 (E2 2001–3000 pg/mL, n = 425), Gruppe 4 (E2 3001–4000 pg/mL, n = 310), Gruppe 5 (E2 4001–5000 pg/mL, n = 237) und Gruppe 6 (E2 > 5000 pg/mL, n = 137). Primäre Endpunkte waren die Anzahl entnommener Oozyten, reifer (MII-)Oozyten, Implantationsraten und klinische Schwangerschaftsraten. Sekundäre Endpunkte umfassten perinatale Komplikationen wie Frühgeburt (PT), niedriges Geburtsgewicht (LBW) und Präeklampsie (PreE) bei Einlingsschwangerschaften.

Ergebnisse
Es zeigte sich eine konzentrationsabhängige Beziehung zwischen Serum-E2-Spiegeln und IVF-Outcomes. Die Anzahl entnommener Oozyten, MII-Oozyten, Implantationsraten und klinische Schwangerschaftsraten stiegen von Gruppe 1 bis 5 an, nahmen jedoch in Gruppe 6 ab. Die Anzahl entnommener Oozyten betrug 4,1 ± 2,4 (Gruppe 1), 7,0 ± 3,1 (Gruppe 2), 10,0 ± 3,9 (Gruppe 3), 11,1 ± 4,3 (Gruppe 4), 12,9 ± 4,4 (Gruppe 5) und 12,5 ± 4,6 (Gruppe 6). Die MII-Oozyten stiegen von 3,5 ± 1,9 (Gruppe 1) auf 11,0 ± 4,5 (Gruppe 5) und sanken auf 10,5 ± 4,0 (Gruppe 6). Implantations- und klinische Schwangerschaftsraten erreichten in Gruppe 5 mit 41,1 % ± 3,8 % bzw. 56,1 % ± 4,8 % ihren Höhepunkt, bevor sie in Gruppe 6 abfielen.

Bei Einlingsschwangerschaften korrelierte ein höherer E2-Spiegel mit einem erhöhten LBW-Risiko. Die Wahrscheinlichkeit für LBW war in Gruppe 6 (E2 > 5000 pg/mL) 16,8-mal höher als in Gruppe 1 (E2 ≤ 1000 pg/mL). Eine ROC-Kurvenanalyse identifizierte einen E2-Schwellenwert von 3148 pg/mL zur LBW-Vorhersage (Sensitivität: 71,4 %; Spezifität: 68,3 %). Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich bei PT- oder PreE-Raten.

Diskussion
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung optimaler E2-Spiegel während der IVF-Behandlung. Während höhere E2-Werte bis zu einem bestimmten Schwellenwert mit verbesserten Outcomes assoziiert sind, können exzessive Spiegel nachteilig wirken. Ein E2-Bereich von 1000 bis 3148 pg/mL scheint optimal, um IVF-Erfolge zu maximieren und perinatale Risiken zu reduzieren.

Die konzentrationsabhängige Wirkung von E2 auf die endometriale Rezeptivität bestätigt frühere Studien. Überschüssiges E2 kann jedoch die Implantation beeinträchtigen, was eine sorgfältige KOH-Steuerung erfordert. Der Zusammenhang zwischen hohen E2-Spiegeln und LBW könnte auf eine gestörte Plazentafunktion zurückzuführen sein, was die Bedeutung einer individualisierten Dosierung unterstreicht.

Einschränkungen
Retrospektives Design, unberücksichtigte Störfaktoren und die Einzelzentren-Datenlimitierung schränken die Generalisierbarkeit ein. Multizentrische prospektive Studien sind notwendig.

Fazit
Serum-E2-Spiegel am hCG-Tag beeinflussen IVF-Ergebnisse und perinatale Komplikationen signifikant. Ein optimaler Bereich von 1000–3148 pg/mL ist mit höheren Erfolgsraten und reduziertem LBW-Risiko verbunden. Individuell angepasste KOH-Protokolle sind entscheidend, um diesen Bereich zu erreichen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000251

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