Präoperative schnelle Viruslastreduktion durch E/C/F/TAF-Regime bei HIV+ Frakturpatienten

Präoperative schnelle Viruslastreduktion durch Elvitegravir/Cobicistat/Emtricitabin/Tenofovir-Alafenamid-Regime bei HIV-positiven Frakturpatienten reduziert postoperative Komplikationen signifikant

Die Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus (HIV) bleibt eine bedeutende Herausforderung für das öffentliche Gesundheitswesen in China. Schätzungen zufolge leben etwa 1,25 Millionen Menschen mit HIV (PLWH), und im Jahr 2018 wurden über 135.000 neue Fälle diagnostiziert. Innerhalb dieser Population weisen HIV-positive Patienten, die Frakturen erleiden, besonders hohe Raten postoperativer Komplikationen auf. Darüber hinaus sind medizinische Fachkräfte während des perioperativen Zeitraums häufig beruflichen Risiken ausgesetzt, was zu einer Zurückhaltung bei Chirurgen führt, diese Patienten zu operieren. Um diese Bedenken zu adressieren, untersucht diese Studie die Wirksamkeit einer präoperativen schnellen Viruslast (VL)-Reduktion durch antiretrovirale Therapie (ART), um Komplikationen zu verringern und die chirurgische Sicherheit zu verbessern.

Die Studie vergleicht zwei ART-Regime: ein Einzel-Tabletten-Regime (STR) bestehend aus Elvitegravir, Cobicistat, Emtricitabin und Tenofovir-Alafenamid (E/C/F/TAF) und ein Mehrfach-Tabletten-Regime (MTR) bestehend aus Tenofovir-Disoproxil-Fumarat, Lamivudin und Efavirenz (TDF/3TC/EFV). Das E/C/F/TAF-Regime ist eine neuere Behandlungsoption, die für ihre schnelle und zuverlässige VL-Reduktion bekannt ist, während TDF/3TC/EFV ein weit verbreitetes und häufig verwendetes Regime in China darstellt. Die Studie zielt darauf ab, die Auswirkungen dieser Regime auf die VL-Reduktion, die Wiederherstellung der Immunfunktion und die postoperativen Ergebnisse bei HIV-positiven Frakturpatienten zu bewerten.

Die Studie wurde am Beijing Ditan Hospital, Capital Medical University, von Januar 2011 bis August 2019 durchgeführt. Insgesamt wurden 120 HIV-positive Patienten mit geschlossenen Frakturen eingeschlossen und in drei Gruppen unterteilt: die E/C/F/TAF-Regime-Gruppe (n = 40), die TDF/3TC/EFV-Regime-Gruppe (n = 40) und eine unbehandelte Kontrollgruppe (n = 40). Das mediane Alter der Patienten betrug 35 Jahre, mit einer Spanne von 20 bis 53 Jahren. Alle Patienten unterzogen sich einer offenen Reposition und internen Fixierung ihrer Frakturen. Die Studie wurde von der Ethikkommission des Krankenhauses genehmigt, und von allen Teilnehmern wurde eine Einwilligungserklärung eingeholt.

Die Viruslast und die CD4+-T-Zell-Zahlen wurden bei der Diagnose sowie nach 7 und 10 Tagen Behandlung gemessen. Die statistischen Analysen wurden mit SPSS Version 24.0 durchgeführt. Kontinuierliche Variablen mit nicht-normaler Verteilung wurden als Median (Q1, Q3) ausgedrückt und mit dem Kruskal-Wallis-H-Test gefolgt vom Nemenyi-Test analysiert. Kategorische Variablen wurden als Zahlen (%) dargestellt und mit dem exakten Test nach Fisher oder dem Chi-Quadrat-Test verglichen, je nach Anwendbarkeit. Ein P-Wert von weniger als 0,05 wurde als statistisch signifikant betrachtet.

Die Ergebnisse zeigten, dass das E/C/F/TAF-Regime eine schnellere VL-Reduktion im Vergleich zum TDF/3TC/EFV-Regime erreichte. Nach 7 Tagen Behandlung betrug die mediane VL in der E/C/F/TAF-Gruppe 4,86 log10 Kopien/ml (Interquartilsbereich [IQR]: 4,48–5,01), signifikant niedriger als die 5,31 log10 Kopien/ml (IQR: 5,03–5,61) in der TDF/3TC/EFV-Gruppe (P = 0,017). Bis zum 10. Tag reduzierte die E/C/F/TAF-Gruppe die VL weiter auf 3,58 log10 Kopien/ml (IQR: 3,16–3,79), verglichen mit 4,05 log10 Kopien/ml (IQR: 3,55–4,37) in der TDF/3TC/EFV-Gruppe (P = 0,038).

In Bezug auf die Wiederherstellung der Immunfunktion übertraf das E/C/F/TAF-Regime ebenfalls das TDF/3TC/EFV-Regime. Nach 7 Tagen Behandlung betrug die mediane CD4+-T-Zell-Zahl in der E/C/F/TAF-Gruppe 505,6 Zellen/mm3 (IQR: 385,3–698,0), höher als die 453,2 Zellen/mm3 (IQR: 319,2–700,3) in der TDF/3TC/EFV-Gruppe (P = 0,021). Bis zum 10. Tag stieg die CD4+-T-Zell-Zahl in der E/C/F/TAF-Gruppe auf 551,2 Zellen/mm3 (IQR: 374,2–710,6), verglichen mit 483,3 Zellen/mm3 (IQR: 337,6–698,2) in der TDF/3TC/EFV-Gruppe (P = 0,046).

Postoperative Komplikationen, einschließlich chirurgischer Wundinfektionen, verzögerter Heilung und Pseudarthrose von Frakturen, Thrombosen, Lungenentzündungen und Nierenversagen, wurden über 12 Monate hinweg überwacht. Die E/C/F/TAF-Regime-Gruppe wies signifikant weniger Komplikationen auf (3/40, 7,5%) im Vergleich zur TDF/3TC/EFV-Regime-Gruppe (7/40, 17,5%) (P = 0,031). Die unbehandelte Kontrollgruppe hatte die höchste Komplikationsrate (9/40, 22,5%).

Die Studie unterstreicht die Überlegenheit des E/C/F/TAF-Regimes bei der schnellen VL-Reduktion und der Verbesserung der Immunfunktion bei HIV-positiven Frakturpatienten. Dieses Regime reduziert nicht nur das Risiko postoperativer Komplikationen, sondern verbessert auch die Sicherheit chirurgischer Eingriffe sowohl für Patienten als auch für medizinisches Personal. Während das TDF/3TC/EFV-Regime ebenfalls eine VL-Reduktion zeigte, waren die Effekte weniger ausgeprägt und langsamer im Vergleich zum E/C/F/TAF-Regime.

Zusammenfassend betonen die Ergebnisse die Bedeutung einer präoperativen VL-Reduktion bei HIV-positiven Frakturpatienten. Das E/C/F/TAF-Regime bietet einen effektiveren und schnelleren Ansatz, um dieses Ziel zu erreichen, und reduziert dadurch postoperative Komplikationen und verbessert die Gesamtergebnisse. Diese Studie liefert wertvolle Erkenntnisse für Kliniker, die HIV-positive Patienten mit chirurgischen Eingriffen behandeln, und betont die Notwendigkeit einer zeitnahen und effektiven ART, um die chirurgische Sicherheit und die Patientenrehabilitation zu optimieren.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001185

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