Eine 14-jährige multizentrische Studie zu chinesischen Beckenbodenoperationen bei Senkung der Beckenorgane
Zusammenfassung
Die Senkung der Beckenorgane (pelvic organ prolapse, POP) betrifft weltweit Frauen mit einer lebenslangen Operationswahrscheinlichkeit von 11–19%. In den letzten zwei Jahrzehnten nahm die Verwendung synthetischer Netze in der Beckenbodenchirurgie stark zu, was jedoch vermehrt zu Komplikationen führte. Diese Studie analysiert die Entwicklung chinesischer POP-Operationen von 2004 bis 2018 sowie den Einfluss intensivierter Überwachung durch die Chinesische Gesellschaft für Urogynäkologie ab 2011.
Methoden
Retrospektiv wurden Daten von 44.594 Frauen aus 22 tertiären Zentren ausgewertet. Der Anteil verschiedener OP-Verfahren vor und nach 2011 wurde mittels einseitigem Z-Test verglichen (Signifikanzniveau: p < 0,05).
Ergebnisse
Die Anzahl der Eingriffe stieg nach 2011 auf mehr als das Doppelte an (30.688 vs. 13.906). Der Anteil netzgestützter Verfahren erhöhte sich von 38,1% (5.298/13.906) auf 46,0% (14.107/30.688) (Z = 15,53; p < 0,001). Dabei sank die transvaginale Netzplatzierung (TVM) von 94,1% (4.983/5.298) auf 82,2% (11.603/14.107), während laparoskopische Sakrokolpopexien (LSC) von 5,9% (315/5.298) auf 17,8% (2.504/14.107) stiegen (Z = 20,79; p < 0,001).
Diskussion
Der Anstieg netzbasierter Verfahren wird auf verbesserte Diagnostik, Facharztausbildung, internationale Kooperationen und spezifische Trainingsprogramme zurückgeführt. Trotz globaler Sicherheitsbedenken nach FDA-Warnungen (2011) blieb die Netzverwendung in China hoch. Die zunehmende Präferenz für LSC erklärt sich durch geringere Komplikationsraten (Blutungen, Blasenverletzungen), kürzere Hospitalisierung und bessere funktionelle Ergebnisse im Vergleich zu TVM.
Kritisch ist die eingeschränkte Repräsentativität der Daten sowie fehlende Langzeitergebnisse und Informationen zu konservativen Therapien. Die Chinesische Gesellschaft für Urogynäkologie betont weiterhin die Bedeutung von Aufklärung, Qualitätskontrolle und spezialisierter Chirurgenschulung.
Schlussfolgerung
In China zeigt sich ein klarer Trend zu netzgestützten Verfahren, insbesondere LSC, bei gleichzeitiger Regulierung risikobehafteter TVM-Operationen. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit kontinuierlicher Überwachung und Forschung zur Optimierung der POP-Therapie.
Interessenkonflikte
Keine angegeben.
Finanzierung
Die Studie erhielt keine externe Finanzierung.
DOI
10.1097/CM9.0000000000001237