Systemischer Lupus erythematodes nach 9 – valenter humaner Papillomavirus – Impfung

Systemischer Lupus erythematodes nach 9-valenter humaner Papillomavirus-Impfung

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronische Autoimmunerkrankung unbekannter Ätiologie, die jedes Organ befallen kann. Humane Papillomavirus (HPV)-Infektionen wurden mit der Entstehung von zervikaler Dysplasie und Karzinomen bei SLE-Patientinnen in Verbindung gebracht. HPV-Impfstoffe, einschließlich des 9-valenten HPV-Impfstoffs (HPV9), sind wirksam zur Prävention HPV-assoziierter Erkrankungen. Obwohl HPV-Impfungen generell als sicher und immunogen für SLE-Patientinnen gelten, bestehen Bedenken hinsichtlich möglicher Autoimmunreaktionen, einschließlich SLE-Manifestationen nach der Impfung. Dieser Artikel präsentiert zwei SLE-Fälle nach HPV9-Impfung und diskutiert klinische Charakteristika sowie Sicherheitsaspekte.

Fallberichte

Fall 1

Eine 21-jährige Frau entwickelte fünf Tage nach der ersten HPV9-Dosis Schwindel, Fatigue, Übelkeit und Erbrechen. Innerhalb von vier Tagen traten Husten, gelber Auswurf und Thoraxenge hinzu. 18 Tage postvakzinal erfolgte die Hospitalisierung aufgrund von Fieber. Anamnese und Familienanamnese waren unauffällig.

Laborbefunde: Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, Hypokomplementämie, Hypoalbuminämie, erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), positiver Direkter-Coombs-Test sowie Proteinurie (1,64 g/Tag). Antikörperscreening zeigte hohe ANA- (1:1000) und Anti-dsDNA-Titer (1:5), positiv für Anti-Nukleosom-, Anti-Histon-Antikörper und Lupusantikoagulanz. Eine Nierenbeteiligung (proteinurisches Syndrom) und pulmonale Infiltrationen in der CT wurden nachgewiesen.

Trotz Therapie mit Methylprednisolon, Immunglobulinen und Antibiose verschlechterte sich der Zustand mit thrombotischer Mikroangiopathie und neuropsychiatrischem SLE. Die Patientin verstarb an Multiorganversagen.

Fall 2

Eine 21-jährige Frau mit Raynaud-Phänomen in der Anamnese wurde sechs Tage nach HPV9-Impfung mit Fieber hospitalisiert. Diagnostisch zeigten sich Anämie, Leukopenie, Proteinurie (0,94 g/Tag) und positive Autoantikörper (ANA 1:1000, Anti-dsDNA, Anti-RNP, Anti-SSA/SSB). Die Nierenbiopsie bestätigte eine Klasse-IV-Lupusnephritis. Parallel wurde ein papilläres Schilddrüsenkarzinom nachgewiesen.

Unter Therapie mit Prednison, Hydroxychloroquin und Radiofrequenzablation kam es zur Remission. Serologische Infektionstests normalisierten sich ohne spezifische Therapie.

Literaturübersicht

Eine systematische Analyse identifizierte zwölf SLE-Fälle nach HPV-Impfung (HPV2: 1 Fall, HPV4: 6 Fälle, HPV9: 2 Fälle). Die Symptommanifestation erfolgte zwischen 5 Tagen und 4 Monaten postvakzinal, bei HPV9 im Median nach 5,5 Tagen. 75% der Patienten wiesen eine Autoimmunanamnese auf. Klinisch dominierten Hautausschlag (67%), Arthralgien (67%), Nierenbeteiligung (58%) und neurologische Symptome (33%).

Laborchemisch fanden sich bei 92% ANA, bei 75% Anti-dsDNA und bei 83% Hypokomplementämie. Zwei Patienten verstarben, zehn erreichten eine Remission.

Diskussion

Die Pathogenese des SLE umfasst genetische, hormonelle und Umweltfaktoren. HPV-Impfstoffe können durch molekulare Homologie zu humanen Proteinen (z.B. L1-Kapsidprotein) Kreuzreaktivitäten auslösen. Adjuvantien wie Aluminiumhydroxid stehen ebenfalls im Verdacht, Autoimmunphänomene zu induzieren. Die hier beschriebenen Fälle zeigen eine schnellere Symptommanifestation nach HPV9 im Vergleich zu anderen Vakzinen, möglicherweise bedingt durch höhere Antigenlast.

Auffällig ist die Transienz falsch-positiver Infektionsserologien bei Remission, was auf eine HPV-induzierte polyklonale B-Zell-Aktivierung bei genetisch prädisponierten Personen hindeutet. Epidemiologische Studien zeigen keine erhöhte SLE-Inzidenz nach HPV-Impfung in der Allgemeinbevölkerung (3,23 vs. 3,42/100.000 Personenjahre). Dennoch könnte bei Risikopersonen eine vorzeitige Krankheitsmanifestation begünstigt werden.

Zusammenfassung

HPV-Impfungen bleiben essenziell in der Krebsprävention, erfordern jedoch eine individuelle Risikostratifizierung. Bei Patienten mit Autoimmunanamnese oder persistierenden Autoantikörpern sollte eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Weitere Studien zur Sicherheit von HPV9 – insbesondere hinsichtlich adjuvansbedingter Immunstimulation – sind notwendig.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001897

Schreibe einen Kommentar 0

Your email address will not be published. Required fields are marked *