Der ACC/AHA-Risikoscore zur Vorhersage der koronaren Herzkrankheit

Der ACC/AHA-Risikoscore zur Vorhersage des Vorhandenseins und Schweregrades der koronaren Herzkrankheit in einer chinesischen Population: Eine Querschnittsstudie

Die koronare Herzkrankheit (KHK) bleibt weltweit die häufigste Todesursache mit etwa 17,3 Millionen Todesfällen im Jahr 2013. Diese Zahl ist seit 1990 gestiegen, was die zunehmende Belastung durch kardiovaskuläre Erkrankungen verdeutlicht. Der ACC/AHA-Risikoscore (American College of Cardiology/American Heart Association) ist ein etabliertes Modell zur Abschätzung des 10-Jahres-Risikos für ein erstes atherosklerotisches kardiovaskuläres Ereignis (ASCVD). Diese Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem ACC/AHA-Risikoscore und dem Gensini-Score (GS), einem Maß für den KHK-Schweregrad, sowie die Eignung des ACC/AHA-Scores zur Vorhersage von Vorhandensein und Ausprägung der KHK in einer chinesischen Population.

Methoden
In dieser monozentrischen, querschnittlichen Beobachtungsstudie am Sir Run Run Shaw Hospital der Zhejiang-Universität (Januar 2007 bis Juli 2019) wurden 16.155 Teilnehmer eingeschlossen. Einschlusskriterien: Alter 40–79 Jahre, keine vorherige Koronarangiografie. Ausschlusskriterien: Schwere Klappenerkrankungen, dekompensierte Herzinsuffizienz, akutes Koronarsyndrom, Schlaganfall, Myokardinfarkt in der Anamnese oder vorherige Revaskularisation. Die Studie folgte der Deklaration von Helsinki und wurde von der Ethikkommission genehmigt; alle Teilnehmer gaben eine schriftliche Einwilligung.

Die Teilnehmer wurden anhand des GS in Schweregradgruppen eingeteilt. Klinische Variablen (u. a. Geschlecht, Alter, systolischer Blutdruck, Raucherstatus, Diabetes mellitus, Blutfettwerte, Entzündungsparameter) wurden mittels univariater und multivariater logistischer Regression auf ihren Zusammenhang mit KHK-Prävalenz und -Schweregrad analysiert. Der ACC/AHA-Risikoscore wurde unter Verwendung der Koeffizienten für weiße und schwarze Populationen berechnet. Lineare und logistische Regressionen sowie ROC-Kurven (AUC-Berechnung) dienten der Validierung.

Ergebnisse
Der ACC/AHA-Risikoscore erwies sich unabhängig von der verwendeten Koeffizientengruppe (weiß/schwarz) als unabhängiger Prädiktor für KHK-Prävalenz und -Schweregrad. Im ROC-Vergleich übertraf der ACC/AHA-Score den Framingham-Risikoscore (FRS) bei der KHK-Prädiktion (AUC: 0,742 vs. 0,698; p < 0,001), während der FRS bei der Schweregradvorhersage besser abschnitt (AUC: 0,684 vs. 0,639; p < 0,001).

Für die chinesische Population wurden folgende Grenzwerte identifiziert:

  • KHK-Präsenz: 8,45 % (weiße Koeffizienten) bzw. 8,76 % (schwarze Koeffizienten).
  • PCI-Indikation: 10,71 % (weiß) bzw. 12,74 % (schwarz).

Diskussion
Die Ergebnisse unterstreichen die klinische Relevanz des ACC/AHA-Scores in der chinesischen Population. Die hohe Validität der ermittelten Grenzwerte – gestützt durch die große Stichprobe und methodische Rigorosität – ermöglicht eine präzisere Risikostratifizierung. Die Überlegenheit des ACC/AHA-Scores gegenüber dem FRS in der Prävalenzvorhersage, jedoch nicht im Schweregrad, verweist auf populationsspezifische Modellanpassungen.

Vergleiche mit anderen Scores (MESA, SCORE) zeigen heterogene Resultate: Während MESA in einigen Studien den FRS übertraf, war SCORE minimal überlegen. Kombinationsmodelle (z. B. Alter, Geschlecht, Aortenklappenverkalkung, Lipidwerte) oder die Integration inflammatorischer Marker könnten die Prädiktionskraft zukünftig erhöhen.

Schlussfolgerung
Der ACC/AHA-Risikoscore eignet sich zur KHK-Vorhersage und -Risikostratifizierung in der chinesischen Population (40–79 Jahre). Die Grenzwerte bieten klinisch praktikable Entscheidungshilfen, insbesondere für PCI-Indikationen. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit populationsspezifischer Anpassungen etablierter Risikomodelle.

doi:10.1097/CM9.0000000000001123

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